31.12.08

Alle(s) halb so wild


Die sexuelle Entwicklung der Jugendlichen in Deutschland hat sich nicht verändert, sagen Experten. Auch heute haben Teenager "ihr erstes Mal" nicht früher als ihre Eltern damals.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung befragt regelmäßig Jugendliche zum Thema Sex. Glaubt man ihr, hat etwa die Hälfte der Jugendlichen den ersten Geschlechtsverkehr(r.性交) im Alter von 15 oder 16 Jahren, und ungefähr ein Drittel wartet sogar bis nach dem 18. Lebensjahr.
 
Mit diesen Ergebnissen widerspricht die Bundeszentrale einer in der Öffentlichkeit weit verbreiteten Meinung. David Riha, Sexualpädagoge bei Pro Familia in Brandenburg, kritisiert, dass zu oft von Einzelfällen auf die gesamte Jugend geschlossen wird. "Das Sexualverhalten von Jugendlichen ist nicht zu verallgemeinern(vt.使一般化)", so Riha.
 
Experten weisen darauf hin, dass sich die Sexualaufklärung in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat. "Die größere Offenheit vieler Familien erleichtert eine gesunde Sexual-Entwicklung sehr", sagt die Leipziger Familienberaterin Catrin Dix. "Heute weiß man, dass Kinder bereits ab einem Alter von nur einem Jahr sexuelle Gefühle haben." Ihrer Meinung nach sollten Kinder deshalb noch vor der Pubertät(e.成年) aufgeklärt werden.
 
Auch David Riha stimmt dem zu. Er findet es wichtig, Jugendliche aufzuklären, bevor sie ihr Wissen über Sex aus Pornofilmen(r.色情電影) im Internet beziehen. Gleichzeitig warnt er davor, den Einfluss des Internets zu überschätzen(vt.評估過高): "Untersuchungen zeigen, dass alle Jugendlichen verschiedene Quellen nutzen", so der Sexualpädagoge. "Haben die Jugendlichen einmal ihre Neugier im Internet gestillt(), ist die Sache damit meist erledigt."
 
Dienstag, 30. Dezember 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3898003,00.html 
Glossar
 
etwas ist halb so wild – etwas ist nicht so schlimm
 
Experte/in, der/die – jemand, der über ein Thema sehr viel weiß
 
"das erste Mal" – der erste → Geschlechtsverkehr
 
Aufklärung, die – hier: die Erklärung, wie Sex funktioniert, welche Probleme es geben kann usw.
 
Geschlechtsverkehr, der – der sexuelle Kontakt zwischen Menschen
 
Sexualpädagoge/in, der/die – jemand, der vor allem Jugendliche über das Thema Sex, Liebe, Erwachsenwerden usw. informiert
 
von etwas/jemandem auf etwas/jemanden schließen – nach dem Vergleich mit etwas/jemandem denken, dass etwas/jemand bestimmte Eigenschaften hat
 
etwas verallgemeinern – etwas als allgemein gültig darstellen
 
etwas erleichtern – etwas leichter machen
 
Pubertät, die – der Lebensabschnitt, während dessen sich ein Mädchen zur Frau beziehungsweise ein Junge zum Mann entwickelt
 
Pornofilm, der – ein Film, dessen einzige Funktion es ist, Menschen beim Sex zu zeigen
 
etwas beziehen – hier: etwas bekommen
 
etwas überschätzen – etwas wichtiger finden als es ist
 
Quelle, die – hier: der "Ort" (z. B. das Internet), an dem man Informationen findet
 
seine Neugier stillen – dafür sorgen, dass man erfährt, was man unbedingt wissen will

29.12.08

Von Punkrock zum Theater


Die Toten Hosen sind eine der erfolgreichsten deutschen Bands. Mit mehr als 22 Millionen verkauften Alben in 26 Jahren ist die Düsseldorfer Punkrockband(e.搖滾龐克樂團) ein Vorbild für viele andere Musiker. ‎

Die Band um den Sänger Campino hatte es in den ersten Jahren nicht leicht: Sie wurde nicht ernst genommen. 1988 kam dann mit ihrem Album "Ein kleines bisschen Horrorshow" der große Erfolg. Und dieser Erfolg hält bis heute an. Das 2008 erschienene Album der Band "In aller Stille" erreichte wie die sechs Alben zuvor Platz eins der deutschen Charts(e.排行榜).
 
