29.8.08

Zu wenig Nachwuchs in Europa


Eine Studie warnt vor Bevölkerungsschwund in großen Teilen Europas. Dramatisch ist die Situation unter anderem im Osten Deutschlands. Und die Zahl der Geburten hat auch Einfluss auf die Wirtschaft.

Seit Jahrzehnten sinkt die Zahl der Geburten in Europa. Die Bevölkerung wird immer älter. Wissenschaftler erwarten vor allem einen dramatischen Bevölkerungsrückgang in weiten Teilen Osteuropas und Südeuropas. Steffen Kröhnert vom "Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung" sagt, dass Europa bis zum Jahr 2050 ohne Zuwanderung 50 Millionen Einwohner verlieren würde. Zu den zehn europäischen Regionen mit dem stärksten Schwund gehören allein drei in Ostdeutschland – Chemnitz, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
 
Oft wird behauptet, dass eine hohe Erwerbstätigkeit von Frauen zu niedrigen Geburtenzahlen führt. Das Gegenteil sei der Fall. Je mehr Frauen in einem Land berufstätig sind, desto höher sei dort die Kinderzahl, sagt er. So ist es zum Beispiel in Skandinavien und in Frankreich. Kröhnerts Kollege Reiner Klingholz möchte, dass Deutschland der Politik dieser Länder folgt: "Was in Schweden und Norwegen funktioniert, kann in Deutschland auch funktionieren."
 
In Mittel- und Osteuropa kommt zum Geburtenmangel noch die Abwanderung hinzu. Dort gibt es wirtschaftliches Wachstum fast nur in den Großstädten. Dramatischer ist es in Ostdeutschland: Auch in der Metropole(e.首都) Berlin findet kein Wachstum statt. Schon jetzt haben die Betriebe nicht mehr genug Nachwuchs. "Was heute der Lehrlings(r.學徒)mangel ist, ist in drei Jahren ein Studentenmangel und in zehn Jahren ein Elternmangel", sagt Klingholz. Die Forscher empfehlen sogar, ältere Menschen vom Land in die Städte umzusiedeln – sonst können sie nicht gut genug versorgt werden.

Dienstag, 26. August 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3593761,00.htmlㄑ 

Glossar
 
Nachwuchs, der – Kinder
 
Studie, die – eine wissenschaftliche Untersuchung
 
Schwund, der – wenn etwas immer weniger wird
 
dramatisch – hier: so, dass man sich Sorgen machen muss
 
Jahrzehnt, das – ein Zeitraum von zehn Jahren
 
Rückgang, der – der Schwund
 
weit – hier: groß
 
Zuwanderung, die – wenn Menschen aus anderen Ländern kommen, um in einem Land zu leben
 
hohe Erwerbstätigkeit, die – wenn die Mehrheit einer Gruppe eine Arbeit hat
 
beruftstätig – wenn jemand eine Arbeit hat
 
Skandinavien – z.B. Norwegen, Schweden und Finnland
 
Mangel, der – die Tatsache, dass von etwas zu wenig da ist
 
Abwanderung, die – wenn Menschen ihre Region oder ihr Heimatland verlassen
 
Wachstum, das – wenn etwas immer mehr wird
 
Metropole, die – die Hauptstadt
 
Lehrling, der – der Auszubildende
 
jemanden umsiedeln – bestimmen, dass jemand an einem anderen Ort wohnen soll
 
jemanden versorgen – jemandem alles geben, was er zum Leben braucht

26.8.08

Untergrundkirchen in China

Das Verhältnis zwischen Staat und Religion in China ist schwierig. Zwar gibt es staatlich anerkannte Kirchen, doch ein Großteil chinesischer Christen gehört illegalen "Familienkirchen" an.

Der Gottesdienst beginnt mit elektrischen Gitarren und Trommeln. Eine junge Frau geht aufs Podium(s.講台)und erzählt von ihren Erfahrungen als Helferin in den Erdbebenregionen. Die Frau ist Mitglied in einer illegalen Familienkirche im Norden der chinesischen Hauptstadt Peking. Vor knapp zwei Jahren haben Protestanten die Kirche gegründet. Heute hat sie etwa 500 Mitglieder.
 
