19.9.08

Kein Platz für Atommüll


Es ist das größte Problem der Atomenergie: Wohin mit dem radioaktiven(adj.放射性的) Abfall? Weltweit sind es inzwischen 300.000 Tonnen Atommüll, die nicht entsorgt werden können. Denn es gibt nirgendwo ein Endlager.

Vor mehr als 50 Jahren nahm in Obinsk bei Moskau das erste Atomkraftwerk den Betrieb auf. Seitdem steht die Welt vor einem wachsenden Problem: Atommüll. Und viele Länder lagern diesen radioaktiven Abfall nicht sicher genug, meint Mohammed el-Baradei, Generaldirektor der Internationalen Energiebehörde.
 
Noch fehlt eine gute Antwort auf die Frage, wie man den Müll entsorgen kann. Dabei scheint die Idee eines Endlagers eigentlich ganz einfach: Man steckt den Müll in einen versiegelten(adj.封上的.查封的) Container(r.容器) und lagert diesen, bis das radioaktive Material nicht mehr strahlt(vt.放射.輻射). Das Problem ist, dass dies bis zu einer Million Jahre dauern kann. So lange muss die Umwelt vor den Abfällen geschützt werden. Die unterirdische(adj.地下的.祕密的.陰間的) Lagerung gilt dafür als die beste Möglichkeit. Für eine solche Lagerung müssen aber viele Bedingungen erfüllt werden. Die Lager müssen in Gebieten liegen, wo wenige Menschen leben und wo es keine Erdbeben gibt. Außerdem muss die Felsschicht(e.岩石層) um das Lager herum über viele hunderttausend Jahre so dicht sein, dass sie noch nicht einmal Wasser durchlässt(vt.讓..通過.).
 
Weil man all das noch nicht finden konnte, wird Atommüll bisher nur zwischengelagert – zum Beispiel in Fabrikhallen oder Bergwerken. Sicherheitsprobleme sind da sehr wahrscheinlich. Schließlich ist es schwierig, hunderte solcher Anlagen gegen Unfälle, Terrorismus und Diebstahl zu schützen.
 
Viele Länder suchen nach einer geeigneten Lösung. In Frankreich soll bis 2015 eine Entscheidung fallen. Das Parlament hat aber die Möglichkeit offen gelassen, den Atommüll noch für 100 bis 300 Jahre oberirdisch zwischenzulagern. Die Hoffnung ist, bald Methoden zu finden, mit denen die Strahlung abgebaut werden kann.
 
Freitag, 12. September 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3640121,00.html 
Glossar
 
Atomenergie, die – elektrische Energie, die aus radioaktiven Stoffen (zum Beispiel Uran) gemacht wird
 
radioaktiv – so, dass etwas Atomenergie abgibt, die Menschen, Tieren und Pflanzen schadet
 
Tonne, die – ein bestimmtes Maß für Gewicht; 1 Tonne = 1000 Kilogramm
 
etwas entsorgen – Müll wegbringen, um ihn an einem bestimmten Ort zu lagern
 
Endlager, das – ein Ort, wo der Müll aus einem Atomkraftwerk für immer bleiben kann
 
den Betrieb aufnehmen – die Arbeit beginnen; hier: anfangen, Energie zu produzieren
 
Internationale Energiebehörde, die – eine Organisation, die Methoden zur Energiegewinnung erforscht und Fragen zu deren Sicherheit beantwortet
 
versiegelt – hier: so, dass etwas ganz dicht ist
 
Container, der – hier: eine große Tonne
 
strahlen – hier: radioaktive Energie abgeben
 
unterirdisch – unter der Erde
 
Erdbeben, das – wenn der Boden so stark wackelt, dass sogar Häuser zerstört werden
 
Felsschicht, die – eine Schicht aus Felsen oder Stein
 
etwas durchlassen – hier: nicht dicht sein
 
etwas zwischenlagern – etwas für eine begrenzte Zeit oder vorläufig lagern
 
Bergwerk, das – eine unterirdische Anlage mit Gängen und technischen Geräten, in der zum Beispiel Kohle gewonnen wird
 
Terrorismus, der – das Erreichen politischer Ziele durch Gewalt
 
etwas abbauen – hier: dafür sorgen, dass etwas weniger wird

Ein Migranten-Fußballverein auf Erfolgskurs


Sie haben keine funktionierende Organisation und kein eigenes Trainingsgelände – aber sie haben Erfolg als Team. Der Verein Türkiyemspor, vor 30 Jahren in Berlin gegründet, spielt jetzt in der Regionalliga.