Die Toten Hosen bieten den Fans eine Mischung aus Saufliedern und nachdenklichen Songs. Ihren Hit "Zehn kleine Jägermeister" kann man zum Beispiel oft auf Partys hören. Der Klassiker "Kauf mich" dagegen kritisiert den Konsumwahn(r.消費幻想症.) in der Gesellschaft. Auf dem Album "In aller Stille" aber gibt es gar keine Sauflieder mehr. Die Texte handeln von Themen wie Liebe, Verlust und Vergänglichkeit(e.短暫.瞬間.曇花一現).
 
Das Ende seiner langjährigen Partnerschaft und die Fernbeziehung zu seinem Sohn waren für Sänger Campino die Gründe für die ernsteren Texte. Aber auch seine Arbeit als Schauspieler hat die Songs stark beeinflusst: 2006 spielte er in Brechts "Dreigroschenoper", 2008 war er Hauptdarsteller in "Palermo Shooting", einem Film des bekannten deutschen Regisseurs(r.導演) Wim Wenders. "Ich habe über die Beschäftigung mit dem Theater und dem Film wieder mehr Spaß an der Sprache entwickelt", sagt der Sänger.
 
Die Zusammenarbeit mit Wenders war eine unvergessliche(adj.難忘的) Erfahrung für den Punkrocker. "Wenn es nach mir ginge(如果就如我所願), würde ich den Film heute noch drehen. Und er müsste nie gezeigt werden. Das wäre mir alles wurscht. In Palermo bin ich morgens aufgewacht und zum ersten Mal seit langer Zeit wieder richtig glücklich gewesen."
 Freitag, 26. Dezember 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3897481,00.html
Glossar
 
tote Hose – (umgangssprachlich) langweilig, nichts los (Auf der Arbeit war tote Hose.)
 
Album, das (Plural: Alben) – hier: eine CD o. Ä., auf der Songs einer Band zu hören sind
 
Punkrock, der – eine Musikart, die sehr laut und schnell ist
 
Band, die – eine Musikgruppe
 
Charts, die – eine wöchentliche Liste von Songs oder Alben, die am meisten verkauft wurden
 
Fan, der – hier: jemand, der eine Band sehr mag
 
saufen – (umgangssprachlich) viel Alkohol trinken
 
Hit, der – hier: ein sehr erfolgreicher Song
 
Jägermeister, der – ein Getränk mit viel Alkohol, das in Deutschland hergestellt wird
 
Konsumwahn, der – die Tatsache, dass Menschen immer mehr haben und kaufen wollen
 
Vergänglichkeit, die – die Eigenschaft, dass alles irgendwann aufhört zu sein
 
Fernbeziehung, die – eine Beziehung zu jemandem, der sehr weit weg lebt
 
Hauptdarsteller, der – ein Schauspieler, der die wichtigste Rolle in einem Film spielt
 
unvergesslich – so, dass man etwas nicht vergisst oder vergessen möchte
 
wenn es nach mir ginge … – wenn ich entscheiden könnte …
 
etwas ist jemandem wurscht/wurst – (umgangssprachlich) etwas ist jemandem egal

23.12.08

Armes Amerika


Rund 3,5 Millionen Menschen leben in den USA auf der Straße. Jeder zehnte Amerikaner hätte ohne Unterstützung nicht genug zu essen. Für sie gibt es Einrichtungen wie "Miriam's Kitchen" – und viele freiwillige Helfer.
Noch nie waren in den USA so viele Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen wie heute. Mehr als 36 Millionen Amerikaner haben nicht genug Geld, um sich jeden Tag eine warme Mahlzeit zu leisten. Hilfe bieten hier karitative(adj.慈善的) Einrichtungen wie "Miriam's Kitchen" in der Innenstadt von Washington DC. Dort gibt es jeden Morgen von Montag bis Freitag ein Frühstück umsonst. Und das besteht nicht nur aus Brötchen und Kaffee, sondern auch aus Omelettes(s.雞蛋捲.煎蛋餅), frischen Früchten und Gemüse. 