In der chinesischen Verfassung(e.憲法) ist das Recht auf Religionsfreiheit festgeschrieben, in der Praxis aber sind nur die staatlich kontrollierten Kirchen erlaubt. Die "katholische patriotische Vereinigung" zum Beispiel ist von Rom unabhängig; ihre Priester und Bischöfe werden vom Staat ernannt und auch bezahlt. Viele Christen fühlen sich dadurch in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt und gründen so genannte Familienkirchen. Die werden von der Regierung zwar meist geduldet, dennoch werden immer wieder Priester dieser Kirchen verhaftet(vt.逮捕.拘捕).
 
Der Rechtsanwalt Zhang Kai gehört ebenfalls einer Familienkirche an. Er betont, dass der Kern der Glaubensfreiheit in der Trennung von Kirche und Staat liegt. Die Regierung, so Zhang Kai, darf sich nicht in kirchliche Angelegenheiten einmischen. "Sie hat auch kein Recht zu beurteilen(vt.評價), welche Religion gut und welche schlecht ist", sagt der Anwalt.
 
Mittlerweile fordert die Polizei, dass sich alle Gläubigen beim Betreten der Kirche mit ihren persönlichen Daten anmelden. Aber auch dadurch ließen sich die Gläubigen bisher nicht vom Gottesdienst abschrecken. Im Gegenteil: Die Zahl der Kirchenmitglieder nimmt zu.
 
Freitag, 22. August 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3586362,00.html 
Glossar
 
Untergrundkirche, die – eine Kirche, die offiziell nicht erlaubt ist und deren Mitglieder sich geheim oder privat treffen
 
etwas angehören (Dativ) – Mitglied bei etwas sein
 
illegal – gegen das Gesetz; verboten
 
Trommel, die – hier: ein hohles Musikinstrument, auf das man schlägt
 
Podium, das – eine erhöhte Fläche, auf der zum Beispiel Redner stehen
 
Erdbebenregion – ein Gebiet, in dem sich die Erde stark bewegte und dadurch vieles zerstört wurde
 
etwas ist festgeschrieben – hier: ein Recht ist in die Verfassung geschrieben worden, um es offiziell gültig zu machen
 
Rom – hier: die offizielle römisch-katholische Kirche, der Papst
 
Bischof, der – ein hoher Priester in der katholischen Kirche
 
jemanden ernennen – jemandem ein Amt; einen Posten geben
 
jemanden (in etwas) einschränken – dafür sorgen, dass jemand weniger tun kann, als er will
 
etwas dulden – hier: etwas tolerieren, obwohl man damit nicht einverstanden ist
 
Kern, der – hier: der wichtigste Punkt; der wesentliche Teil von etwas
 
sich in etwas einmischen – etwas in einer Situation machen, die einen nicht direkt betrifft
 
etwas beurteilen – sich über etwas eine Meinung bilden; etwas bewerten
 
jemanden (von etwas) abschrecken – hier: jemanden durch Drohen dazu bringen, etwas nicht zu tun
 
mittlerweile – inzwischen

Amtsdeutsch leicht gemacht


Komplizierte Wörter, viel zu lange Sätze und ein Paragraf nach dem anderen – wer den Brief einer deutschen Behörde liest, versteht oft gar nichts. "Amtsdeutsch" ist das Problem, aber dafür gibt es jetzt eine Lösung.

Klaus Weigle ist frustriert(adj.失望的). Immer wieder bekommt er Briefe vom Arbeitsamt, mit denen er einfach nichts anfangen kann: "Man hat mir geschrieben, dass ich kein Wohngeld bekomme. Warum, stand auch in dem Brief, aber verstanden habe ich kein Wort."
 