Ein Fußballplatz im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg: Uwe Erkenbrecher, Trainer von Türkiyemspor Berlin, gibt Anweisungen. Seine Mannschaft spielt zum ersten Mal auf dem Platz, auf dem sie in wenigen Tagen ihr erstes Heimspiel in der vierten deutschen Liga absolvieren muss. Hier ist nichts perfekt geregelt: Gestern wurde in ihrem Bezirk Kreuzberg trainiert; wo das Training morgen stattfindet, ist ungewiss. Der 53-jährige Erkenbrecher hat sich auf den ungewöhnlichen Terminplan eingestellt. "Das ist schon ein besonderer Verein. Die sozialen Strukturen hier sind anders als in einem normalen deutschen Verein", sagt er.
 
Der bekannteste Migranten-Fußballverein Deutschlands ist aber nicht ausschließlich(adj.唯一的.專有的.除..外) ein Klub für türkische Zuwanderer: Die Trainingssprache ist Deutsch, und nur noch die Hälfte der Spieler hat türkische Wurzeln. Osteuropäer, Afrikaner und Deutsche ergänzen(vt.補足..使..完全)die Mannschaft. Diese Vielfalt ist es, die der Spieler Ilter Senkaya an seinem Verein schätzt: "Das Besondere an Türkiyemspor ist das Flair(s.嗅覺.判斷力.鑑賞力 ) der Mannschaft. Außerdem zeigen wir so, dass Immigrantenkinder sportlich auch was bewegen können."
 
Der Verein engagiert sich nämlich nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz: Man versucht, Jugendliche mit Sport von der Straße zu holen und organisiert Aktionen gegen Gewalt. Letztes Jahr hat der Verein für seine gute Jugendarbeit und seine verschiedenen Mädchen-Teams den Integrationspreis(r.總體價值) des Deutschen Fußballbundes bekommen.

Dienstag, 16. September 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3648602,00.html

Glossar
 
Migrant, der – jemand, der aus seiner Heimat in ein anderes Land kommt, um dort zu leben
 
Erfolgskurs, der – hier: positive Ergebnisse, die für eine längere Zeit andauern
 
Trainingsgelände, das – der Platz, an dem das Training stattfindet
 
Heimspiel, das – ein Spiel, das auf dem eigenen Platz oder in der eigenen Halle stattfindet
 
etwas absolvieren – hier: etwas durchführen
 
ungewiss – nicht sicher; unbekannt
 
sich einstellen auf etwas – hier: sich an etwas gewöhnen; mit etwas umgehen können
 
soziale Struktur, die – der Aufbau, die Gliederung einer großen Gruppe von Menschen
 
Zuwanderer, der – der Migrant; der Einwanderer
 
ausschließlich – ohne Ausnahme; nur
 
Wurzel, die – hier: die Herkunft; der Ursprung
 
etwas ergänzen – zu etwas hinzukommen; etwas vollständig machen
 
Vielfalt, die – hier: die verschiedenen kulturellen Hintergründe
 
etwas schätzen – hier: etwas mögen; etwas gern haben
 
Flair, das – die besondere Atmosphäre; die gute Stimmung
 
Immigrantenkind, das – ein Kind, das in dem Land aufgewachsen ist, in das die Eltern eingewandert sind
 
etwas bewegen – hier: etwas erreichen; etwas schaffen; etwas verändern
 
sich engagieren – viel für ein bestimmtes Ziel tun; sich einsetzen für etwas

13.9.08

Freie Sicht auf Nackte


Jahrzehntelang war er hinter einem Zaun an der deutsch-polnischen Grenze versteckt: der FKK-Strand im deutschen Ahlbeck. Doch seitdem die Grenzen offen sind, ärgern sich viele Polen über deutsche Nacktbadende.

"Wir sind doch nackt(adj.裸體的) auf die Welt gekommen, das ist doch ganz normal", sagen die deutschen FKK-Touristen am Strand bei Ahlbeck. "Die Polen haben uns früher durch die Zäune bewundert, und jetzt haben sie die Freiheit, und daran müssen sie sich erst mal langsam gewöhnen." Die Nacktbader reagieren amüsiert(adj.有趣的) oder genervt(adj.生氣的), viele Polen dagegen sind empört(adj.令人生氣的). Denn das Nacktbaden ist rechtlich gesehen in Polen strafbar und aus katholischer Sicht eine Sünde.
 