Mehr als 63.000 Einrichtungen, die sich um Bedürftige kümmern, gibt es in den USA. Sie funktionieren, weil Menschen ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Bei "Miriam's Kitchen" arbeiten insgesamt 14 Festangestellte und 1500 ehrenamtliche Helfer aus allen Berufen und Schichten. Die ehrenamtlichen Helfer sind zum Beispiel pensionierte(adj.退休的) Diplomaten oder Hausfrauen.

Dell war früher Versicherungsvertreterin. Bei "Miriam's Kitchen" hilft sie nicht nur in der Küche. "Ich mache Maniküre(e.修指甲), aber nicht nur für Frauen." Gerade Männer würden ihren Service sehr genießen, weil sie in Obdachlosenheimen keine spitzen Gegenstände wie Nagelscheren besitzen dürften, meint Dell. Den Haarschnitt der Gäste übernehmen andere Freiwillige. Außerdem kommen regelmäßig ein Arzt und ein Psychiater vorbei. Sogar Kunstkurse werden nach dem Frühstück angeboten.

Mr. C. ist seit vielen Jahren Gast in "Miriam's Kitchen". "Das ist einer der besseren Plätze, zu denen man gehen kann, wenn man obdachlos ist. Besonders, wenn man etwas Gutes essen möchte", sagt er. Der korpulente(adj.肥胖的) Mann fühlt sich wohl in "Miriam's Kitchen". Denn hier kennt jeder jeden. "Als würde man zur Nachbarschaft gehören."



Dienstag, 23. Dezember 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3897352,00.htm

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Glossar 

freiwillig – so, dass man etwas macht, obwohl man es nicht muss

auf etwas angewiesen sein – etwas unbedingt brauchen; etwas benötigen

karitativ – so, dass etwas (eine Einrichtung, eine Organisation) armen Menschen hilft

Omelette, das – eine Speise aus gebratenen Eiern

Bedürftige, der/die – jemand, der sehr arm ist

etwas zur Verfügung stellen – etwas (ab-)geben; etwas anbieten

Festangestellte, der/die – jemand, der mit einem festen Vertrag bei einem Unternehmen/einer Firma arbeitet und dafür Geld bekommt

ehrenamtlich – so, dass jemand für eine Arbeit oder Tätigkeit kein Geld bekommt

pensioniert – so alt, dass man nicht mehr (als Beamter) arbeitet; in Rente sein

Diplomat/-in, der/die – ein/-e offizieller Vertreter/-in eines Staates in einem anderen Staat

Versicherungsvertreter/-in, der/die – jemand, der anderen Menschen Versicherungen anbietet und verkauft

Maniküre, die – die Pflege der Hände, besonders der Fingernägel

etwas genießen – Freude oder schöne Gefühle bei etwas haben

Obdachlosenheim, das – ein großes Haus, in dem Menschen, die keine feste Wohnung haben, übernachten können

Nagelschere, die – eine Schere, mit der man sich die Fingernägel schneidet

korpulent – ziemlich dick

20.12.08

Eine deutsche Fernsehlegende


Er war der dienstälteste Kommissar des deutschen Fernsehens: Stephan Derrick alias(adv.別名為.又名為) Horst Tappert. Seine Rolle als Vorzeigepolizist machte Tappert weltweit bekannt und er bekam viele Preise dafür.‎

Kein deutscher TV-Kommissar hat mehr Fälle gelöst als Oberinspektor Stephan Derrick. 281 "Derrick"-Episoden liefen zwischen 1974 und 1998 im deutschen Fernsehen. Im Durchschnitt hatte eine Sendung etwa zehn Millionen Zuschauer. Aber nicht nur in Deutschland wurde die Serie zum Erfolg, sondern auf der ganzen Welt. Krimi-Fans in mehr als 100 Ländern kennen und lieben den aufrechten(adj.正直的) Kommissar. "Derrick" ist die im Ausland erfolgreichste deutsche Fernsehserie aller Zeiten.
 
Dargestellt wurde Derrick vom Schauspieler Horst Tappert. 1923 in Wuppertal geboren, startete Tappert seine Karriere 1945 am Theater im ostdeutschen Stendal. Dort hatte sich der gelernte Kaufmann eigentlich als Buchhalter beworben. Der Leiter des Theaters aber entschied anders und machte Tappert zum Schauspieler. Es folgten Rollen in Film und Fernsehen, unter anderem in den beim Publikum sehr beliebten Edgar-Wallace-Krimis.
 