Damit so etwas nicht mehr passiert, gibt es IDEMA, den "Internetdienst für eine moderne Amtssprache". Das Prinzip ist einfach, erklärt Projektleiterin Michaela Blaha. Die Behörden schicken IDEMA die Texte, mit denen Bürger besonders große Probleme haben. Die Sprachwissenschaftler und Juristen des Internetdienstes kürzen die Texte und vereinfachen sie. Danach werden die Vorschläge mit den Behörden diskutiert. "Das kann einige Male hin und her gehen", sagt Blaha. "Aber am Ende steht da ein Text, der verständlich und fachlich korrekt ist."
 
21 Kommunen(e.公社) aus ganz Deutschland und die Bundesverwaltung schicken inzwischen ihre Texte an IDEMA. Hier machen die Mitarbeiter dann aus der "Ablichtung" eine "Kopie" und aus dem "Eignungsfeststellungsverfahren" einen einfachen "Eignungstest" – und statt "Rechtsbehelfsbelehrung" heißt es ab sofort in den Briefen nur noch "Ihre Rechte".
 
Viele Beamte sind dankbar, wenn IDEMA den Anträgen, Formularen und Briefen sprachlich auf die Sprünge hilft, sagt Blaha. "Die Beamten sind froh, wenn ein Brief, der zu so vielen Fragen geführt hat, jetzt für sich selbst spricht."
 
 Dienstag, 19. August 2008 VON http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3578244,00.html
Glossar
 
frustriert – so, dass man wegen Enttäuschungen den Mut verliert
 
Arbeitsamt, das (offiziell: die Agentur für Arbeit) – die Behörde, die zum Beispiel bei der Arbeitssuche hilft oder in bestimmten Fällen Geld zahlt, wenn jemand arbeitslos ist
 
mit etwas nichts anfangen können – hier: etwas nicht verstehen
 
Internetdienst, der – hier: ein Büro, das seine Leistungen über das Internet anbietet
 
Prinzip, das – eine Regel, die immer gilt; die gelten soll, weil jemand sie sehr wichtig findet
 
Sprachwissenschaftler/in, der/die – jemand, der Sprache wissenschaftlich untersucht
 
Jurist/in, der/die – jemand, der studiert hat, welche Gesetze es in einem Land gibt und wie diese Gesetze benutzt werden
 
etwas vereinfachen – etwas einfacher machen
 
etwas geht hin und her – hier: zwei Seiten machen abwechselnd Vorschläge und diskutieren diese
 
verständlich – so, dass man etwas/jemanden gut versteht
 
fachlich korrekt – hier: so, dass keine rechtlich falschen Aussagen vorkommen
 
Kommune, die – eine Stadt oder Gemeinde, die eine eigene Verwaltung hat
 
Bundesverwaltung, die – hier: die oberste Verwaltung in Deutschland
 
Mitarbeiter/in, der/die – der/die Angestellte
 
Eignungstest, der – ein Test, der feststellt, ob jemand oder etwas für etwas geeignet ist
 
jemandem/etwas auf die Sprünge helfen – jemanden/etwas dabei unterstützen; dazu bringen, etwas zu tun oder zu sein
 
etwas spricht für sich selbst – etwas muss nicht erklärt werden

23.8.08

Deutsche Unternehmen kehren heim


Der Stofftier-Hersteller Steiff holt seine Produktion aus China zurück und ist damit kein Einzelfall(r.個別狀況). Ist der Standort Deutschland doch wieder beliebter als das boomende Asien?

Es ist immer wieder Thema in den deutschen Medien: Mehr und mehr Unternehmen wandern ins Ausland ab. Hierfür werden vor allem die hohen Lohnkosten und Steuern in Deutschland verantwortlich gemacht. Experten glauben, dass China der große Zukunftsmarkt ist.
 
Kürzlich aber hat der traditionsreiche Stofftier-Hersteller Steiff mitgeteilt, dass er nicht mehr in China produzieren wird – und Steiff ist kein Einzelfall. Nach einer Studie des Vereins deutscher Ingenieure (VdI) kommt fast jeder fünfte Betrieb, der seine Herstellung ins Ausland verlegt hat, nach einigen Jahren wieder zurück. "Diese Zahlen zeigen uns, dass 'Made in Germany' weiterhin ein Zeichen für Qualität ist", sagt VdI-Präsident Bruno O. Braun.
 
