17.4.09

Frauenhobby Fußball

2007 wurde Deutschland Weltmeister im Frauenfußball – und das schon zum zweiten Mal. Die Vereine profitieren von diesem Erfolg. Immer mehr Mädchen und Frauen gehen auf Torejagd.‎

"Komm Sandra, die Stürmer(前鋒) müssen sich zeigen!", ruft Cosimo Martina über den Trainingsplatz. Er ist Jugendtrainer bei Fortuna Köln, wo er eines der insgesamt vier Mädchenteams betreut. Die 14-jährige Theresa und ihre Freundin Luzie kicken bereits seit sechs Jahren für den Kölner Traditionsklub. Luzie ist durch ihren kleinen Bruder zum Fußball gekommen. Als er in einen Verein ging, erzählt sie, wollte sie das unbedingt auch machen.

 

Im Jahr 2008 meldete der Deutsche Fußball-Bund über eine Million weiblicher Mitglieder: eine Rekordzahl! Hans-Jürgen Tritschoks, früher selbst Trainer einer Frauenfußballmannschaft, wundert das nicht. "Vorbilder haben die Mädchen hierzulande wirklich genug", findet Tritschoks.

 

Damit meint er vor allem die Frauen der deutschen Nationalelf. Sie wurden bereits zwei Mal in Folge Weltmeister. Dennoch gilt ihr Fußball immer noch als weniger attraktiv als der ihrer männlichen Kollegen. Doch das ändert sich langsam. Denn laut Tritschoks ist das Spiel der Frauen schon deutlich schneller und athletischer(adj.強壯的) geworden. Außerdem lobt der frühere Trainer die gute Technik vieler Spitzenspielerinnen – sowie ihr weniger theatralisches(adj.戲劇化的.誇張的) Verhalten auf dem Spielfeld: "Anders als manche männlichen Kollegen stehen die Spielerinnen auch nach einem Foul(s.犯規) einfach auf und machen weiter", so Tritschoks.

 

Auch Trainer Cosimo Martina fühlt sich wohl im Frauenfußball. Über sein Team sagt er: "Die Mädchen sind sehr lernwillig und mir wirklich ans Herz gewachsen." Martina denkt, dass er auch in Zukunft weiter mit ihnen arbeiten wird.

 

Freitag, 17. April 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4186065,00.html 


Glossar

 

von etwas profitieren – durch etwas einen Vorteil haben

 

auf Torejagd gehen – versuchen, den Fußball möglichst oft ins Tor zu schießen

 

Stürmer/in, der/die – jemand, der beim Fußball Tore schießen soll

 

kicken – (aus dem Englischen) Fußball spielen

 

Traditionsklub, der – ein Verein, den es schon lange gibt und der bekannt ist

 

Vorbild, das – jemand, den man so sehr bewundert, dass man so sein möchte wie er

 

hierzulande – in diesem Land; das Land, in dem man sich gerade befindet

 

Nationalelf, die – die Fußballnationalmannschaft (bestehend aus 11 Spielern/Spielerinnen)

 

in Folge – direkt hintereinander

 

etwas gilt als etwas – viele Menschen haben eine bestimmte Meinung über etwas

 

attraktiv – hier: interessant; so, dass etwas gut gefällt

 

laut – hier: nach Angaben von; wie jemand gesagt hat

 

athletisch – sehr sportlich

 

Spitzen- – hier: die besten

 

theatralisch – hier: sehr übertrieben (z. B. wenn man beim Fußball so tut, als ob man schwer verletzt ist)

 

Foul, das – verbotenes Verhalten gegenüber einem/einer Spieler/in der anderen Mannschaft

 

sich wohl fühlen – sich gut fühlen

 

jemandem ans Herz wachsen – für jemanden sehr wichtig werden

16.4.09

Die Geheimnis der Ostereier

Jedes Jahr im Frühling feiern Christen auf der ganzen Welt das Osterfest. Wie bei allen Festen gibt es auch zu Ostern zahlreiche Bräuche und Geschichten. Eine Geschichte handelt von dem Osterhasen. ‎


Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland wissen nicht mehr, dass zu Ostern die Auferstehung(e.復活) Jesu Christi gefeiert wird. Doch den Osterhasen kennen alle: In Ländern wie zum Beispiel Deutschland oder der Schweiz bringt der Osterhase bunt bemalte Eier und versteckt diese im Garten. Am Ostersonntag machen sich Kinder und Erwachsene auf die Suche nach den Eiern.