So war der FKK-Strand an der deutsch-polnischen Grenze schnell ein großes Thema in Polen. Doch nach der ersten Aufregung hat sich die Stimmung allmählich gewandelt. Denn als man die Situation genauer unter die Lupe nahm, stellte man fest, dass auch Polen den Nacktbadestrand besuchen.
 
Das textilfreie(adj.裸體的.一絲不掛的) Baden kommt vor allem bei jungen Polen gut an. Für Janusz Zmurkiewicz, den Bürgermeister der polnischen Stadt Swinemünde, ist das positiv. Er sieht in dem benachbarten FKK-Strand eine touristische Marktlücke. "Wir haben entschieden, in unseren neuen Werbekatalogen über den FKK-Strand ausführlich zu informieren", sagt Zmurkiewicz. "Warum sollten junge Polen nach Mallorca fliegen, um sich dort textilfrei zu sonnen? Sie könnten genauso gut nach Swinemünde oder Ahlbeck kommen."
 
Im Endeffekt also würde die gesamte Region von der öffentlichen Aufregung profitieren – durch noch mehr jungen Besuch aus dem Ausland in der nächsten Saison.
 
Dienstag, 02. September 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3613361,00.html 
Glossar
 
FKK (die) – Abkürzung für "Freikörperkultur"; die Idee des gemeinschaftlichen Nacktseins in der Natur (wird ohne Artikel gebraucht)
 
jahrzehntelang – mehrere zehn Jahre dauernd
 
genervt sein – sich gestört fühlen
 
empört sein – wütend wegen etwas sein
 
allmählich – langsam; nach und nach
 
sich wandeln – sich verändern
 
etwas unter die Lupe nehmen – etwas genauer ansehen; etwas untersuchen
 
textilfrei – ohne Kleidung; nackt; meist im Zusammenhang mit FKK
 
etwas kommt gut an – etwas führt zu positiven Reaktionen
 
benachbart – hier: in der Nähe; in der nahen Umgebung
 
Marktlücke, die – hier: etwas, das bisher so nicht vorhanden war und das jemand zu seinem finanziellen Vorteil nutzt
 
Werbekatalog, der – ein Heft, das als Werbung für ein bestimmtes Produkt oder einen Ort dienen soll
 
ausführlich – sehr genau; mit vielen Einzelheiten
 
sich sonnen – sich in die Sonne legen
 
im Endeffekt – vom Ergebnis her gesehen; letztlich
 
von etwas profitieren – einen Vorteil haben von etwas

Durch Tabubruch zum Erfolg


Es geht um Liebe, Intimität(e.知心.知己) und Gleichberechtigung(e.平等權力). Von Saudi-Arabien bis Marokko: Jeden Abend sehen Millionen von Menschen die türkische TV-Seifenoper(e.肥皂劇) "Noor". Hier werden viele gesellschaftliche Tabus zum Thema.

Kivanc Tatlitug ist groß und gut aussehend. Der 24-Jährige spielt Mohannad in der türkischen Fernsehserie "Noor" (Arabisch für: Licht) und verzaubert(vt.使迷惑.使著迷) täglich Millionen weiblicher TV-Zuschauer von Saudi-Arabien bis Marokko. Eine Magie, die angeblich schon einige Ehemänner dazu brachte die Scheidung einzureichen.
 
Für viele Zuschauerinnen ist Mohannad ein männliches Ideal, denn er unterstützt seine Ehefrau Noor in ihrem Beruf, zeigt viel Verständnis und ist sehr liebevoll. Dieses Verhalten kam in arabischen TV-Produktionen bisher nicht vor und sorgte deshalb auch für große Aufregung. "Teuflisch(adj.惡魔的.殘忍的.沒有人性的) und unmoralisch", nannte der Großmufti Saudi-Arabiens die Fernsehserie und forderte die TV-Sender auf, diesen "Angriff auf Gott" sofort einzustellen.
 
Dabei ging es nicht nur um das liberale Bild von Mann und Frau. Die Seifenoper bricht nämlich auch noch andere soziale Tabus konservativ(adj.保守的)-muslimischer Gesellschaften. Mohannad hat bereits ein Kind aus einer Beziehung vor der Heirat mit Noor, und eine Frau in der Serie lässt sogar eine Abtreibung(e.墮胎.人工流產) vornehmen(vt.從事).
 