Die Firma Steiff nennt vor allem Qualitätsmängel und lange Transportwege als Gründe für ihre Rückkehr. Der Geschäftsführer Martin Frechen beklagt außerdem, dass viele chinesische Mitarbeiter sofort den Job wechseln, wenn sie woanders 20 Dollar mehr im Jahr verdienen können. Allerdings braucht Steiff bis zu zwölf Monate, um einen Mitarbeiter einzuarbeiten.
 
Auch die hohen Energiepreise könnten zu einem Problem für die Unternehmen werden. Bisher lassen Hersteller die Einzelteile vieler Produkte meist einfach da produzieren, wo es am billigsten ist. Danach erst bringen Schiffe, Flugzeuge oder LKWs alles dorthin, wo es zusammengebaut wird. Wenn aber der Ölpreis weiter steigt, könnten die Transportkosten zu teuer werden und ebenfalls dafür sorgen, dass Firmen nach Deutschland zurückkehren.
 
Dienstag, 8. Juli 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3468899,00.html 
GLOSSAR
 
Unternehmen, das – die Firma
 
heimkehren – nach Hause kommen; zurückkehren
 
Stofftier, das – ein Spielzeug aus Stoff in Form eines Tieres, z.B. ein Teddybär
 
Standort, der – hier: der Ort, an dem eine Firma etwas produziert
 
boomen – hier: großes wirtschaftliches Wachstum erleben
 
Medien, die (Pl.) – die Presse; Fernsehen, Radio, Zeitung, Internet
 
abwandern – hier: den Ort wechseln; weggehen
 
Lohnkosten, die (Pl.) – das Geld, das ein Unternehmen für seine Mitarbeiter ausgibt
 
Experte/in, der/die – jemand, der über ein Thema sehr viel weiß
 
Zukunftsmarkt, der – der wirtschaftliche Markt, der in Zukunft boomen wird
 
traditionsreich – mit langer Tradition
 
Studie, die – die Untersuchung, die Recherche
 
etwas verlegen – hier: etwas an einem anderen Ort machen
 
Qualitätsmängel, die – schlechte Qualität; Fehler
 
Geschäftsführer, der – der Chef einer Firma
 
etwas beklagen – etwas nicht gut finden
 
woanders – an einem anderen Ort; hier: in einem anderen Unternehmen
 
jemanden einarbeiten – jemandem erklären und zeigen, wie er eine Arbeit machen muss
 
Energiepreis, der – hier: der Ölpreis (meist im Pl. "die Energiepreise")

Gibt es Volkskrankheiten?


Die Deutschen leiden vor allem an Rückenschmerzen, in anderen Ländern sind es eher Leberkrankheiten oder Erschöpfungszustände(r.精疲力竭的狀態). Gibt es wirklich nationalspezifische Krankheiten?

Die Statistik sagt: Jeder dritte Deutsche hat Probleme mit seinem Rücken. Haben deutsche Menschen also eine schlechte Haltung(e.姿勢.舉止)? "Viele Krankheiten haben zwar genetische Ursachen", sagt Markus Nöthen, Leiter des Instituts für Humangenetik der Universität Bonn. "Aber eigentlich gibt es nationale Krankheiten nicht."
 
Jedoch gibt es Volkskrankheiten, die in bestimmten Ländern häufiger sind als in anderen Ländern, sagt Nöthen. So ist in Europa die Herzinfarkt-Rate deutlich höher als in Asien oder Afrika. Laut Nöthen ist das ganz klar eine Frage der Umgebung und vor allem der Ernährung.
 
Es gibt aber auch Krankheiten, die im Erbgut(s.遺產) eines Volkes vorkommen. So hat sich zum Beispiel die finnische(adj.芬蘭的) Bevölkerung aus einer ziemlich kleinen Zahl von Personen entwickelt. Diese Personen besaßen bestimmte genetische Eigenschaften und gaben diese dann an ihre Nachkommen(s.後代) weiter.
 