 

Die Geschichte vom Hasen und den Ostereiern hat allerdings wenig mit der Auferstehung Jesu Christi zu tun. Sie stammt von den evangelischen(adj.福音的) Christen. Sie wollten ihren Kindern erklären, warum es an Ostern so viele Eier gab – und machten einfach den fruchtbaren Hasen dafür verantwortlich.

 

Der Bonner Brauchtum(r.風俗.民俗)sforscher Alois Döring erzählt, dass es früher an Ostern besonders viele Eier in den Hühnerställen gab. Das lag daran, dass die Katholiken während der Fastenzeit keine Eier essen durften. Die Protestanten lehnten die Fastenzeit ab, aber nicht das Osterfest, mit dem das Fasten beendet wird. Das feierten auch sie mit vielen bunten Eiern. Denn diese standen – wie in vielen Kulturen – für neues Leben und bei den Christen für die Auferstehung Christi von den Toten.

 

Die ersten Geschichten vom Osterhasen gibt es in der evangelischen Literatur des 17. Jahrhunderts. In manchen Regionen brachten zwar auch der Fuchs oder der Rabe die Eier, doch am Ende setzte sich der Hase durch. Alois Döring vermutet, dass das Osterfest und seine Bräuche bleiben werden. Auch wenn Religion für viele Menschen eine immer kleinere Rolle im Alltag spielt.

 

Dienstag, 14. April 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4176869,00.html


Glossar

 

Brauch, der – eine traditionelle Handlung, die es schon sehr lange gibt

 

Auferstehung, die – hier: die Geschichte, dass Jesus nach seinem Tod wieder lebendig wurde

 

Jesu Christi – der lateinische Genitiv von Jesus Christus

 

bunt bemalt – so, dass man mit vielen Farben auf etwas gemalt hat

 

sich auf die Suche machen – mit der Suche beginnen

 

evangelisch – zu einer bestimmten christlichen Glaubensrichtung gehörend

 

fruchtbar – hier: so, dass man viele Kinder bekommt

 

Brauchtum, das – alle (traditionellen) Bräuche

 

etwas liegt an etwas – etwas ist der Grund für etwas

 

Katholik/in, der/die – ein Christ einer bestimmten Glaubensrichtung evangelischer Christ

 

Fastenzeit, die – die Zeit, in der Gläubige weniger essen oder bestimmte Sachen nicht essen

 

für etwas stehen – hier: ein Bild oder ein Symbol für etwas sein; etwas darstellen

 

Rabe, der – ein großer schwarzer Vogel

 

sich durchsetzen – hier: bleiben

 

etwas spielt eine Rolle – etwas ist wichtig

10.4.09

Balkonien oder doch Mallorca

Urlaub trotz Wirtschaftskrise – das ist für viele Menschen nicht selbstverständlich. Immer häufiger werden deshalb preiswerte Urlaubsreisen geplant. Die Hotels klagen über die sinkende Zahl der Reservierungen.‎

Urlaub ja oder nein? All-inclusive, Billigreise oder Ferien auf dem eigenen Balkon? Diese Fragen stellen sich immer mehr Deutsche aufgrund der Finanzkrise. Viele von ihnen glauben, dass sie nun den Gürtel enger schnallen(勒緊褲帶) müssen – auch beim Urlaub.
 
Die Reiseveranstalter und Hotels spüren das deutlich an den sinkenden Buchungszahlen. In die Hotels kommen vor allem weniger Geschäftsreisende. Die Kette Grand City betreibt mehr als 50 Hotels mit zwei bis vier Sternen in Deutschland. Wenn die Krise anhält, müssen sie vielleicht Mitarbeiter entlassen. Bei ihnen sei die Situation aber immer noch besser als im Fünf-Sterne-Bereich, sagt man bei Grand City.
  
Andere wiederum profitieren(vt.受益) von der Krise: Dass die Kunden wieder auf den Geldbeutel schauen, stört Oliver Winter von A&O Hostels weniger. Sein Unternehmen bietet günstige und einfache Übernachtungen auch im Mehrbettzimmer an. "Bei uns buchen plötzlich IBM, E.ON oder Kinowelt für bestimmte Mitarbeiter", so Winter. Viele der neuen Gäste haben früher Hotels mit mehr Sternen gebucht.
 
Der Trend zum preiswerten Urlaub ist auch bei den klassischen Urlaubsreisen sichtbar. Spitzenreiter sind All-inclusive-Angebote, bei denen die Urlauber ihre Ausgaben vorher planen können. Kein Wunder für Klaus Laepple vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft: "Wenn in den Medien tagtäglich über krisengeschüttelte Banken […] berichtet wird, wirkt sich das natürlich auch auf die Konsumbereitschaft der Bevölkerung aus."


