11.6.09

Nominativ, Zweiter Weltkrieg und BMW

Viele Menschen in Burkina Faso haben einen Traum: Einmal im Leben möchten sie ins Land von Goethe, Beckenbauer und Mercedes reisen. Deutsch zu lernen ist der erste Schritt. Eine Radiosendung hilft ihnen dabei.‎


"Der deutsche Puls" nennt sich eine Sendung, die in Burkina Faso bei Radio Pulsar zu hören ist. Hier wird ausschließlich deutsch gesprochen – ziemlich fremde Klänge für die meisten Hörer aus Burkina Faso. Seit fünf Jahren läuft die Sendung jeden Samstag ab 18 Uhr. Zu verdanken ist das dem Deutschlehrer, Journalisten und Moderator Alex Djondo.

 

Alex' Sendung wendet sich an die Deutschlernenden in Burkina Faso. Zurzeit sind das mehr als 20.000 – Tendenz steigend. Seit der Fußballweltmeisterschaft ist das Interesse an Deutschland extrem gestiegen. Franz Beckenbauer oder Jürgen Klinsmann kennt hier fast jeder. Und ein deutsches Auto – ein Mercedes, BMW oder Volkswagen – sei der Traum aller burkinischen Männer, meint Alex.

 

"Viele Leute denken bei Deutsch an Nominativ, Dativ, Akkusativ, Genitiv …", erzählt der Moderator. Er bedauert auch, dass man in Burkina Faso mit Deutschland vor allem den Zweiten Weltkrieg verbindet. In seiner Sendung will er daher das andere Gesicht des Landes zeigen: die Kultur, die starke Wirtschaft und die Hilfsbereitschaft der Deutschen in Burkina Faso. Dazu lädt er häufig deutsche Gäste ein, zum Beispiel Entwicklungshelfer.

 

Alex selbst bekam mit 17 Jahren ein Stipendium für Deutschland. Bis dahin hatte der gebürtige Togoer keineswegs nur Gutes über das kalte Land im fernen Europa gehört. Die Deutschen seien verschlossen und ausländerfeindlich, hieß es. Die Realität sah für ihn allerdings anders aus. In seiner Gastfamilie wurde er freundlich empfangen, erzählt er: "Sie haben immer gesagt: Alex, eines Tages wirst du Botschafter von Togo in Deutschland sein. Und dann musst du uns unbedingt besuchen kommen."

Dienstag, 19. Mai 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4262365,00.html

Glossar

 

erste Schritt, der – der Anfang

 

Puls, der – der Herzschlag

 

ausschließlich – nur; nichts außer

 

Klang, der – der Ton; das Geräusch

 

jemand hat jemandem etwas zu verdanken – jemand hat etwas wegen jemandem bekommen

 

Moderator/in, der/die – jemand, der/die eine Radio- oder Fernsehsendung leitet

 

Tendenz steigend – etwas wird immer mehr

 

jemand bedauert etwas – jemand findet etwas schade oder traurig

 

etwas mit etwas/jemandem verbinden – bei etwas an etwas/jemanden denken

 

Gesicht, das – hier: die Seite; der Aspekt

 

Entwicklungshelfer/in, der/die jemand, der/die in armen Ländern den Menschen hilft, ihre Lebensbedingungen zu verbessern (z. B. in Krankenhäusern, Schulen usw.)

 

Stipendium, das – Geld, das sehr gute Schüler oder Studenten z. B. vom Staat für ihre Ausbildung bekommen

 

gebürtig – geboren in

 

keineswegs – auf gar keinen Fall

 

verschlossen – nicht offen; hier: nicht herzlich

 

es heißt – man sagt

 

eines Tages – irgendwann in der Zukunft

 

Botschafter/in, der/die – jemand, der sein Land im Ausland repräsentiert; der/die Diplomat/in

Die Kinderautoren

Hexen(e.魔女), Fußball, erste Liebe: Kinder und Jugendliche veröffentlichen ihre Geschichten in eigenen Büchern. Inspiration(e.靈感) ist dabei wichtiger als Rechtschreibung und Grammatik.‎


Mittwochnachmittag in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Leipzig. Die Achtjährigen Linus und Niklas sitzen an einem großen Tisch in der Schreibwerkstatt und schreiben Geschichten: Linus über ein Labyrinth(s.迷宮) und Niklas über einen Fußballverein. Die Geschichten stehen beide noch am Anfang. Wenn sie fertig sind, werden sie in Büchern erscheinen. Linus hat bereits ein Buch geschrieben. Fast ein Jahr hat er dafür gebraucht. "Man muss sich ja einen Titel überlegen, die ganze Geschichte ausdenken und auch die Bilder selber machen", erklärt der Schüler.

 

Selber machen – das ist das große Motto im Leipziger Verein Buchkinder e. V. Hier werden aus Jungen und Mädchen echte Autoren. Die Nachwuchsschriftsteller sind zwischen vier und sechzehn Jahren alt. Die Kinder und Jugendlichen verfassen aber nicht nur die Geschichten – von der Idee, über Text und Bilder bis zum Druck: Die Kinder kümmern sich selbst um alles.

 

Der Gründer des Vereins, Ralph-Uwe Lange, war früher Lehrer. Er sagt: "Wir möchten, dass die Kinder bei uns ihre Gedanken frei entfalten können." Der Verein möchte keine vereinfachte Literatur für Kinder herausgeben, sondern Literatur, die von Kindern geschrieben ist und von ihrem Leben handelt. Natürlich enthalten die Texte oft falsche Rechtschreibung und Grammatikfehler, aber das wird in Kauf genommen. Inhaltlich ist sowieso alles erlaubt.

 

Bisher hat der Verein 130 Bücher veröffentlicht, und jede Woche besuchen über 100 Jungen und Mädchen die verschiedenen Kurse. Das Projekt soll in Zukunft sogar noch erweitert werden: Geplant ist ein Kindergarten, in dem sich auch schon Dreijährige mit Büchern beschäftigen können.


Freitag, 5. Juni 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4305221,00.html 

 

Glossar

 

Hexe, die – eine Märchenfigur; eine Frau, die zaubern und auf einem Besen fliegen kann

 

Inspiration, die – sehr gute neue Ideen

 

Rechtschreibung, die – die Regeln, um richtig zu schreiben

 

ehemalig – früher; ex-

 

Schreibwerkstatt, die – Arbeitsraum, in dem man das Schreiben von Texten übt

 

Labyrinth, das – hier: ein sehr kompliziert gebautes Gebäude, aus dem man nur schwer herausfinden kann

 

bereits – schon

 

sich etwas ausdenken – etwas erfinden; sich Gedanken zu etwas machen

 

Motto, das – ein kurzer Satz, der den wichtigsten Gedanken einer Gruppe darstellt

 

Nachwuchs, der – die Kinder

 

etwas verfassen – hier: einen Text schreiben

 

etwas entfalten – hier: etwas entwickeln

 

vereinfacht – einfacher gemacht

 

etwas handelt von etwas – etwas (z. B. eine Geschichte) erzählt von etwas

 

etwas in Kauf nehmen/etwas wird in Kauf genommen – die negative Seite einer sonst guten Sache wird akzeptiert

 

etwas erweitern – etwas vergrößern