Manchmal haben Krankheiten aber auch einfach eine 'nationale Tradition'. Der Medizinhistoriker Norbert Kohnen meint: "Wenn in Deutschland ein Kind über Bauchschmerzen klagt, dann sagt die Mutter 'du hast dir den Magen verdorben(vt.變壞.腐壞).' Die französische Mutter vermutet dagegen eher eine Lebererkrankung, und die türkische Mutter sagt 'dein Körper ist geschwächt(adj.軟弱的).' " So entwickeln Kinder je nach Land eine andere Einstellung zu bestimmten Krankheiten. In dieser Hinsicht gibt es sie also doch, die Volkskrankheiten.
 
Freitag, 11. Juli 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3476108,00.html 
Glossar
 
Volkskrankheit, die – eine Krankheit, die viele Menschen eines Landes haben
 
Erschöpfungszustand, der – wenn man sich sehr müde und schwach fühlt
 
nationalspezifisch – typisch für ein Land
 
Statistik, die – eine Liste von Zahlen, die zeigt, wie häufig bestimmte Dinge vorkommen
 
Haltung, die – hier: die Art, wie man sitzt oder steht
 
genetisch – so, dass es mit dem Erbgut zu tun hat
 
Institut, das – ein Ort, an dem Wissenschaftler forschen und lehren
 
Humangenetik, die – ein wissenschaftliches Gebiet; die Lehre vom Erbgut des Menschen
 
Herzinfarkt, der – eine schwere und plötzliche Krankheit, bei der das Herz nicht mehr richtig schlägt
 
Rate, die – hier: die Anzahl; wie oft etwas vorkommt
 
das ist eine Frage der Ernährung (Genitiv) – das hat mit der Ernährung zu tun
 
Erbgut, das – die Gene; die Eigenschaften, die ein Mensch, ein Tier oder eine Pflanze geerbt hat
 
Nachkomme, der (Neutrum) – das Kind und Kindeskind eines Menschen
 
Medizinhistoriker/in, der/die – ein/e Wissenschaftler/in, der/die sich mit der Geschichte der Medizin beschäftigt
 
sich den Magen verderben – Bauchschmerzen durch schlechtes oder falsches Essen bekommen
 
geschwächt sein – schwach sein
 
Einstellung, die – die Meinung, die Ansicht
 
in dieser Hinsicht – was eine bestimmte Sache angeht/betrifft

Einen Pass für jeder Heimat


Viele junge Migranten müssen sich jetzt entscheiden: für oder gegen den deutschen Pass. Eine Zumutung(e.過分的要求.苛求), findet die SPD, und kämpft wieder für die doppelte Staatsangehörigkeit. Diesmal mit Erfolg?

3300 Jugendliche bekommen in diesen Tagen Post von den Behörden – aber nicht, weil sie irgendetwas angestellt haben, sondern weil sie sich für einen Pass entscheiden müssen. Denn Kinder, die in Deutschland zur Welt gekommen sind und ausländische Eltern haben, erhalten unter bestimmten Voraussetzungen zwei Pässe. Doch zwischen 18 und 23 Jahren müssen sie sich für eine Staatsangehörigkeit und damit für einen Pass entscheiden. Da dieses Modell für alle Jahrgänge ab 1990 gilt, trudeln(vt.姍姍來遲.遲到) jetzt die ersten Briefe bei den jungen Leuten ein.
 
Die SPD, die das Gesetz 2000 beschlossen hat, hält die Regelung inzwischen für Unsinn und sieht in ihr ein bürokratisches Monster. Die Partei will deshalb erneut die doppelte Staatsangehörigkeit durchsetzen, doch der Koalitionspartner(r.聯合的夥伴), die CDU, ist dagegen. Sie fürchtet, Migranten könnten sich zu wenig mit Deutschland verbunden fühlen.
 