Glossar
 
Balkonien – ironisch für: Urlaub auf dem eigenen Balkon
 
All-inclusive – (aus dem Engl.) hier: eine Reise, bei der Fahrt, Unterkunft und Essen im Preis enthalten sind
 
aufgrund – wegen
 
den Gürtel enger schnallen – sparen
 
Reiseveranstalter, der – eine Firma, bei der man Reise und Unterkunft buchen kann
 
sinkend – so, dass etwas immer weniger wird
 
Buchung, die – die Reservierung
 
Kette, die – hier: mehrere Hotels, die zur gleichen Firma gehören
 
Stern, der – hier: eine einheitliche Bewertung, wie komfortabel ein Hotel ist
 
etwas hält an – etwas dauert lange
 
von etwas profitieren – von etwas einen Vorteil haben
 
auf den Geldbeutel schauen – sparen; genau überlegen, was man kauft
 
Mehrbettzimmer, das – ein Hotelzimmer, in dem man mit fremden Menschen gemeinsam übernachtet
 
Trend, der – hier: die Entwicklung
 
Spitzenreiter, der – hier: das Produkt, das am häufigsten gekauft wird
 
tagtäglich – jeden Tag
 
-geschüttelt – von etwas Schlimmem betroffen
 
etwas wirkt sich auf etwas aus – etwas beeinflusst etwas
 
Konsum, der – der Verbrauch; das Kaufen eines Produkts

9.4.09

Testflug zum Mars

105 Tage lang wird der Deutsche Oliver Knickel in einem nachgebauten(vt.複製) Raumschiff leben. Er ist Teil eines Experiments, das zeigen soll, wie sich Astronauten auf einem langen Weltraumflug verhalten.‎

Nur sechs Männer aus insgesamt 5600 Bewerbern haben es geschafft: Sie sind als Teilnehmer für ein Experiment der europäischen Raumfahrtbehörde ESA ausgewählt worden. 105 Tage lang verbringen sie eingeschlossen in einem nachgebauten Raumschiff in der Nähe von Moskau. Dabei wird über Kameras beobachtet, wie die Männer auf die lange Isolation(e.隔絕) reagieren. Es ist ein erster Test für echte Flüge zum Mars.
 
Einer der Astronauten(e.太空員) auf Zeit ist der deutsche Berufssoldat Oliver Knickel. Er wird mit vier Russen und einem Franzosen drei Monate lang auf engstem Raum zusammenleben. Wie bei einem echten Weltraumflug sind E-Mails und Telefonate die einzige Möglichkeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren – aber nur ein Mal pro Woche und mit starken zeitlichen Verzögerungen(vt.延誤). Gegen das größte Heimweh hat Oliver Knickel Fotos seiner Freundin und der ganzen Familie dabei.
 
Eine Dusche gibt es an Bord nicht, weil sie in der Schwerelosigkeit nicht funktionieren würde. Nasse Tücher sorgen für die tägliche Hygiene. Das Essen wird aus Deutschland geliefert – dazu gehören bayrische Nudeln genauso wie Babynahrung. In dem insgesamt 180 Quadratmeter großen Raumschiff besitzt jeder einen persönlichen Bereich von etwa drei Quadratmetern, in dem er nicht von Kameras beobachtet wird.
 
Knickel erzählt, dass die bemannte Raumfahrt ihn schon immer interessiert hat. Die wichtigsten Kriterien(e.標準) für das Projekt erfüllt der 28-Jährige locker: Größe, Gewicht und Fitness stimmen. Für seine Teilnahme musste Knickel auch beweisen, dass er psychisch stabil ist. Auf die Frage, ob er irgendwann einmal Zweifel an seiner Teilnahme hatte, antwortet Knickel: "Nein, überhaupt nicht!" Er würde auch zu einem echten Flug ins Weltall "Ja!" sagen.
 