"Viele Mädchen werden schwanger und treiben ab, aber man spricht nicht darüber", sagt die syrische Schauspielerin Laura Abu Sa'ad, die der weiblichen Hauptfigur "Noor" ihre arabische Stimme gab. "Wenn man diese Dinge nun im TV sieht, bedeutet das für viele eine Befreiung." Für Laura Abu Sa'ad ist der Erfolg der Serie ein Zeichen dafür, "dass die arabischen Muslime einem moderaten Islam und nicht den Extremisten(r.極端份子) folgen wollen".
 
 Freitag, 29. August 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3602770,00.html
Glossar
 
Tabu, das – ein Thema, über das nicht gesprochen werden darf
 
Tabubruch, der – wenn über etwas gesprochen wird, das bisher ein Tabu war
 
Intimität, die – die enge persönliche Beziehung von zwei Menschen
 
Seifenoper, die – eine tägliche Fernsehserie, in der es vor allem um Liebe und Beziehungen geht
 
jemanden/etwas spielen – in einem Theaterstück oder Film eine Person darstellen
 
jemanden verzaubern – hier: jemanden dazu bringen, dass er jemanden sehr bewundert
 
Magie, die – hier: eine starke Wirkung auf jemanden, die schwer zu erklären ist
 
die Scheidung einreichen – die Scheidung offiziell beantragen
 
Ideal, das – das perfekte gedankliche Bild, wie etwas/jemand sein soll
 
teuflisch – besonders schlimm; sehr böse
 
Großmufti, der – der oberste Berater eines Landes bei Fragen zum islamischen Recht
 
etwas einstellen – etwas sofort beenden; aufhören
 
liberal – so, dass man die Freiheiten der Menschen möglichst wenig einschränken will
 
konservativ-muslimisch – nicht liberal-islamisch; so, dass man an alten islamischen Werten und Traditionen stark festhält
 
eine Abtreibung vornehmen lassen – eine Schwangerschaft vor der Geburt des Kindes durch eine/n Ärztin/Arzt beenden lassen
 
Befreiung, die – hier: wenn jemand in seinem Denken und Handeln frei gemacht wird dadurch, dass ein Tabu gebrochen wird
 
moderat – hier: liberal
 
Extremist/in, der/die – jemand, dessen politische oder religiöse Ansichten sich sehr stark von denen der Mehrheit einer Gesellschaft unterscheiden

Berlusconi und die Liebe


In der Politik ist der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi vor allem für seine aggressiven(adj.攻擊性的) und umstrittenen Aussagen bekannt. Doch in der Musik liebt der Regierungschef die leisen Töne: Liebeslieder.

Im Nachhinein(adv.預先事先的相反) scheint es nur ein Zufall zu sein, dass Silvio Berlusconi Ministerpräsident geworden ist. Eigentlich war er zu Höherem berufen(vt.任命.召喚), denn er komponiert italienische Liebeslieder und hat sogar schon mehrere CDs veröffentlicht. Es heißt, dass Berlusconi an eine Karriere als Sänger gedacht hat, bevor er die Laufbahn(e.工作經歷.生涯) als Medienunternehmer und Politiker wählte.
 
Mit einer Band auf Kreuzfahrtschiffen(s.遊艇) unterwegs, träumte er damals von großen Konzerten. Gerüchten(s.傳言) zufolge wurde Berlusconi von seinen Kollegen hinausgeworfen(vt.解雇), weil er wegen seiner zahlreichen Verehrerinnen(e.仰慕者 ) zu viele Konzerte verpasste. Anstelle von ein paar Passagieren auf dem Kreuzfahrtschiff jubeln ihm als Politiker Tausende zu(vt.向..歡呼). Doch heute, als älterer Herr, widmet(vt.sich致力於.專心從事) er sich auch wieder der Musik.
 
Am liebsten komponiert(vt.為..作曲) der Multimilliardär in einer seiner Villen auf der Insel Sardinien. "Ich denk an dich, auch wenn ich gar nicht will", säuselt(vt.充滿愛意的說.低語) er in seinen Liedern. 2003 hat er zum ersten Mal mit dem Sänger Mariano Apicella, den er in einem Luxushotel in Neapel entdeckte, eine CD herausgebracht. Die Platte verkaufte sich sogar 45.000 Mal. Seither arbeiten die beiden zusammen. Berlusconi schreibt die Lieder und Apicella singt sie. Aber bei privaten Konzerten steht der Ministerpräsident gerne selbst auf der Bühne und singt von italienischer "Amore".

