5.7.08

Integration gegen Homophobie


Migrantenkinder lehnen Homosexuelle stärker ab als deutsche Kinder – das ergab eine Studie der Universität Kiel. Aber sie zeigt auch: Je besser die Jugendlichen integriert sind, desto weniger neigen(vt.傾向) sie zur Homophobie(同性戀恐慌症).

"Wenn zwei homosexuelle Männer sich auf der Straße küssen, dann finde ich das abstoßend(adj.討厭的.可惡的)." Diesem Satz stimmte mehr als die Hälfte der 1000 Jugendlichen zu, die in einer Studie zum Thema Homosexualität befragt wurden. Dabei zeigte sich, dass Schüler mit Migrationshintergrund Homosexuelle stärker ablehnen als ihre deutschen Mitschüler. Bei sehr religiösen Schülern ist die Ablehnung noch größer. Man sollte natürlich nicht alle konservativ-religiösen Migranten für homophob halten.
 
Viele Schwule und Lesben erleben täglich Anfeindungen(e.對..有敵意.敵視). Um dagegen zu kämpfen, reichen Plakatkampagnen(e.標語社會運動) nicht aus – man braucht auch mehr Aufklärung im Schulunterricht und klarere Worte von Politikern. Die Migrantenorganisationen müssen einen gemeinsamen Plan entwickeln, um durch Sensibilisierung(e.對某事的敏感) und Aufklärung für mehr Verständnis zu werben.
 
Doch nicht nur junge Migranten äußern Abneigung gegen Homosexuelle. Junge Männer in Deutschland zeigten sich in der Studie generell schwulenfeindlicher als die jungen Frauen. Sowohl bei Deutschen als auch bei Migranten zeigt sich zudem ein Zusammenhang zwischen Homophobie und einem ausgeprägten Männlichkeitsideal. Sexismus und Homophobie gehen auch unter deutschen Schülern Hand in Hand.
 
Doch die Studie zeigt auch, dass viele Jugendliche offen und tolerant(adj.容忍的,寬恕的) mit dem Thema Homosexualität umgehen. Auch unter den Migranten verbessert sich das Verhältnis zu Homosexuellen, wenn sie sich selbst als Teil der Gesellschaft fühlen und von der Gesellschaft akzeptiert werden. "Man darf nicht erwarten, dass jede Minderheit irgendwann von allen akzeptiert wird", sagt der Leiter der Studie, Bernd Simon. Es gehe aber darum, "den Anderen zumindest in Frieden leben zu lassen".
 
Freitag, 28. September 2007 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2801405,00.html 
GLOSSAR
 
Homophobie, die – die starke Ablehnung von Menschen, die Menschen des gleichen Geschlechts lieben
 
Homosexueller, der – die allgemeine Bezeichnung für einen Menschen, der einen Menschen des gleichen Geschlechts liebt
 
abstoßend – sehr unangenehm; ekelhaft
 
Schüler mit Migrationshintergrund – Schüler, deren Familien aus einem anderen Land nach Deutschland eingewandert sind
 
homophob – schwulen- und lesbenfeindlich
 
Schwule, der – ein Mann, der einen Mann liebt
 
Lesbe, die – eine Frau, die eine Frau liebt
 
Anfeindung, die – Beleidigung(e.傷害.侮辱); Beschimpfung; Bedrohung
 
Plakatkampagne, die – eine Werbeaktion mit großen Postern
 
Sensibilisierung, die – auf Probleme aufmerksam machen
 
Aufklärung, die – Vermittlung von Wissen, um eine Sache besser beurteilen zu können
 
für etwas werben – über etwas informieren und dadurch jemanden dafür interessieren
 
ausgeprägt – deutlich
 
Männlichkeitsideal, das – ein festes Bild davon, wie ein Mann sein muss
 
Sexismus, der – eine Einstellung, nach der die Rollen von Mann und Frau in der Gesellschaft streng getrennt sind (oft verbunden mit einer Überbewertung des Männlichen)
 
Hand in Hand gehen – eng verbunden sein; in einem Zusammenhang stehen
 
jemanden akzeptieren – jemanden so annehmen, wie er ist
 
Minderheit, die – eine kleine Gruppe in der Gesellschaft, die sich von der Masse in einem Punkt unterscheidet

Klimawandel trifft die Ärmsten – Wie die EU helfen will


Die EU-Kommission will Entwicklungsländern stärker bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels helfen und plant deshalb ein weltweites Bündnis für den Klimaschutz.

In den letzten Jahren gab es auffällig(adj.引人注目的) viele Naturkatastrophen mit hohen Opferzahlen in Afrika, Asien und der Karibik: Dürren südlich der Sahara, Überschwemmungen(e.水災) in Indien, Bangladesch und Nordkorea, verheerende(adj.災難性的.毀滅性的.糟糕的) Wirbelstürme(r.龍捲風) in der Karibik und in Mittelamerika. Das sind für die EU-Kommission deutliche Zeichen dafür, dass der weltweite Klimawandel vor allem die Entwicklungsländer trifft. Diese tragen kaum zur Verschmutzung der Umwelt bei(vt.幫助zu), bekommen aber die Folgen der Verschmutzung durch die Industrie- und Schwellenländer(e.開發中國家) sehr deutlich zu spüren(vt.感覺到.追蹤.搜索).
 
Deshalb plant die EU, die betroffenen Staaten in den Kampf gegen den Klimawandel einzubinden und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Entwicklungsländer sollen besser auf die bevorstehenden Umweltkatastrophen vorbereitet werden und durch die Industrienationen Hilfe erhalten. Diese Hilfe soll in das Gesamtkonzept zur Förderung des Klimaschutzes eingebunden werden.
 
Eine wichtige Aufgabe ist es, die Tropenwälder(r.雨林) zu erhalten und geschützte Gebiete wieder aufzuforsten(vt.造林.植樹). Außerdem plant die EU-Kommission Förderprojekte für Dämme und intelligente Bewässerungssysteme, um die Folgen von Überschwemmungen zu lindern(vt.減輕.緩和). Frühwarnsysteme vor Stürmen und der Katastrophenschutz sollen ausgebaut werden.
 
Die ärmsten Entwicklungsländer sollen auch in den weltweiten Handel mit Luftverschmutzungsrechten einbezogen(vt.計算在內) werden. Westliche Unternehmen könnten dann Emissionsrechte in Entwicklungsländern kaufen, wenn ihnen der Klimaschutz im eigenen hoch entwickelten Heimatland zu teuer ist. Mit diesem Geld könnten die Entwicklungsländer dann "saubere" Technologien zum Aufbau einer klimafreundlichen Industrie kaufen. Die Entwicklungsländer könnten zur Energieerzeugung ihre erneuerbaren Ressourcen voll ausnutzen – also etwa Wasserkraft und Sonnenenergie.  
 