Sein "Derrick" aber stellte alle früheren Erfolge Tapperts in den Schatten(片語.超越某人某事). Die Serie über den Kommissar und seinen Assistenten Harry Klein entwickelte sich nicht nur zu einem internationalen Exportschlager. Für seine Rolle wurde Tappert auch mehrfach ausgezeichnet. 1998 bekam er sogar das Bundesverdienstkreuz(s.聯邦十字勳章)verliehen. In der Begründung hieß es, dass er als Derrick zum Ansehen der Bundesrepublik in der Welt beigetragen(vt.做出貢獻) hat.
 
Horst Tappert starb im Alter von 85 Jahren in einer Münchner Klinik. "Es ist traurig, aber jetzt hat er seine Ruhe", so die Worte seiner Ehefrau Ursula Tappert, "Mein Mann hatte ein erfülltes(adj.豐富的) Leben."

Freitag, 19. Dezember 2008 VON http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3882107,00.html 
 
Glossar
 
Legende, die – hier: jemand, der sehr berühmt ist
 
Dienstälteste, der/die – jemand, der länger als alle seine Kollegen in einem Beruf gearbeitet hat
 
alias – auch genannt; bekannt als
 
Vorzeigepolizist/in, der/die – der/die perfekte Polizist/in
 
einen Fall lösen – ein Verbrechen aufklären
 
(im Fernsehen) laufen – im Fernsehen gezeigt werden
 
Fan, der – jemand, der etwas oder jemanden ganz toll findet
 
aufrecht – hier: ehrlich; moralisch
 
Karriere, die – der Erfolg im Beruf
 
Buchhalter/in, der/die – jemand, der die finanziellen Daten eines Unternehmens betreut
 
etwas in den Schatten stellen – sehr viel besser, größer usw. sein als etwas anderes
 
Assistent/in, der/die – jemand, der seine/n Chef/in bei der Arbeit unterstützt
 
Exportschlager, der – etwas, das in sehr viele Länder exportiert wird
 
mehrfach – mehrere Male
 
jemanden für etwas auszeichnen – jemandem für etwas einen Preis geben
 
Bundesverdienstkreuz, das – ein Kreuz aus Metall, das Menschen in Deutschland für besondere Leistungen bekommen
 
jemandem etwas verleihen – jemandem etwas feierlich überreichen
 
zu etwas beitragen – etwas zu etwas dazu geben oder dazu tun
 
erfüllt – erlebnisreich

16.12.08

Liberal für Deutschland – die FDP ‎

Eine große Partei war sie nie, dafür eine wichtige. Denn die FDP ist nicht selten das Zünglein an der Waage(片語.對某事起決定性作用): Seit Gründung der Bundesrepublik gehörte sie oft zur Regierungskoalition(e.聯盟) – mit CDU/CSU oder mit der SPD. ‎

Am 11. und 12. Dezember 1948 wurde von den liberalen Parteien der westlichen Besatzungszonen in der kleinen Stadt Heppenheim eine gemeinsame Partei gegründet: Die Freie Demokratische Partei Deutschlands (FDP). Am Anfang war die FDP allerdings nicht sehr liberal. In den Fünfzigerjahren standen etliche FDP-Mitglieder rechts vom konservativen(adv.保守地) Koalitionspartner CDU/CSU. Ein Teil von ihnen hatte außerdem eine nationalsozialistische Vergangenheit.
 
In den Sechzigerjahren folgte ein Kurswechsel der Liberalen: Die FDP regierte ab 1969 in einer Koalition mit den Sozialdemokraten. 1982 wurde dann der Christdemokrat Helmut Kohl von den Freien Demokraten und der CDU zum Bundeskanzler gewählt – eine umstrittene Entscheidung. Die Partei verlor daraufhin viele Wähler und Mitglieder.
 
Am Anfang des 21. Jahrhunderts hatten die großen Volksparteien SPD, CDU und CSU Schwierigkeiten, ein klares Profil zu finden. Die Liberalen aber verzeichneten(取得一項成就+Erflog) mit ihrem wirtschaftsfreundlichen Kurs neue Erfolge. 2004 konnten sie wieder ins Europaparlament einziehen, in dem sie zehn Jahre lang keinen Vertreter hatten.
 