Freitag, 05. September 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3620499,00.html
Glossar
 
umstritten – so, dass es verschiedene Meinungen zu etwas gibt
 
im Nachhinein – das Gegenteil von "im Voraus"
 
zu etwas berufen sein – für etwas bestimmt sein
 
komponieren  – Musik schreiben
 
Karriere, die – der Erfolg im Beruf
 
Laufbahn, die – der Weg
 
Unternehmer, der – der Geschäftsmann
 
Kreuzfahrtschiff, das – ein großes Schiff, auf dem Leute lange Urlaubsreisen machen
 
Gerüchten zufolge – man sagt, dass …
 
hinauswerfen – hier: kündigen
 
Verehrer/in, der/die – jemand, der/die in eine Person verliebt ist
 
jemandem zujubeln – jemandem laut seine Unterstützung zeigen; "Hurra" rufen
 
sich jemandem/etwas widmen – sich um jemanden/etwas kümmern
 
Villa, die – ein besonders großes und teures Haus
 
säuseln – etwas liebevoll sagen
 
Luxus- – etwas, was sehr teuer ist
 
herausbringen – hier: veröffentlichen
 
Amore – italienisch für "Liebe"

Zum Zahnarzt nach Ungarn


Das ungarische Städtchen Sopron liegt an der österreichischen Grenze. Etwa 160.000 Österreicher kommen jährlich hierher, um ihre Zähne behandeln zu lassen. Denn das ist in Ungarn viel billiger als in ihrer Heimat.

Ein Geschäftshaus am Rande(r.邊緣) der Altstadt von Sopron: Auf allen Etagen(e.樓.層) sind Zahnarztpraxen eingerichtet. Hier praktiziert(vt.醫生開業) auch der 33-jährige Dr. Peter Tóth. Nur ein Bruchteil(r.一小部份) seiner Patienten stammt aus Ungarn. Die meisten sind Österreicher, die aus Wien, Innsbruck, Salzburg oder Linz kommen.
 
In Österreich muss man einen Großteil der Kosten für Zahnbehandlungen selbst tragen. Peter Tóth schätzt, dass eine Zahnkrone in Österreich etwa 500 bis 800 Euro kostet. In seiner Praxis nimmt er durchschnittlich 200 Euro für eine Krone. Ein Patient, der zum Beispiel 12 oder 14 neue Zähne braucht, kann hier viel Geld sparen. So sieht das auch Joseph Egger aus Wien, der seinen kompletten Oberkiefer "sanieren(vt.醫治.金融整頓.或是對房子整修)" lassen will. Seinen ungarischen Zahnarzt hat er übrigens im Internet gefunden.
 
Nach seinem Studium der Zahnmedizin hat Peter Tóth in Budapest keinen Job gefunden. In Sopron verdient er nun dank seiner Deutschkenntnisse durchschnittlich 5.000 Euro brutto im Monat. Die Konkurrenz müssen die Zahnärzte in Sopron nicht fürchten, so Tóths Kollege Akos Fehér: „Hier können auch 300 oder 500 Zahnärzte sein. Das ist gut für uns.“ Der Zahntourismus nach Ungarn nimmt weiter zu.
 
Peter Tóth, der in diesem Jahr eine zweite Praxis in Budapest eröffnet, reagiert auf die steigende Patientenzahl. Auch Leute aus England und Irland kommen gern nach Ungarn, berichtet er. Und weil der Zahnarzt auch Englisch spricht, will er nicht nur österreichische, sondern bald auch englische Patienten behandeln.
 
Dienstag, 09. September 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3629193,00.html
Glossar
 
jährlich – jedes Jahr
 
behandeln – hier: medizinisch betreuen
 
Geschäftshaus, das – ein Haus, in dem Büros und Geschäfte sind
 
am Rande (mit Genitiv) – nicht im Zentrum von etwas
 
Altstadt, die – der historische Teil einer Stadt
 
praktizieren – hier: als Arzt arbeiten
 
Bruchteil, der – ein sehr kleiner Teil von etwas
 
jemand stammt aus – jemand kommt aus
 
die Kosten für etwas tragen – etwas bezahlen
 
schätzen – hier: einen ungefähren Preis sagen; vermuten
 
Zahnkrone, die – ein falscher Zahn, der auf einen kaputten Zahn gesteckt wird
 
komplett – ganz
 
Oberkiefer, der – der obere Knochen, aus dem die Zähne wachsen
 
sanieren – etwas so reparieren, dass es wie neu ist (vor allem für Häuser benutzt)
 
dank (mit Genitiv) – wegen
 
brutto – bevor Steuern und Sozialversicherung abgezogen werden
 
zunehmen – hier: mehr werden
 
steigende Zahl, die – eine immer größer werdende Menge