Freitag, 21. September 2007 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2791295,00.html
GLOSSAR
 
Entwicklungsland, das – ein Land mit großen wirtschaftlichen Problemen und wenig entwickelter Technologie
 
Bewältigung, die – die Lösung eines Problems
 
Klimawandel, der – weltweite Veränderungen von Wetter, Temperatur und Natur (als Ursache gilt die Umwelt– und Luftverschmutzung durch den Menschen)
 
Dürre, die – schwere Trockenheit, sehr lange Zeit ohne Regen
 
Überschwemmung, die – Überflutung von Landschaften und Wohngebieten nach starkem Regen
 
verheerend sein – schwere, schlimme Folgen haben
 
Wirbelsturm, der – ein sehr starker und gefährlicher Wind; Orkan
 
Industrieland, das – technologisch und wirtschaftlich hoch entwickeltes Land; auch: Industriestaat, Industrienation
 
Schwellenland, das – ein Land, das sich langsam vom Entwicklungs- zum Industrieland entwickelt
 
jemanden einbinden – mit jemandem zusammen arbeiten; jemanden als gleichberechtigten Partner akzeptieren
 
bevorstehend – in der Zukunft zu erwarten
 
Gesamtkonzept, das – die Pläne zur Erreichung eines Ziels
 
aufforsten – neue Bäume pflanzen
 
Damm, der – künstliche Wand, z.B. an einem Fluss, die Überschwemmungen verhindern soll
 
Bewässerungssystem, das – ein künstliches System zur (Um-)Leitung von Wasser
 
lindern – minimieren; abschwächen(vt.減輕.緩和)
 
Frühwarnsystem, das – Technik, die Katastrophen voraussagen und Menschen rechtzeitig warnen kann
 
Emissionsrecht, das – die Erlaubnis zum Ausstoß von Schadstoffen (in der Industrie)

4.7.08

Streit um Un-Erklärung zu Urvölkern


Die Erklärung der Vereinten Nationen zu den Rechten von Ureinwohnern hat die Kritik einiger Staaten auf sich gezogen. Vertreter der weltweit 370 Millionen Ureinwohner begrüßten dagegen das Dokument.

Die von den Vereinten Nationen verabschiedete(vt.通過.退役.打發走) Erklärung zu den Rechten der Urvölker verspricht allen Ureinwohnern, Schutz vor Diskriminierung und Ausbeutung. Darauf reagierten die Regierungen Kanadas und der USA, in denen die Urvölker der Inuit(e.因扭特人.北美原住民之ㄧ) und Navajos(e.那瓦約人.美國西南部原住民) leben, und Australiens mit scharfer Kritik. Auch Neuseeland lehnt die Erklärung ab, die das Recht der weltweit 370 Millionen Ureinwohner auf Selbstbestimmung(e.自治) festschreibt(vt.最後書面確定) und ihre Ansprüche auf Land und Bodenschätze formuliert. Demnach steht Urvölkern für Gebiete, von denen sie einmal vertrieben(vt.驅逐) wurden, Ersatz oder Ausgleich(r.協調.平衡.抵消) in anderer Form zu. Ihr eigenes Land darf grundsätzlich nicht für militärische Zwecke oder zur Entsorgung(e.消除(化學類的)殘渣) gefährlicher Stoffe missbraucht werden. Über seine Nutzung bestimmen ausschließlich die Ureinwohner selbst.
 
Die Gegner der Erklärung bemängeln(vt.指責), der Text untergrabe(vt.在..下面.把..底下掏空.破壞.削弱) die staatliche Gesetzgebungshoheit(e.國家主權的立法.) und bevorteile die Ureinwohner bei Eigentumsfragen(e.所有權問題) gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen. Die UN-Erklärung hatte die Stimmenmehrheit erst gewonnen, nachdem das Gesetz erweitert wurde. In diesem Zusatz wurde klargestellt, dass die territoriale(adj.領土的) Integrität(e.完整性) und politische Einheit souveräner Länder von den Rechten der Urvölker nicht eingeschränkt wird. Sie wird erst durch die Integration(e.綜合.一體化) in die nationale Gesetzgebung(e.立法.法律的制定) der UN-Mitgliedstaaten rechtlich bindend(vt.使凝結.束搏.裝訂).
 
Von Vertretern der Ureinwohner weltweit wurde die Verabschiedung mit Erleichterung(e.減輕.(重量.負擔.)減輕(痛苦.緩和)) aufgenommen. Die UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour sprach von einem Triumph(r.勝利.凱旋) für die Gerechtigkeit und die Menschenwürde. Der bolivianische Präsident Evo Morales, ein Aymara-Indianer, begrüßte die Erklärung als historische Wegmarke auf dem Weg zu Selbstbestimmung. "Die ganze Welt hat jetzt anerkannt, dass der Rassismus(r.種族主義) abgeschafft(vt.取消.廢除) werden muss", sagte Morales. "Das müssen all jene verstehen, die uns immer noch als Ignoranten(r.無知的人), Dummköpfe oder Tiere behandeln."
 
Die Deklaration(e.聲明.宣告) wurde nach 22-jährigen Verhandlungen beschlossen. Mit Nein stimmten Kanada, die USA, Australien und Neuseeland, also Staaten, deren Urvölker weite Landstriche mit wertvollen Ressourcen(e.資源物力.財力方法.手段) für sich in Anspruch nehmen(片語:佔領). UN-Angaben zufolge(依據.按照) beherbergen(vt.提供住宿) noch 70 Länder Urvölker mit eigener Sprache, Kultur und Tradition und Religion. In Bolivien machen die Angehörigen des Aymara-Volkes knapp 80 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, in anderen Ländern sind Urvölker bis auf wenige Dutzend Angehörige zusammengeschrumpf(vt.萎縮.縮小.減少).
Dienstag, 18. September 2007 http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2787035,00.html 
 
GLOSSAR
 
jemand zieht Kritik auf sich – jemand wird von anderen mit Skepsis betrachtet
 
etwas begrüßen – hier: für etwas sein
 
etwas verabschieden – hier: etwas wird verwirklicht(vt.實行); etwas wird gesetzlich festgelegt
 
Ausbeutung, die – eine radikale Ausnutzung
 
Selbstbestimmung, die – die Möglichkeit, eigenständig Entscheidungen zu treffen
 
etwas festschreiben – etwas schriftlich erklärt und danach muss man sich richten
 
Anspruch, der – hier: das Recht
 
jemand wird vertrieben – jemand muss gegen seinen Willen seine Heimat verlassen
 
Ausgleich, der – eine Entschädigung, durch die wieder ein Gleichgewicht hergestellt wird
 
Entsorgung, die – die Beseitigung(e.排除.清除.消除) von etwas
 
bemängeln – kritisieren
 
untergraben – schwächen; zerstören
 
Gesetzesgebungshoheit, die – die Durchführung von Regeln für ein Land oder zu einem bestimmten Thema
 
Integrität, die – eine Forderung, dass idealistische Werte und das tatsächliche Alltagsleben übereinstimmen
 
etwas wird bindend – etwas wird Gesetz
 
Deklaration, die – die Erklärung
 
etwas für sich in Anspruch nehmen – etwas besitzen
 
jemanden beherbergen – jemandem Unterkunft bieten
 
zusammenschrumpfen – kleiner werden; weniger werden

Auswanderer im Fernsehen


Sie verlassen ihr vertrautes Leben und setzen alles auf eine unbekannte Karte. TV-Reportagen, die Auswanderer bei ihren ersten Schritten begleiten(vt.陪伴.護送), kommen bei den Zuschauern gut an – besonders weil sie unterhaltsam sind.