Für Serdar Yazar vom "Bundesverband türkischer Studierendenvereine" ist es jedoch ein wichtiges Symbol, beide Pässe zu haben: "Im Herzen sind wir Türken und Deutsche." Deshalb setzt er sich seit Jahren für die doppelte Staatsangehörigkeit ein – die es für viele Ausländer schon längst gibt: Bürger aus den EU-Ländern, Schweizer und auch Spätaussiedler(r.後來的遷出者) dürfen beide Pässe behalten. Yazar hofft, dass nach der Bundestagswahl 2009 der Doppelpass für alle Ausländer kommen wird. Dann würde der 27-jährige Student aus Berlin auch wieder Pass Nummer zwei beantragen – und zwar den türkischen.
 
Dienstag, 15. Juli 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3486068,00.html 
Glossar
 
Migrant, der – jemand, der aus einem Land in ein anderes eingewandert ist
 
Zumutung, die – etwas, das jemanden sehr stört; das jemand nicht ertragen kann
 
Behörde, die – das Amt
 
etwas anstellen – hier: etwas tun, was negative Folgen hat; einen Schaden verursachen
 
unbefristete Aufenthaltsgenehmigung, die – die Erlaubnis, in einem Land für immer leben zu dürfen
 
Jahrgang, der – hier: alle Personen, die in demselben Jahr geboren wurden
 
eintrudeln, etwas/jemand trudelt ein – etwas/jemand kommt langsam an
 
etwas/jemanden für etwas/jemanden halten – eine bestimmte Ansicht, Meinung über etwas/jemanden haben
 
Unsinn, der – etwas, das nicht klug oder nicht vernünftig ist
 
bürokratisches Monster, das – eine sehr komplizierte Regelung, die nur mit Mühe realisiert oder angewendet werden kann
 
erneut – noch einmal; wieder
 
etwas durchsetzen – hier: erreichen, dass etwas, das man will, gemacht wird
 
Koalitionspartner, der – die Partei, die mit anderen Parteien zusammen regiert
 
sich einsetzen für etwas – sehr viel tun, dass ein bestimmtes Ziel erreicht wird
 
Spätaussiedler, der – jemand, der aus Osteuropa (vor allem Russland und Kasachstan) nach Deutschland kommt, nachdem seine Familie (z. B. Großeltern) vor vielen Jahren aus Deutschland dorthin gezogen ist
 
Doppelpass, der – hier: zwei Pässe; die doppelte Staatsangehörigkeit
 
und zwar – nämlich

Wenn Jugendliche zu viel Alkohol trinken


Immer mehr Jugendliche in Großbritannien sterben, weil sie zu viel Alkohol trinken. Die britische Regierung hat dagegen nun eine Kampagne gestartet, die vom Alkohol-Konsum abschrecken(vt.嚇退.使冷卻) soll.

Samstagabend im Fernsehen: Ein junges Mädchen macht sich für eine Party schick. Aber ihre Kleidung ist zerrissen(adj.撕碎的), und das Mädchen übergibt(vt.嘔吐) sich. "Du würdest eine Nacht nie so anfangen, warum sie so beenden?", fragt der Werbespot(r.宣導片) der britischen Regierung. Diese kämpft mit schockierenden Bildern gegen Alkohol-Missbrauch bei Jugendlichen. Fünf Millionen Pfund kostet die neue Werbe-Kampagne. Die Botschaft ist: Das ist absolut nicht cool.
Die britische Regierung möchte mit solchen Videos Jugendliche vom so genannten Komatrinken abschrecken. Denn immer mehr Jugendliche sterben durch zu hohen Alkohol-Konsum. Ärzte behandeln heute Patienten mit Leberzirrhose(e.肝硬化), die erst 20 oder 30 Jahre alt sind. Früher war dies eine Krankheit älterer Menschen. Jeder dritte 15- bis 16-Jährige betrinkt sich regelmäßig, viele haben schon mit 10 oder 12 Jahren begonnen. Das schockierende Ergebnis: 14 Prozent der 16- bis 19-Jährigen gelten als alkoholabhängig.
"Es gilt als cool, möglichst schnell und viel zu trinken", meint Peter Fahy, der Polizeipräsident von Cheshire. Er fordert strengere Kontrollen an den Kassen und eine Erhöhung der Preise. „Denn internationale Untersuchungen zeigen, dass Alkoholkonsum vor allem von Preis und Verfügbarkeit(e.使用.支配) abhängig ist", so Fahy. Die Kampagne der Regierung ist also umstritten. Viele halten sie für geschmacklos(adj.無味的.俗氣的.乏味的) und glauben nicht an ihre Wirksamkeit. Und auch britische Rentner trinken immer mehr Alkohol. Es bleibt die Frage, welche Werbespots Großbritannien für diese Gruppe plant.