Aber es gab auch schwere Zeiten für die FDP: Im Jahr 2002 sorgte Jürgen Möllemann, Partei-Chef in Nordrhein-Westfalen, mit antisemitischen(adj.反猶太的) Äußerungen für einen Skandal(r.醜聞). Er musste von allen Parteiämtern zurücktreten(vt.離職.向後退.縮). Umstritten war im gleichen Jahr der Wahlkampf des FDP-Chefs Guido Westerwelle. Einen Sprung von 7 auf 18 Prozent wünschte er sich für die kleine Partei. Dafür warb er sogar mit Aufklebern unter seinen Schuhen. Seine Wahlkampfreise durch Deutschland in einem Wohnwagen, dem so genannten "Guidomobil", sorgte für Spott(r.嘲笑) bei Kollegen und Bevölkerung. Die 18 Prozent konnte die FDP am Ende nicht erreichen.
  
 Dienstag, 16. Dezember 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3878537,00.html
Glossar
 
dafür – hier: stattdessen; aber
 
das Zünglein an der Waage sein – in einer unentschiedenen Situation entscheiden, wer gewinnt
 
Koalition, die – die Zusammenarbeit von mehreren Parteien
 
CDU/CSU – Christlich Demokratische Union/Christlich Soziale Union, die beiden Parteien kandidieren gemeinsam für die Bundestagswahl
 
SPD – Sozialdemokratische Partei Deutschlands
 
westliche Besatzungszonen, die – die amerikanische, britische und französische Zone Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg
 
etliche – viele
 
nationalsozialistisch – auf das Deutschland der Nazis bezogen
 
Kurs, der – hier: die Richtung
 
umstritten – so, dass man sich nicht einig ist, ob etwas richtig ist
 
daraufhin – als Folge von etwas
 
Profil, das – hier: Forderungen, die eine Partei von den anderen unterscheidet
 
Erfolg verzeichnen – Erfolg haben
 
für etwas sorgen – hier: etwas verursachen
 
antisemitisch – feindlich gegenüber Juden
 
Amt, das – eine offizielle Aufgabe, die jemand in einer Partei oder einer Institution hat
 
zurücktreten – ein Amt abgeben
 
Wahlkampf, der – die Werbung der Parteien in den Wochen vor der Wahl
 
Aufkleber, der – eine bedruckte Folie, die man auf etwas kleben kann; der Sticker

14.12.08

Nichts als leere Worte?‎

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist 60 Jahre alt, und die meisten Staaten bekennen sich weiterhin zu ihr. Doch bis heute werden Menschenrechte weltweit missachtet – auch von den westlichen Staaten.‎

Sie war die Antwort auf den Zweiten Weltkrieg, die Herrschaft der Nationalsozialisten und den Völkermord(r.種族屠殺) an den europäischen Juden: Am 10. Dezember 1948 einigten sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Damit wurde erstmals ein Wertesystem formuliert, das für alle Menschen und Staaten gelten sollte.
 
Seit den Terroranschlägen(r.恐怖攻擊) vom 11. September 2001 in den USA sind jedoch viele menschenrechtliche Positionen in Frage gestellt worden. Der Irak-Krieg, der Einsatz von Folter(e.拷問) bei der Terrorbekämpfung oder die Einschränkung der Bürgerrechte haben dazu geführt, dass das Vertrauen in die westlichen Staaten verloren gegangen ist. Gleichzeitig hat der moralische Druck auf die weniger demokratischen Staaten nachgelassen.
 
Die Arbeit des neu gegründeten Menschenrechtsrechtsrats der UN wird deshalb oft kritisiert. Doch die großen Probleme der Gegenwart und Zukunft können nur durch internationale Zusammenarbeit gelöst werden: Der Klimawandel, die Globalisierung, die Ernährungskrise und der Terrorismus betreffen alle Menschen und ihre universellen(adj.普遍的) Rechte.
 