Ein Deutscher steht vor dem absoluten Neubeginn in der Fremde – das ist der Inhalt jeder Folge der TV-Sendung "Mein neues Leben (XXL)". Seit einiger Zeit laufen regelmäßig Dokumentationen(e.文件證書.等收集與利用) auf den Privatsendern, die Deutsche auf ihrem Weg zu einer neuen Existenz im Ausland begleiten. Sie heißen "Goodbye Deutschland" oder "Umzug in ein neues Leben" und sie alle begleiten Deutsche, die ihrer Heimat den Rücken kehren, für immer, vorerst(adv.首先).
 
Die Gründe für eine Auswanderung sind bei jedem anders. Aber viele haben gemeinsam, dass sie unvorbereitet und naiv(adj.天真的.自然純樸的.幼稚的.思想簡單的) in ihr Abenteuer aufbrechen(vt.啟程.撬開.開放). Genau diese Ahnungslosigkeit bildet das Fundament(e.基礎.地基.) der Sendungen. Allerdings wollen die Produzenten(e.生產者.電影製片人.監製人.種植者) der Shows den Eindruck vermeiden, man profitiere von gescheiterten Auswanderern. Vielmehr wolle man einen Querschnitt(e.概觀.概況) der deutschen Auswanderer zeigen. Bei der Auswahl der Protagonisten(r.主角.先鋒.主要人物) komme es vor allem auf "eine gute Mischung an, auf exotische Ziele und eine spannende Geschichte".
 
Den Sendungen fehlt es nicht an Unterhaltungswert. Alle zwei Minuten fließen Tränen(e.淚), zum Beispiel wenn die geliebten Pflanzen zu Hause bleiben müssen, die Kinder unerwartet tapfer (adj.勇敢的.大膽的.)sind oder einfach wenn der große Abschied kommt. Die Zuschauer honorieren(vt.獎賞.嘉獎.付酬金.兌換) das. Die kleinen Episoden der modernen Abenteurer schauen durchschnittlich eine Million Zuschauer, die mitfiebern(vt.一起瘋迷).
 
Ein gewisser(adj.確定的.確切的.adv.肯定.一定) aufklärerischer(adj.宣傳的.解釋的) Inhalt ist in den Reportagen trotzdem enthalten. Denn viele der deutschen Auswanderer scheitern(vt.觸礁.失敗) mit ihrem Traum. Viele ziehen allzu blauäugig(adj.天真的.思想單純的.藍眼睛的) in die Ferne, ohne Geld, ohne Sprachkenntnisse, ohne sicheren Job und ohne die geringste Vorstellung, was sie in der Fremde erwartet. "Trotzdem steht die Unterhaltung bei diesen Sendungen im Vordergrund", meint die Medienpsychologin Dagmar Unz von der Universität Saarbrücken. Die Zuschauer würden sich zwar fragen "Was würde ich in der Situation machen?" und dadurch hinzulernen, aber die Sendungen seien kein Bildungsfernsehen. Vielmehr bedienten sie das Fernweh (s.電視上癮)der Menschen, die Lust auf Abenteuer, das Fremde.
 
Freitag, 14. September 2007 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2779497,00.html 
GLOSSAR
 
etwas hinter sich lassen – etwas verlassen
 
alles auf eine Karte setzen – alles riskieren
 
etwas kommt gut an – etwas ist sehr beliebt
 
Privatsender, der – hier: ein Fernsehsender, der kein Geld vom Staat bekommt und sich selbst bezahlen muss
 
Existenz, die – die Lebensgrundlage
 
jemandem/ etwas den Rücken kehren – sich von jemandem/ etwas abwenden; jemanden/ etwas verlassen
 
vorerst - vorläufig
 
aufbrechen – hier: losgehen; weggehen
 
Fundament, das – die Grundlage; die Basis
 
Produzent, der – hier: jemand, der eine Sendung herstellt
 
von etwas profitieren – bei etwas einen Gewinn bekommen
 
gescheitert – keinen Erfolg haben
 
Querschnitt, der – eine Auswahl an unterschiedlichen Dingen
 
Protagonist, der – eine Person in einem Film; hier: die Person, die auswandert
 
Unterhaltungswert, der – der Umfang an Vergnügen
 
etwas honorieren – etwas belohnen; danken
 
mit jemandem mitfiebern – die Entwicklung von jemandem verfolgen; gespannt sein, wie jemand Probleme löst
 
gewiss – unbestimmbar
 
aufklärerisch – bildend
 
blauäugig – umgangssprachlich: naiv
 
Bildungsfernsehen, das – Sendungen, die Informationen und Wissen vermitteln
 
Fernweh, das – die Lust, weit wegzugehen

3.7.08

Marokkanische Jugendliche- Zwischen Abenteuer und Tod


Immer mehr marokkanische Jugendliche versuchen über die Meerenge von Gibraltar nach Europa zu kommen. Auf dem Weg riskieren sie ihr Leben. Doch sie wissen: Schaffen sie es bis nach Spanien, können sie meist bleiben.

Mohammed hat schöne Erinnerungen an seine Heimat. In Imichil im Atlas-Gebirge lebt seine Familie. "Wir haben dort eigentlich ein gutes Leben", sagt Mohammed. " Doch irgendwann ging einer nach dem anderen nach Europa. Als ich sah, dass all meine Freunde nach Europa gingen, beschloss ich auch zu gehen." Sein Vater hatte ihm verboten zu gehen. Doch Mohammed glaubte, das Leben sei in Spanien einfach besser. Mohammed trieb sich einen Monat lang in Tanger am Hafen herum(vt.sich 閒晃), dort wo die Autofähren nach Spanien ablegen(vt.啟航.離岸). Er wartete auf den richtigen Moment, sich unter einen Lastwagen zu hängen. Als er in Spanien ankam, wurde er von der Polizei erwischt(vt.捕獲.捉住.剛好趕上.剛好碰上) und kam in ein Heim für jugendliche Einwanderer.
 