 
Glossar
 
Mars, der – hier: der Name eines Planeten (auch genannt: "der rote Planet")
 
etwas nachbauen – etwas bauen, das so aussehen soll wie das Original
 
Raumschiff, das – eine Art Flugzeug für den → Weltraum
 
Weltraum, der (auch: das Weltall) – der Raum, in dem sich z. B. die Planeten befinden
 
Experiment, das – der Versuch
 
Astronaut/in, der/die – jemand, der in den → Weltraum fliegt
 
Raumfahrt, die – das Fliegen in den → Weltraum
 
Isolation, die – das Alleinsein ohne Kontakt zu anderen
 
auf Zeit – für eine bestimmte Dauer
 
auf engstem Raum – sehr dicht zusammen
 
Außenwelt, die – die Menschen außerhalb eines bestimmten Raums
 
Verzögerung, die – die unerwartet längere Dauer von etwas
 
an Bord – hier: im Raumschiff
 
Schwerelosigkeit, die – ein Zustand, in dem Menschen und Dinge kein Gewicht haben
 
Hygiene, die – das Reinigen von etwas/jemandem; die Sauberkeit
 
Quadratmeter, der – ein Flächenmaß (m²)
 
bemannt – so, dass Menschen dabei sind
 
Kriterium, das (Pl. die Kriterien) – die Bedingung
 
locker – hier: ohne Probleme
 
psychisch stabil – so, dass man in der Regel ruhig und gut gelaunt istt

4.4.09

Der umstrittene Papst

Er ist beliebt und gleichzeitig umstritten: In Afrika wird das katholische Kirchenoberhaupt Papst Benedikt XVI. gefeiert. In Europa stören seine Äußerungen viele Menschen. Die Kirche wird immer häufiger kritisiert.‎

Zwei Drittel der deutschen Katholiken sehen Papst Benedikt XVI. immer kritischer, so das Ergebnis einer Meinungsumfrage. Sie sind der Ansicht, dass er mit der Rehabilitierung(e.平反.復興) des Holocaust-Leugners(r.否認者) Richard Williamson einen Fehler gemacht hat. Auch in Frankreich ist der Pontifex(r.教宗) nicht mehr so beliebt wie früher. Die Wiederaufnahme(e.重新接納.重新開始) von vier erzkonservativen(adv.非常保守地) Pius-Brüdern in die katholische Kirche schadete dem Kirchenoberhaupt. Und auch Benedikts Aufforderung, trotz der Ansteckungsgefahr mit Aids auf Kondome zu verzichten, ist umstritten. 

Doch in vielen afrikanischen Ländern ist die katholische Kirche sehr beliebt. Dort hat sie – im Gegensatz zu Europa – sehr oft direkten Kontakt zu den Menschen. Wo politische Unterdrückung(e.壓迫.鎮壓) und Hungersnöte(pl.飢荒) herrschen, wird die Kirche völlig anders gesehen als in demokratischen Staaten. Neben geistlichem Beistand(r.幫助) macht sie sich in diesen Ländern auch durch humanitäre(adj.人道的.仁慈的) und karitative(adj.慈善的.慈愛的) Hilfe bei der Bevölkerung beliebt. Wenn der Papst durch Afrika reist, begrüßen ihn die Gläubigen dort mit großer Freude. 

Grund für diese Unterschiede sind die ungleichen Lebensbedingungen auf beiden Kontinenten. In Afrika steht die Kirche vielen Menschen im täglichen Kampf um ihre Existenz bei. Vor allem in Westeuropa finden viele Menschen die katholische Kirche zu dogmatisch(adj.教條的.武斷的). Sie fühlen sich in ihrer persönlichen Freiheit angegriffen. Und auch die Diskussion über das Kondomverbot wird vor allem in Europa und nicht in Afrika geführt.



Freitag, 03. April 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4149205,00.html
Glossar 

umstritten – so, dass es verschiedene Meinungen zu etwas gibt

Kirchenoberhaupt, das – der oberste Priester einer Kirche; hier: der Papst

Meinungsumfrage, die – eine Untersuchung, bei der viele Menschen nach ihrer Meinung gefragt werden

Wiederaufnahme, die – das Zurückholen von jemandem in eine Gemeinschaft

Holocaust-Leugner, der – jemand, der behauptet, dass der Mord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten nicht stattgefunden hat

Pontifex, der – der Papst

Rehabilitierung, die – hier: die Wiederaufnahme

erzkonservativ – sehr konservativ; so, dass jemand sehr altmodische Ansichten hat

Bruder, der – hier: ein Priester

auf etwas verzichten – freiwillig etwas nicht benutzen, das eigentlich erreichbar ist