Für Heiner Bielefeldt, Leiter des Deutschen Instituts für Menschenrechte, bleibt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unverzichtbar(adj.不可以放棄的). Er betont dabei besonders die Bedeutung des zivilgesellschaftlichen Engagements: Ohne Organisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch, so Bielefeldt, wären wir im Umgang mit den Ungerechtigkeiten in der Welt noch hilfloser.
Freitag, 12. Dezember 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3870540,00.html 
 
Glossar
 
sich zu etwas bekennen – hier: öffentlich sagen, dass man von etwas überzeugt ist und danach handeln will
 
etwas missachten – etwas (z. B. bestimmte Regeln) nicht beachten
 
sich auf etwas einigen – durch Verhandlungen eine gemeinsame Position finden
 
Wertesystem, das – die Zusammenstellung von bestimmten Vorstellungen oder Ideen, die für viele besonders wichtig sind
 
etwas formulieren – etwas, das man ausdrücken will, in Worte fassen
 
Terroranschlag, der – ein Versuch, Menschen zu töten oder etwas zu zerstören, um Angst zu verbreiten und bestimmte Ziele zu erreichen
 
etwas in Frage stellen – Zweifel an etwas haben
 
Folter, die – hier: das Verursachen von starken Schmerzen bei Gefangenen
 
Einschränkung, die – hier: die Entscheidung, dass jemand von etwas weniger hat als bisher
 
Bürgerrechte, die (Pl.) – die gesetzlichen Rechte, welche die Bürger/-innen eines bestimmten Staates haben
 
moralischer Druck, der – hier: der starke Einfluss auf jemanden, sich "richtig" oder "gut" zu verhalten
 
etwas lässt nach – etwas wird weniger
 
etwas betrifft jemanden – etwas ist wichtig für jemanden; etwas geht jemanden an
 
universell – hier: allgemeingültig; sich auf alle Bereiche beziehend
 
unverzichtbar – so, dass etwas unbedingt da sein muss
 
zivilgesellschaftliches Engagement, das – der Einsatz für bestimmte Ziele, ohne dafür einen Auftrag zu bekommen oder (vom Staat) bezahlt zu werden
 
Umgang, der – hier: die Art, wie etwas behandelt wird

10.12.08

Gegen Rassismus im Klassenzimmer


Rassismus und Diskriminierung(e.歧視) sind ein Problem an deutschen Schulen. Das Projekt "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage(s.勇氣)" macht Kindern und Jugendlichen Mut, aktiv zu werden und gegen Vorurteile zu kämpfen.

Aktionstag an der Nicolaus-August-Otto-Berufsschule in Köln: Ein paar Schüler sprühen(vt.噴出.噴射.流露) bunte Graffitis auf die grauen Mauern der Schule. Andere diskutieren mit einem alten Mann, der als Kind im Konzentrationslager war. Einige üben auf dem Schulhof Breakdance. Die Themen Rassismus und Integration stehen im Mittelpunkt.
 
Armin Ahlheim und Christoph Wesemann betreuen das Projekt. "Einen großen Teil der Diskriminierung bekommen wir als Lehrer gar nicht unbedingt mit", sagt Wesemann. "Deshalb wollen wir den Schülern Mut machen, selbst aktiv zu werden." Für seinen Kollegen Armin Ahlheim geht es vor allem darum, ethische(adj.合乎道德的) Werte zu vermitteln – sogar im Technikunterricht: Darf ein Lehrling in einer Autowerkstatt einen kaputten Airbag wieder einbauen, weil sein Chef ihm den Auftrag dazu gibt – auch wenn dadurch ein Mensch bei einem Unfall sterben könnte? "Ethische Fragen sind nicht nur ein Thema für Gymnasien und Universitäten, sondern gehen uns alle an", so Ahlheim.
 
Die Jugendlichen überzeugt das Projekt. "Durch die gemeinsamen Aktionen kommt man sich einfach näher", sagt Andreas, Schüler an der Kölner Berufsschule, "wir lernen hier voneinander – und das ist eine super Sache!" Auch sein Mitschüler Alex ist begeistert. Der Nigerianer spürt persönlich den Erfolg des Projekts. "Seit ich hier an dieser Schule bin, habe ich noch nie erlebt, dass ein Schüler wegen seiner Hautfarbe diskriminiert wurde", sagt er. "Dieses Projekt hat das Bewusstsein der Menschen verändert. Ich fühle mich an dieser Schule zu Hause: Hier werde ich akzeptiert – so wie ich bin."