Jose Luis Cabrera arbeitet in einem solchen Heim als Betreuer und kennt die Schicksale der Jugendlichen. Manche mussten schon als Kind bis zu 12 Stunden am Tag schuften, andere stammen aus zerrütteten(vt.精神上.體質上的破獲.損壞) Familienverhältnissen. Doch Cabrera kennt auch viele Fälle wie den von Mohammed. "Für sie ist die Auswanderung eine Art Abenteuer." Es hat sich längst herumgesprochen(vt.到處傳), dass die Jugendlichen als Minderjährige speziellen Schutz genießen. Sie bekommen in der Regel Papiere und können dann, wenn sie 18 sind, bleiben und arbeiten. Bis jetzt haben sich die Behörden an die Regel gehalten, dass Minderjährige nicht abgeschoben(vt.遣送.移開.推卸) werden dürfen. Doch nun fürchten Flüchtlingsorganisationen eine massive (adj.強而有力的.不顧一切的.實心的)Rückführungswelle(e.遣返).
 
"Die andalusische Regionalregierung hat kürzlich angekündigt 880 marokkanische Jugendliche mit ihren Familien zusammenzuführen. Sie behaupten, die Jugendlichen hätten kein Bleiberecht, da sie aus geordneten Familienverhältnissen stammen", sagt Brigitte Espuche, Mitarbeiterin von der Organisation Pro Menschenrechte. Jugendliche wieder zurück nach Marokko zu schicken, sei fatal. "Nach marokkanischem Recht ist die illegale Emigration ein Delikt. Es wird dabei nicht zwischen Minderjährigen und Erwachsenen unterschieden. Wer illegal ausreist kann mit einer Geldbuße oder gar Gefängnisstrafe belegt werden", sagt Espuche.
 
Mohammed hat seine rechtliche Situation in Spanien regeln können. Inzwischen macht er eine Lehre als Handwerker, am Wochenende arbeitet er in einem Restaurant. Würde er wieder nach Spanien kommen? "Nein. Im Atlas, da, wo ich herkomme, gibt es nette Leute. Ich vermisse meine Familie sehr, und sie mich." Wenn er etwas Geld gespart hat, will er zurück zu seiner Familie nach Marokko.
 
Dienstag, 11. September 2007 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2778018,00.html 
 
GLOSSAR
 
beschließen – sich entscheiden
 
sich herumtreiben – sich an einem Ort aufhalten und nichts Sinnvolles tun
 
ablegen - hier: losfahren
 
jemanden erwischen – jemanden entdecken, der etwas Verbotenes getan hat
 
schuften – hart arbeiten
 
zerrüttet – zerstört; kaputt
 
Minderjährige, der – ein Jugendlicher, der noch nicht 18 Jahre alt ist
 
Papiere, die – Begriff für Ausweis und Formulare
 
jemanden abschieben – jemanden gegen seinen Willen in sein Heimatland zurückbringen
 
Rückführungswelle, die – ein Begriff für das Zurückschicken vieler Ausländer in ihr Heimatland
 
Bleiberecht, das – die Erlaubnis, dass ein Ausländer in einem Land bleiben kann
 
geordnet – hier: normal; stabil; intakt
 
illegal - verboten
 
Emigration, die – die Auswanderung aus dem Heimatland
 
Delikt, das – eine verbotene Tat
 
Geldbuße, die – die Geldstrafe
 
jemanden mit einer Strafe belegen – jemand bekommt eine Strafe
 
regeln – organisieren; etwas in Ordnung bringen
 
Lehre, die – eine Ausbildung; die Erlernung eines Berufs
 
Handwerker, der – ein Arbeiter, der mit Werkzeug arbeitet; z.B. Maler, Elektriker

Hochbegabung als Fluch


Hochbegabte Kinder haben weit überdurchschnittliche Fähigkeiten und oft auch besondere Interessen. Meistens sind sie den anderen Kindern in ihrem Alter weit voraus(adv.遠遠領先別人weit voraus sein). Das bringt häufig Probleme mit sich.

Wie die meisten hochbegabten Kinder konnte die kleine Ilka schon vor der Einschulung(e.入學) lesen, schreiben und rechnen. Ihre Eltern beschlossen, sie schon mit fünfeinhalb Jahren einzuschulen(vt.初次入學.讓...上學), doch es war eine schwierige Entscheidung: "Mit fünfeinhalb ist sie eine der Kleinsten, der Jüngsten - auch wenn der Geist vielleicht schon sieben oder acht ist", sagt ihre Mutter Katrin Mattes. "Aber im Kindergarten fühlte sie sich unterfordert."
 
Die Früheinschulung kann auch zur Enttäuschung werden: wenn ein Kind schon vor Schulbeginn sehr gut lesen und rechnen kann, dann fühlt es sich unterfordert und erlebt den Unterricht als langweilig. Deshalb entscheiden sich manche Eltern dafür, ihr Kind eine oder sogar mehrere Klassen überspringen zu lassen. Eine andere Lösung ist, hochbegabte Kinder in speziellen Förderklassen zu unterrichten. Doch diese Lösung ist umstritten, denn die Schule übernimmt auch eine wichtige soziale Aufgabe: Kinder müssen in der Gemeinschaft lernen, mit verschiedenen Menschen gut auszukommen(vt.mit 與...相處.出來.洩露出去).
 
Auch das Spielen bringt für hochbegabte Kinder manchmal Probleme, da sie sich oft für Spiele interessieren, die erst für ältere Kinder geeignet sind. Emma ist vier Jahre alt und  interessierte sich schon als Baby für Brettspiele(s.下棋). Mit drei Jahren fing sie an, Monopoly zu spielen, das eigentlich erst für Kinder ab acht Jahren geeignet ist. Für Gleichaltrige sind diese Spiele oft zu schwierig und die Älteren haben keine Lust, mit einem so kleinen Kind zu spielen.
 
Nicht nur hochbegabte Kinder, sondern auch die Eltern stoßen auf Unverständnis, Vorurteile oder Neid. Manchmal leiden sogar alte Freundschaften darunter. Einige Menschen glauben, dass nicht die Kinder hochbegabt, sondern die Eltern zu ehrgeizig(adj.追求虛榮的) sind. Katrin Mattes kennt solche Vorurteile nur allzu gut. "Ich fördere meine Kinder, weil sie es fordern, weil sie sonst einfach unausgeglichen(adj.不平衡的.不均衡的.情緒不穩定的) sind, wenig schlafen, schlecht schlafen, unglücklich und zappelig(adj.坐立不安的) werden ", sagt sie.
 