Ansteckung, die – die Übertragung einer Krankheit auf einen anderen Menschen

Unterdrückung, die – die ungerechte Behandlung von Schwächeren

Hungersnot, die – die Tatsache, dass in einem Land viele Menschen nichts zu essen haben

geistlicher Beistand, der – die Hilfe durch einen Priester

humanitäre Hilfe, die – Hilfe, die nötig ist, wenn die Menschenrechte nicht beachtet werden

karitative Hilfe, die – Hilfe für arme und kranke Menschen

Gläubige, der/die – jemand, der an einen Gott glaubt

dogmatisch – so, dass man nicht bereit ist, Argumente von anderen anzuhören

1.4.09

Mit Geschichte in die Zukunft

Wozu brauchen wir Geschichte? Diese Frage hat Regisseur Thierry Bruehl Jugendlichen in Deutschland gestellt. In seinem Kurzfilm zeigt er, wie relevant die Vergangenheit auch für junge Menschen sein kann.‎

Darren ist unzufrieden. Der Regisseur Thierry Bruehl hat ihn vor der Kamera zur deutschen Geschichte befragt, aber der 16-jährige Magdeburger wusste auf viele Fragen keine Antwort – auch nicht bei den Themen DDR und Mauerfall. Damals, sagt er wie zur Entschuldigung, war er ja noch nicht geboren.
 
Mit seiner Unkenntnis ist Darren nicht alleine. Von den etwa 240 Jugendlichen, die Thierry Bruehl für sein Filmprojekt gecastet hat, konnten gerade einmal 14 oder 15 etwas mit dem Datum 1989 anfangen. Der Regisseur begründet dies damit, dass deutsche Geschichte in vielen Familien kein Thema ist. Er macht aber auch den Geschichtsunterricht, besonders in Haupt- und Realschulen, verantwortlich.
 
"Und jetzt? – Wozu brauchen wir Geschichte?" hat Thierry Bruehl seinen Kurzfilm genannt. Dafür hat er 13 Jungen und Mädchen aus ganz Deutschland vor die Kamera geholt. Alle leben in sozialen Brennpunkten(r.社會問題特別多的地方), einige stammen aus Einwandererfamilien. "Die Truppe", sagt Thierry Bruehl, "ist ganz einfach ein Spiegelbild unserer Gesellschaft."
 
Im Film erzählen die Jugendlichen, was sie mit zentralen Daten der deutschen Geschichte verbinden: von der Gründung der Weimarer Republik bis zum Fall der Berliner Mauer. Sie spielen auch historische Ereignisse oder Situationen nach. So tragen sie zum Beispiel den gelben Stern, wie es jüdische Bürger im Dritten Reich(s.第三世界) tun mussten. Anschließend drückt jeder seine Gedanken und Gefühle auf seine eigene Art aus – etwa als Rap oder Breakdance. So entsteht eine Verbindung zum eigenen Leben. Der 18-jährige Eddy zum Beispiel erkennt, dass er es als Ausländer im Dritten Reich schwer gehabt hätte. Und er fügt hinzu: "Man muss aus den Fehlern lernen. Denn ohne Geschichte gibt es keine Zukunft."

Dienstag, 31. März 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4142303,00.html 
 
Glossar
 
Regisseur/in, der/die – jemand, der Schauspielern sagt, wie sie spielen sollen
 
relevant – bedeutend; wichtig
 
DDR, die – die Deutsche Demokratische Republik (1949–1990)
 
Mauerfall, der – die Öffnung der Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland (1989)
 
jemanden casten – (aus dem Englischen) testen, ob jemand z. B. für eine bestimmte Filmrolle geeignet ist
 
etwas mit etwas anfangen können – ungefähr wissen, worum es bei einem Thema geht
 
etwas begründen – etwas als Grund für etwas nennen
 
etwas ist kein Thema – hier: über etwas wird nicht gesprochen
 
soziale Brennpunkt, der – ein Ort mit vielen sozialen Problemen und hoher Arbeitslosigkeit
 
aus etwas stammen – aus einer bestimmten Umgebung (z. B. Ort oder Familie) kommen
 
Truppe, die – hier: eine Gruppe von Darstellern
 
Weimarer Republik, die – die erste deutsche Republik (1919–1933)
 
historisch – bezogen auf etwas oder jemanden aus der Vergangenheit
 
Dritte Reich, das – der Nationalsozialismus; die Diktatur Hitlers (1933–1945)
 
anschließend – danach
 
Rap, der – (aus dem Englischen) Sprechgesang; eine bestimmte Musikrichtung
 
Breakdance, der – (aus dem Englischen) eine moderne, sehr sportliche Art zu tanzen
 
jemand hat es schwer – jemand hat Probleme; jemand ist in einer schwierigen Situation