Dienstag, 9. Dezember 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3860563,00.html 
 
Glossar
 
Rassismus, der – die Ansicht, dass bestimmte Menschengruppen wegen ihrer Hautfarbe besser sind als andere
 
Diskriminierung, die – das schlechtere Behandeln von Menschen, die eine andere Hautfarbe, Religion, Kultur o. ä. haben
 
Courage, die – (aus dem Französischen) der Mut
 
etwas irgendwohin sprühen – sprayen; etwas Flüssiges (z. B. Farbe) in ganz vielen kleinen Tropfen auf etwas (z. B. einer Mauer) verteilen
 
Graffiti, das – (aus dem Englischen) ein → gesprühtes Bild
 
Konzentrationslager, das – ein Lager, in dem die Nationalsozialisten (1933 – 45) sehr viele Menschen gefangen hielten und töteten
 
Breakdance, der – (aus dem Englischen) eine moderne, sehr sportliche Art zu tanzen
 
Integration, die – hier: die Bildung einer Gemeinschaft mit Menschen aus verschiedenen Kulturen
 
etwas steht im Mittelpunkt – etwas ist besonders wichtig
 
etwas mitbekommen – etwas erfahren; etwas erleben
 
ethisch – bezogen auf Moral; bezogen auf die Frage nach Gut und Böse
 
etwas vermitteln – hier: jemandem etwas klar machen
 
Airbag, der – (aus dem Englischen) eine Art Sack, der sich bei einem Autounfall mit Gas füllt und wie ein Kissen vor Verletzungen schützt
 
begeistert sein – sich sehr freuen
 
etwas spüren – etwas fühlen; hier: etwas selbst erleben
 
Bewusstsein, das – hier: die Ansichten eines Menschen
 
jemanden/etwas akzeptieren – jemanden/etwas annehmen, so wie er/es ist

7.12.08

Fortschritte in der Aids-Forschung


In Deutschland sind etwa 59.000 Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Durch neue Medikamente hat sich die Lebenserwartung von HIV-Infizierten inzwischen deutlich erhöht. Aber Aids ist immer noch nicht heilbar. ‎

Noch vor 15 Jahren gab es in Deutschland nur ein Arzneimittel(s. 藥品), das Aids-Kranken helfen konnte – aber die Wirkung war minimal. Das hat sich geändert: Die Aids-Forschung ist schnell und effektiv. Mit den neu entwickelten Medikamenten leben heute viele Patienten wesentlich länger als früher.
 
Erfolg versprechen vor allem Mittel, die die Entwicklung des Virus in einem sehr frühen Stadium(s.時期.狀態) bekämpfen. Das Medikament Maraviroc verhindert zum Beispiel, dass das HI-Virus überhaupt in die Zelle eines Menschen eindringen kann. Viele der neuen Medikamente haben weniger Nebenwirkungen und müssen seltener eingenommen werden. Oft werden mehrere Medikamente in einem Mittel kombiniert.
 
"Vor fünf Jahren hätten wir das nicht geglaubt", so Carlos Stemmerich, der bei der Aids-Hilfe in Köln Aids-Kranke berät. Früher seien viele HIV-Positive jung gestorben, erzählt er. Manche Wissenschaftler schätzen sogar, dass die Situation immer besser wird: Wer sich heute als 30-Jähriger mit HIV ansteckt, hat eine ähnliche Lebenserwartung wie ein Nicht-Infizierter – wenn er rechtzeitig mit einer entsprechenden Therapie beginnt.
 
Eine Heilung der HIV-Infektion ist im Moment aber nicht in Sicht. Das HI-Virus kann bisher durch keine Behandlung vollständig aus dem Körper entfernt werden. Auch die Hoffnungen auf eine Impfung(e.防疫) gegen HIV hält Carlos Stemmerich für falsch: "Selbst wenn heute ein Impfstoff entdeckt würde, dann dauert das bis zum Einsatz am Menschen mindestens zehn Jahre. Und deshalb muss man immer wieder sagen, dass das Kondom das einzige Mittel ist, um sich vor HIV zu schützen."