Freitag, 7. September 2007 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2773421,00.html
 
GLOSSAR
 
Fluch – Unglück, eine schlimme Belastung
 
hochbegabt  sein –  außergewöhnlich intelligent oder talentiert
 
überdurchschnittlich – mehr/ größer als bei den meisten anderen Menschen
 
jemandem weit voraus sein – viel besser als jemand sein
 
vor der Einschulung – bevor sie zum ersten Mal in die Schule ging
 
einschulen – (ein Kind) bei der Schule für die erste Klasse anmelden
 
Geist, der – hier: Verstand, Intelligenz
 
sich unterfordert fühlen – sich langweilen, weil die Aufgaben zu einfach sind
 
eine Klasse überspringen – ein Schuljahr auslassen und in einer höheren Schulklasse
weiter machen (z.B. von der ersten Klasse direkt in die dritte Klasse)
 
Förderklasse, die – spezieller Unterricht für Kinder, die sehr begabt oder unbegabt sind
 
etwas ist umstritten – man ist einer Sache gegenüber sehr kritisch
 
mit jemandem gut auskommen – sich mit jemandem gut verstehen
 
geeignet – passend
 
Brettspiel, das – z.B. Schach(西洋棋), Dame, Mensch ärger dich nicht
 
Gleichaltrige, der/die – Kind im gleichen Alter
 
ehrgeizig – zu eifrig(adj.努力的.熱心的); sehr bemüht, etwas zu erreichen
 
unausgeglichen – unruhig
 
zappelig – mit hektischen, nervösen Bewegungen

Der Staat als PC-Kacker


Seit Monaten wirbt der deutsche Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) für die so genannte Online-Durchsuchung. Datenschützer schlagen Alarm(緊鈴), doch die Sicherheitsbehörden wollen die Pläne unbedingt durchsetzen.

Das Bundesinnenministerium wird vielleicht in Zukunft Schnüffelsoftware(e.監控軟體.監察軟體) auf private Rechner schleusen(vt.設置閘門.密派.暗派), die als E-Mails von staatlichen Behörden getarnt sind. Dadurch können die Computer-Inhalte vom Staat kontrolliert werden. So sollen terroristische(adj.恐怖的) Angriffe verhindert und Formen organisierter Kriminalität bekämpft werden, wie etwa Kinderpornographie(e.兒童色情文學), Wirtschaftskriminalität, Menschen- und Waffenhandel. Laut Jörg Ziercke, dem Chef des Bundeskriminalamts, spielt das Internet bei der Vorbereitung von Verbrechen eine immer größere Rolle. Die Polizei müsse mit dem technischen Fortschritt der Täter Schritt halten(vt.跟上腳步) und dürfe nicht zulassen, dass diese im Internet ungestört Verbrechen planen können.
 
Datenschützer, Oppositionsparteien und Medien äußern heftige Kritik an den Plänen. Auch beim Koalition(e.聯合)spartner SPD sind sie umstritten. Die sozial-demokratische Justizministerin Brigitte Zypries hat verfassungsrechtliche(adj.憲法所規定的) Bedenken gegen die Online-Durchsuchung. Denn sie wäre auf jeden Fall ein schwerer Eingriff in die Privatsphäre(e.私人領域.星球.球體), die durch das Grundgesetz geschützt werden soll. Die Kritiker glauben außerdem, dass durch die staatliche Beobachtung das Vertrauen des Bürgers in den Staat zerstört werde. Das Bundesinnenministerium beruhigt: Diese Methode werde man nur im Ausnahmefall nutzen. Das Bundeskriminalamt habe kein Interesse an Krankheitsberichten, Tagebüchern oder Liebesbriefen.
 
Beim Bundeskriminalamt schaut man derzeit neidisch(adj.忌妒的) auf andere europäische Länder, wo Online-Durchsuchungen bereits erlaubt sind. Ob es in Deutschland jemals dazu kommt, wird auch von einer bevorstehenden(adj.在眼前的.即將來臨的) Gerichtsentscheidung abhängen. Denn der Landtag von Nordrhein-Westfalen ist schon einmal vorgeprescht(vt.在急駛前.在加速前) und hat den Geheimdiensten in NRW die Erlaubnis für Online-Durchsuchungen erteilt(vt.給予.給). Im Oktober wird sie vom Bundesverfassungsgericht überprüft.
Dienstag, 4. September 2007 http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2764912,00.html
GLOSSAR
 
Alarm schlagen – auf eine Bedrohung hinweisen, warnen
 
Bundesinnenministerium, das – Ministerium, das in Deutschland unter anderem für die innere Sicherheit und den Schutz der Verfassung zuständig ist
 
schnüffeln – hier: das Privatleben von Personen ausspionieren, beobachten
 
Schnüffelsoftware, die – Computerprogramm, mit dem man über das Internet fremde Computer ausspionieren kann (ugs.)
 
schleusen – etwas heimlich von einem Ort zum anderen bringen; hier: unbemerkt ein Programm auf einem Computer installieren
 
Bundeskriminalamt, das – Teil des Innenministeriums, organisiert die nationale Verbrechensbekämpfung
 
mit jemandem Schritt halten – so schnell sein wie jemand
 
Datenschützer, der – jemand, der sich dafür einsetzt, dass persönliche Informationen vor der Öffentlichkeit oder dem Staat geschützt werden
 
verfassungsrechtliche Bedenken gegen etwas haben – glauben, dass ein politischer Plan nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist
 
Grundgesetz, das – die deutsche Verfassung; sie enthält die Grundrechte
 
im Ausnahmefall – nur in einer ganz besonderen Situation, sehr selten
 
Landtag, der – Parlament eines Bundeslandes
 
vorpreschen – vorauseilen(vt.預先感到); etwas tun, bevor alle Probleme geklärt sind
 
Geheimdienst, der – staatliche Behörde, die Informationen zur innen-, außen- und sicherheitspolitischen Situation sammelt und auswertet
 
erteilen – geben (z.B. Erlaubnis, Lizenz, Auftrag, Aufgabe)
 
Bundesverfassungsgericht – Gericht, das die Einhaltung des Grundgesetzes kontrolliert

2.7.08

Im Rollstuhl auf hoher See


Die Zahl der Touristen mit Handicap in Deutschland steigt. Dennoch gibt es für sie nur wenige behindertengerechte Urlaubs-Angebote. Auf Segeltörns in der Ostsee brauchen sie aber künftig nicht mehr zu verzichten.

Wenn Kapitän Michail Freitag von seinem Steuerruder(s.船跟飛機的方向舵) aus auf das Deck sieht, fahren dort jetzt Rollstuhlfahrer über die Planken(e.木板.厚板.船殼板). Er steuert Deutschlands einziges Segelschiff, das auch für Behinderte geeignet ist. Mit dem Schiff "Wappen von Ueckermünde" wird eine der Angebotslücken geschlossen, auf die urlaubswillige Behinderte in Deutschland noch immer treffen.
 