Freitag, 5. Dezember 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3851397,00.html
Glossar
 
HI-Virus, der (HIV) – das Virus, das die Krankheit Aids verursacht
 
jemanden infizieren – eine Krankheit an jemanden weitergeben; jemanden anstecken
 
Lebenserwartung, die – das Alter, das jemand normalerweise erreicht
 
nach wie vor – heute genauso wie früher
 
heilbar – so, dass es ein Medikament gegen eine Krankheit gibt
 
Arzneimittel, das – das Medikament
 
minimal – sehr klein; sehr gering
 
effektiv – so, dass etwas Erfolg hat
 
wesentlich – hier: viel
 
Stadium, das – ein Zeitpunkt in einer Entwicklung
 
Zelle, die – hier: der kleinste Teil von Menschen, Tieren und Pflanzen
 
eindringen – in etwas (mit Gewalt) hineinkommen
 
Nebenwirkung, die – eine unerwünschte Wirkung
 
kombinieren – mehrere Dinge zusammenfassen
 
HIV-positiv – mit dem HI-Virus infiziert
 
schätzen – hier: vermuten
 
entsprechend – hier: passend, richtig
 
Therapie, die – die Behandlung einer Krankheit
 
etwas ist nicht in Sicht – etwas wird in der nächsten Zeit nicht passieren
 
Impfstoff, der – das Medikament, das bei der Impfung benutzt wird

3.12.08

Wie deutsche Mode die Welt erobert

Bunte Farben und graphische Muster sind das Markenzeichen der Designerinnen Clara Leskovar und Doreen Schulz. In Japan sind sie inzwischen Stars – nur in Deutschland lässt der Erfolg noch auf sich warten.

In der internationalen Modewelt sind Clara Leskovar und Doreen Schulz sehr erfolgreich. Die beiden Frauen haben sich nach ihrem Studium als Designerinnen selbstständig gemacht. Unter dem Namen c.neeon verkaufen sie seither Mode, die sehr extravagant(adj.超越尺度的) ist: Die Stoffe liegen oft in mehreren Lagen übereinander, die graphischen Muster sind bunt und schrill(adj.刺耳的,這指非常奇特的).
 
Die Kollektionen(e.設計師尚未量產前的服裝) entstehen in einem Atelier(s.工作室) im Osten Berlins. Andere Designer, Fotografen und Autoren arbeiten im gleichen Haus, deshalb ist der Kontakt zu den anderen Künstlern sehr eng. Der Ort gefällt den beiden Frauen, denn die anderen Künstler inspirieren(vt.激勵.鼓舞) sie. Mode ist für c.neeon Kunst. Die Arbeiten wurden sogar in einem Museum in Berlin ausgestellt.
 
In Mailand, London, Tokio und Paris werden die Kollektionen gezeigt, in 25 Ländern werden sie verkauft. Besonders erfolgreich sind die Designerinnen in Japan und in den USA. Nur im eigenen Land lässt der Durchbruch(r.突破.衝破) noch auf sich warten: Deutsche wünschen sich für ihre Kleidung meistens gedeckte Farben, die Mode von c.neeon ist für viele zu extravagant.
 
Um den deutschen Markt trotzdem zu erobern, vergrößern die Designerinnen jetzt ihr Programm: Das neueste Projekt von c.neeon ist eine Teppichkollektion. Wenn es in deutschen Kleiderschränken also auch weiterhin schwarz aussieht – auf den Fußböden wird es vielleicht schon bald sehr bunt werden.
 
 Dienstag, 02. Dezember 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3842969,00.html
Glossar
 
jemanden/etwas erobern – hier: jemanden oder etwas für sich gewinnen
 
graphisch – so, dass etwas klare Formen oder Muster, z.B. Kreise oder Linien, hat
 
Markenzeichen, das – ein Merkmal, das für etwas oder jemanden sehr typisch ist
 
Designer/in, der/die – (aus dem Engl.) hier: jemand, der neue Mode herstellt
 
etwas lässt auf sich warten – etwas wird schon lange erwartet
 
extravagant – besonders; ungewöhnlich
 
schrill – hier: sehr bunt; sehr auffällig
 
Kollektion, die – hier: eine bestimmte Auswahl der Arbeiten eines → Designers
 
Atelier, das – ein Raum, in dem ein Künstler arbeitet
 
jemanden inspirieren – jemanden auf neue Ideen bringen
 
Durchbruch, der – hier: der Moment, in dem man mit seiner Arbeit Erfolg hat
 
gedeckt – hier: so, dass eine Farbe nicht auffällig ist
 
Projekt, das – eine bestimmte Aufgabe, an der längere Zeit gearbeitet wird
 
Teppich, der – ein Gegenstand aus weichem Material (z. B. Wolle), der auf dem Fußboden liegt
 
weiterhin – immer noch