Die Törns der "Wappen(s.勳章.徽章) von Ueckermünde" führen über die Ostsee nach Schweden, Dänemark oder Polen. Damit Rollstuhlfahrer mitsegeln können, waren mehrere Umbauten auf dem gut 22 Meter langen Schiff nötig. Behindertengerecht konstruiert(vt.建造.設計.造.捏造.虛構) wurden Kojen(e.船上的床), Dusche, Toilette und Kombüse(e.船上的廚房). Um unter Deck zu gelangen, gibt es selbstbedienbare (adj.自己可以解決的)Rollstuhllifte. Ein besonderer Kartentisch(r.玩牌的桌子) ermöglicht den behinderten Matrosen(e.水手.舵手) die klassische Navigation(e.航海學.導航) mit der Seekarte, und der Kompass(r.羅盤) hat eine Sprachausgabe(e.語音系統) für Blinde, der ihnen das Steuern des Bootes ermöglicht.
 
Solche barrierefreien(adj.無障礙的) Angebote sind rar gesät. Hartmut Smikac vom 'Netzwerk barrierefrei reisen' bedauert das: "Noch immer ist es so, dass man als Behinderter zwar alles vom Tauchen bis zum Ballon(r.氣球)fliegen machen kann, aber nicht unbedingt in Deutschland." Auch Arno Frank, Geschäftsführer der 'Nationalen Koordinationsstelle Tourismus für Alle', findet, dass behinderte Einzelreisende in Deutschland zu kurz kommen. Auch wenn sich in den letzten Jahren einiges getan habe.
 
Die "Wappen von Ueckermünde", das erste behinderten- und rollstuhlfahrergerechte Großsegelschiff in Deutschland, ist mit ihrem Angebot somit in eine Marktnische(e.縫隙市場.利基市場指在市場中通常被大企業所忽略的某些細分市場) gedrungen. Und langweilen werden sich die Gäste an Bord bestimmt nicht: Alle müssen mitmachen, Segel setzen, in der Kombüse arbeiten oder beim Anlanden helfen.
 
 Freitag, 31. August 2007 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2760070,00.html
GLOSSAR
 
Handicap, das – Englisch für: körperliche Behinderung
 
Segeltörn, der – eine Fahrt mit einem Segelboot (ein Boot, das durch ein großes aufgespanntes Tuch den Wind nutzt, um vorwärts zu kommen)
 
Steuerruder, das – das Hilfsmittel auf einem Schiff, mit dem das Schiff gelenkt wird
 
Deck, das – horizontale(adj.水平的.地平線的) Fläche in einem Schiff (Boden), z.B. grenzt ein Deck den Unterraum des Schiffs ab
 
Rollstuhlfahrer, der – jemand, der nicht laufen kann und sich in einem Rollstuhl (fahrbarer Stuhl) fortbewegt
 
Planke, die – ein breites Brett auf einem Schiff, das mit anderen Brettern den Fußboden bildet
 
gut – hier: ungefähr
 
Koje, die – das Bett in einem Schiff
 
Kombüse, die – die Küche in einem Schiff
 
selbstbedienbar – etwas kann von einer Person ohne fremde Hilfe bewältigt werden
 
Kompass, der – ein Gerät, das die Himmelsrichtung Norden anzeigt und somit hilft, dass man sich orientieren kann
 
barrierefrei – ohne Hindernisse
 
etwas ist rar gesät – etwas kommt selten vor
 
Marktnische, die – ein Teilgebiet auf dem Angebotsmarkt, das noch nicht entdeckt oder ausgefüllt ist
 
Segel setzen – ein Vorgang, bei dem die Segel so eingestellt werden, dass sie die Kraft des Windes einfangen, und damit das Schiff Antrieb bekommt
 
Anlanden, das – in einem Hafen oder am Ufer anhalten

China entdeckt das Produkdesign


Als billige Produktionsstätte und Paradies für Raubkopierer ist China bekannt. Doch inzwischen gestalten die Chinesen mehr und mehr Produkte selber. Werden sie die westliche Warenwelt verändern?

Ob Hersteller für Haushaltstechnik, ob Elektronikkonzerne, ob Computerproduzenten oder Hersteller für Handys – die Chinesen legen immer mehr Wert auf eigene Produktgestaltung. "In China und auch Taiwan setzt sich die Erkenntnis durch, dass es mit bloßer(adj.普通的.平常的) Nachahmung nicht getan ist", sagt Ralph Wiegmann, Geschäftsführer des International Forums Design Hannover (iF). Das zeige allein die steigende Anzahl von Nominierungen(e.任命.提名.命名) und Preisen chinesischer Firmen bei globalen Designwettbewerben.
 
Aber wodurch zeichnet sich chinesisches Design aus? Gibt es so etwas überhaupt? "Durchaus(adv.無論如何.完全地.絕對地)", meint Wiegmann. Bestes Beispiel sei das typische Tee-Service. Im gestalterischen Umgang mit sehr dünnem Porzellan(s.瓷.瓷器) hätten die Chinesen eine große Kompetenz. Allerdings: "Ihre Versuche, globale Produkte mit einem nationalen Design herzustellen, gehen meist schief", weiß der Fachmann und nennt einen Staubsauger mit dem Aussehen eines Hundes. Solche spielerischen Elemente (e.要素.元素)kauft eine westliche Kundschaft(e.顧客) nun mal nicht. Im digitalen Design gebe es hingegen kein nationales Design: "Ein Flachbildschirm ist ein Flachbildschirm."
 
Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" waren es Chinesen, die bei der Entstehung der weltweit erfolgreichen McDonald's Werbekampagne tatkräftig(adj.有力的.有效的) mitgeholfen haben: "I'm lovin' it!", "Ich liebe es!" ertönte(vt.響起) es vor einigen Jahren um den Erdball, wo immer Hamburger der US-Kette beworben wurden. Und auch das Handy zum Aufklappen(s.翻開.掀開) haben wir demnach den Chinesen zu verdanken. Verliert der Westen also das "Gestaltungsmonopol(s.外型的專利權) für die Alltagswelt", wie es das deutsche Blatt zuspitzt(vt.削尖.弄尖.)? iF-Geschäftsführer Ralph Wiegmann wiegelt ab(vt.冷靜): "Da müssen wir uns keine Sorgen machen." Nach wie vor sei China eher Nachahmer und Nachzieher(r.描繪ㄇ仿造者.跟隨者..) als Innovator. Das bedeute jedoch nicht, dass es sich westliche Designer gemütlich machen dürften.
 
Dienstag, 28. August 2007 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2755318,00.html 
GLOSSAR
 
Paradies, das – ein sehr schönes Gebiet, in dem man sich wohl fühlt und alles bekommt, was man braucht
 
Raubkopierer, der – jemand, der ein Produkt illegal nachahmt
 
Handy, das – die eingedeutschte Form für das englische Wort "mobile phone" oder "cell phone"; das Mobiltelefon
 
bloß - einfach
 
Nominierung, die – das Auswählen von Teilnehmern für einen Wettbewerb
 
sich durch etwas auszeichnen – sich durch eine Eigenschaft von anderen abheben
 
durchaus – auf jeden Fall; sicherlich
 
etwas geht schief – umgangssprachlich für: etwas hat keinen Erfolg
 
Staubsauger, der – ein Gerät, mit dem man Teppiche reinigt
 
Kundschaft, die – eine Gruppe von Käufern
 
tatkräftig – fleißig
 
ertönen – eine Musik ist zu hören
 
Erdball, der – umgangssprachlich: die Welt
 
Gestaltungsmonopol, das – die alleinige Kontrolle über die Entwicklung von Designs
 
Blatt, das – die Zeitung
 
etwas zuspitzen – etwas so ausdrücken, dass es dramatisch oder gefährlich klingt
 
abwiegeln – beruhigen
 
eher – hier: mehr
 
Nachzieher, der – jemand, der sich an der Handlung eines anderen orientiert und es dann genauso macht

Lucys Kinder


HIV-positive Waisenkinder stehen oft vor dem Problem, dass sie von Kinderheimen nicht aufgenommen werden. Eine Frau im Nordosten Indiens hat eine Lösung gefunden. Sie kennt das Problem aus eigener Erfahrung nur zu gut.

Als Lucy Maruati ihre Tochter adoptierte, wusste sie zwar, dass ihre Adoptivtochter mit allergrößter Wahrscheinlichkeit HIV-positiv war und hatte sich darauf eingestellt. Doch dass die Adoption eines HIV-positiven Kindes die Gründung eines Kinderheims für Aids-Waisen nach sich ziehen(引起.促成) würde, konnte sie sich damals nicht vorstellen. Und doch, sagt sie heute, hätte es anders gar nicht kommen können: Die Not der Kinder war zu groß, um sie einfach zu ignorieren(vt.置之不顧.無視). "Viele Kinderheime wollen keine HIV-positiven Kinder aufnehmen. Dabei brauchen diese Kinder dringend ein Zuhause, wo sie sich ohne Diskriminierung sicher und geliebt fühlen können."
 
"Bei Heilung mag es Grenzen geben, nicht aber bei Fürsorge(e.照顧.社會救濟.)." Dieses Motto steht auf einem blauen Stoffbanner(s.旗) mit rosafarbenen Buchstaben im Kinderheim von Lucy Maruati. Seit der Gründung des Heims können die Kinder, die hier aufgenommen werden, sicher sein, dass es an Liebe und Fürsorge nicht fehlt: Lucy, ihre Familie und andere freiwillige Helfer kümmern sich zur Zeit um acht Kinder - rund um die Uhr(整天).
 
Für die Heimleiterin ist es oft ein Kampf, das Essen oder die teuren Medikamente für die Kinder herbeizuschaffen. Ihre Eltern unterstützen sie mit dem, was sie im eigenen Garten anbauen können; auch andere Familien im Ort tragen mit eigenen Anbauprodukten(e.種植生產) zur gesunden Ernährung der Kinder bei. Um weiter existieren zu können, ist das Kinderheim auf Spenden und das Ersparte(s節省) von Lucy und ihrer Familie angewiesen(vt.安排.指定.指示.匯款).
 
Doch es geht nicht nur um materielle Versorgung, damit es den Kindern besser geht:
Für Lucy ist nicht nur ihre Tochter zur Lebensaufgabe geworden, sondern alle Kinder in ihrem Kinderheim. Auch wenn sie manchmal nicht weiß, wie sie die nächste Miete bezahlen oder das Essen auf den Tisch bringen soll. Ans Aufgeben denkt sie nie: "Wenn du diese Kinder erst einmal gesehen hast - das macht doch glücklich. Sie haben doch nur uns, sonst niemanden. Das gibt dem Leben einen Sinn." 
 
Freitag, 24. August 2007 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2750266,00.html
Glossar
 
Waisenkind, das – ein Kind, das keine Eltern mehr hat
 
adoptieren – ein fremdes Kind bei sich aufnehmen und es wie sein eigenes Kind behandeln
 
sich auf etwas einstellen – etwas einplanen; sich auf etwas vorbereiten
 
etwas nach sich ziehen – etwas verursachen
 
ignorieren – nicht beachten
 
Diskriminierung, die – eine ungleiche Behandlung und die Benachteiligung eines Menschen
 
Fürsorge, die – die Hilfe; die Pflege
 
Motto, das – der Leitgedanke in einem kurzen Satz, an dem sich jemand orientiert
 
Stoffbanner, das – ein breites Band; eine Fahne
 
rund um die Uhr – Bezeichnung für: den ganzen Tag
 
herbeischaffen – besorgen
 
Anbauprodukt, das – Lebensmittel, die im Garten und in der Landwirtschaft angepflanzt werden; z.B. Tomaten
 
Ersparte, das – das Geld, dass man gespart hat
 
auf etwas angewiesen sein – von etwas abhängig sein
 
Aufgeben, das – das Aufhören

1.7.08

Bionade- Die Coca-Cola des 21. Jahrhunderts?


Bionade ist ein biologisch hergestelltes Erfrischungsgetränk und wird in einer kleinen Familienbrauerei in Bayern gebraut. Es entwickelt sich zu einem Verkaufsschlager. Nachahmer(r.模仿者.仿效者) stehen in den Startlöchern.

Wo auch immer man sich aufhält - sie ist fast überall zu finden. Im Bordrestaurant eines ICEs, in der Uni-Mensa oder in der Kneipe: die Bionade, ein Bio-Getränk, dessen Name sich aus dem Präfix(s.前綴詞)"Bio" und der Endung von "Limonade" zusammensetzt. Im Sortiment(r.花色.花樣) finden sich vier außergewöhnliche Geschmacksrichtungen Holunder, Kräuter, Litschi und Ingwer-Orange. Das Besondere ist die Herstellungsart des Getränks, das sich in den letzten Jahren zum In-Getränk entwickelt hat.
 
Laut Hersteller ist Bionade bisher das weltweit erste alkoholfreie Erfrischungsgetränk, das rein biologisch hergestellt wird. Bereits in den 80er Jahren hatte Dieter Leipold, der Erfinder der Bionade, die Idee, ein biologisches Erfrischungsgetränk zu entwickeln, um eine Alternative zu Coca-Cola oder ähnlichen Getränken bieten zu können. Nach langer Planung der Rezeptur war die Bionade im Jahr 1996 geboren und wurde in der eigenen Brauerei abgefüllt(vt.分裝.). Mit der Erfindung der Bio-Brause schuf Leipold nicht nur ein neues Kultgetränk, sondern rettete auch seine marode(adj.破壞的.累的) Familienbrauerei Peter vor dem Untergang(r.沈沒.沒落).
 
Nach einigen Anlaufschwierigkeiten entpuppte(vt.顯露本來的面目) sich die Erfindung der Bionade als Wirtschaftswunder(s.經濟奇蹟) und legte in den vergangenen Jahren ein enormes Wachstum hin. Die Absatzzahlen(e.銷售數量) stiegen stetig an: Allein im Jahr 2006 wurden 70 Millionen Flaschen verkauft. Nun hat das Unternehmen damit begonnen, das deutsche Bio-Getränk in Europa zu vermarkten. So kann man unter anderem in Italien, Frankreich und Irland sowie in den Benelux-Ländern und Skandinavien seinen Durst mit Bionade löschen. Auch Pläne für einen Verkauf der Bio-Brause außerhalb Europas werden bereits vorbereitet.
 
Angesichts(由於.鑑於.在..面前) des rückläufigen(adj.倒退的.可循環的) Bierkonsums in Deutschland suchen aber auch die großen Brauer nach Alternativen(e.挑選) und die Brauerei Peter muss mit einer Vielzahl von Nachahmerprodukten rechnen. Auch die großen Getränkehersteller wie Coca-Cola gelten(vt.被認為.被當作) als potenzielle Herausforderer für die deutsche Naturlimonade. Die Bionade GmbH bereitet sich auf diesen Wettbewerb vor und verkauft seit Kurzem auch das erste biologische Sportgetränk - die Bionade Forte.
 
Dienstag, 21. August 2007 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2746311,00.html 
GLOSSAR
 
Familienbrauerei, die – eine Familie leitet einen Betrieb, der Bier herstellt
 
Verkaufsschlager, der – etwas ist sehr beliebt und wird viel und häufig gekauft
 
Nachahmer, der – eine Person, die etwas kopiert
 
Startloch, das – der Platz eines Sportlers beim Beginn eines Wettkampfes
 
ICE, der – der Name für eine Zugart: Inter City Express
 
Uni-Mensa, die – die Kantine einer Universität, in der die Studenten essen
 
Präfix, das – die Vorsilbe; z.B. ver- in verkaufen
 
Sortiment, das – das Angebot
 
Rezeptur, die – die Anleitung für die Herstellung
 
abfüllen – ein Getränk in Flaschen füllen
 
marode – hier: ruiniert(vt.破壞); kaputt
 
Anlaufschwierigkeit, die – das Problem, dass etwas am Anfang noch nicht erfolgreich ist und erst noch bekannt werden muss
 
sich als etwas entpuppen – sich zu etwas entwickeln
 
hinlegen – erreichen
 
Absatzzahl, die – die Menge einer verkauften Ware
 
stetig – immer weiter
 
angesichts  - aufgrund
 
rückläufig – zurückgehend, vermindernd
 
als etwas gelten – als etwas betrachtet werden
 
Herausforderer, der – der Konkurrent

Als es Schokolade regnete


Vor 60 Jahren begann die Berlin-Blockade(e.封鎖). Stalin wollte die Stadt aushungern, aber die West-Alliierten retteten die Stadt mit einer Luftbrücke(e.空中橋樑) von Westdeutschland zum Berliner Flughafen Tempelhof.

Die Stadt sollte ausgehungert werden: Am 24. Juni 1948 ließ Josef Stalin die Autobahnen nach West-Berlin sperren. Der sowjetische Staatschef wollte die West-Alliierten zwingen, Berlin aufzugeben. Die Antwort war die Luftbrücke: Vom 26. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 wurden Millionen Tonnen lebenswichtige Güter in den Westteil Berlins mit seinen zwei Millionen Einwohnern geflogen. Bis heute hat es keine größere Hilfsaktion aus der Luft gegeben.
 
Gail Halvorsen war einer der Piloten, die die gefährlichen Einsätze durchführten. "Als ich zum ersten Mal eine Ladung Mehl nach Berlin flog, sah ich, wie die Deutschen sich freuten", erinnert sich Halvorsen. Doch er transportierte nicht nur die normalen Güter: Als er im Juli 1948 am Flughafen Tempelhof Kinder sah, wollte er ihnen etwas geben – doch alles, was er dabei hatte, waren zwei Stück Kaugummi. Das nächste Mal würde er mehr mitbringen, versprach er den Kindern.
 
Halvorsen beschloss, die Süßigkeiten aus dem Flugzeug zu werfen: Er befestigte(vt.將..固定.使...牢固) sie an Taschentüchern, damit sie als kleine Fallschirme(r.降落傘) langsam zur Erde fielen. Seine Kollegen machten es ihm nach – und bis zum Ende der Luftbrücke erhielten so tausende Kinder 20 Tonnen Schokolade, Kaugummi und andere Süßigkeiten. Von den Berlinern wurden die Flugzeuge "Rosinenbomber" genannt.
 
Dass Tempelhof, heute der kleinste der drei Berliner Flughäfen, geschlossen werden soll, weiß Halvorsen. Er ist dagegen. Für ihn ist Tempelhof "so etwas wie die Freiheitsstatue(e.自由女神) von Deutschland".

Dienstag, 1. Juli 2008 VON http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3452065,00.html 
Glossar
 
Blockade, die – hier: Aktion, die es für andere unmöglich macht, einen Ort zu erreichen
 
jemanden aushungern – jemandem nichts zu essen geben oder verhindern, dass er etwas bekommt
 
West-Alliierte – hier: diejenigen westlichen Staaten, die im 2. Weltkrieg gemeinsam gegen Nazi-Deutschland kämpften, vor allem USA, Großbritannien, Frankreich
 
etwas sperren – verhindern, dass jemand weitergehen oder -fahren kann
 
Tonne, die – hier: eine Maßeinheit, 1000 Kilogramm
 
Gut, das – hier: die Ware, die transportiert wird (in diesem Sinne meist im Plural: Güter)
 
Pilot, der – jemand, der z.B. ein Flugzeug fliegt
 
etwas durchführen – etwas so machen, wie es geplant oder beschlossen wurde
 
Ladung, die – hier: Dinge, die mit einem Fahrzeug (z.B. LKW, Schiff, Flugzeug) transportiert werden
 
Süßigkeit, die – süße Sachen wie Schokolade oder Bonbons (meist im Plural)
 
etwas befestigen – etwas fest mit etwas anderem verbinden, an etwas festmachen
 
Taschentuch, das – kleines Stück Stoff, besonders zum Putzen der Nase
 
Fallschirm, der – ein Schirm aus Stoff, mit dem jemand oder etwas aus großer Höhe nur sehr langsam auf den Boden fällt
 
jemandem etwas nachmachen – etwas genauso machen wie ein anderer
 
Rosinenbomber, der – Kampfflugzeug, das statt Bomben Süßes (Rosinen = getrocknete Weintrauben) fallen lässt
 
Freiheitsstatue, die – berühmte New Yorker Figur aus Stein, "Statue of Liberty"