Freitag, 18. Juli 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3492845,00.html
Glossar

Kampagne, die – viele verschiedene Aktionen, die zusammen ein Ziel erreichen sollen
Konsum, der – der Verbrauch
abschrecken – verhindern, dass jemand etwas tut, indem man ihm Angst davor macht
zerrissen – wenn etwas kaputt ist und Löcher hat
sich übergeben – Essen oder Getränke wieder ausspucken
Werbespot, der – ein kurzer Film, der Werbung für etwas machen soll
schockierend – etwas, das erschreckt
Missbrauch, der – wenn etwas falsch verwendet wird
Komatrinken, das – zu schneller Konsum von viel Alkohol, bei dem Menschen bewusstlos werden
behandeln – die Krankheiten der Patienten heilen
Leberzirrhose, die – eine Krankheit, die durch viel Alkohol verursacht wird und die Leber zerstört
etwas gilt als etwas – etwas wird von vielen Leuten als etwas angesehen
alkoholabhängig – wenn jemand regelmäßig viel Alkohol trinkt und nicht aufhören kann
etwas ist abhängig von etwas – etwas wird von etwas beeinflusst oder bestimmt
Verfügbarkeit, die – die Möglichkeit, etwas zu bekommen
umstritten – es gibt verschiedene Meinungen, ob etwas gut oder schlecht ist
etwas für etwas halten – glauben, dass etwas bestimmte Eigenschaften hat
geschmacklos – unpassend; das Gegenteil von angenehm
Rentner, der – jemand, der nicht mehr arbeiten muss, weil er schon sehr alt ist

22.8.08

Touristen treffen Terroristen


Überall in der nordirischen Hauptstadt Belfast gibt es Orte, an denen heftige Kämpfe zwischen Katholiken(r.舊教徒) und Protestanten(r.新教徒) stattgefunden haben. Heute bieten ehemalige Häftlinge beider Seiten besondere Stadtführungen an.

"Herzlich willkommen in Belfast. Ich bin Pádraic McCotter und ein ehemaliger republikanischer Häftling." Pádraic hat viele Jahre im Gefängnis verbracht. Früher war er Mitglied der Terror-Organisation IRA. Heute führt er Schüler durch die Stadt. Er arbeitet als Stadtführer für "Coiste" – eine Organisation, die ehemaligen Häftlingen eine neue Beschäftigung und ein Einkommen bietet. Und für die Touristen ist es spannend, ein echtes IRA-Mitglied zu treffen.
 
Mit dem Bus fahren die Schüler zu berühmten politischen Wandmalereien und zu einer Grundschule, in deren Wand heute noch Einschusslöcher zu sehen sind. Dann geht es weiter zur Bombay Street, wo 1969 Protestanten katholische Häuser anzündeten. Eine hohe Mauer mit Stacheldraht(r.鐵絲網) trennt den katholischen und den protestantischen Teil Belfasts. Die Fahrt endet am "Cupar Way", einem Durchgang in der Mauer. Dieser wird gesperrt, wenn es dunkel wird. Das soll Katholiken und Protestanten auf beiden Seiten vor Übergriffen(r.侵犯.侵害) schützen.
 
An diesem Durchgang bringt Pádraic die Gruppe zu Jake. Früher hätten die beiden sich bekämpft, heute arbeiten sie zusammen. Jake ist Protestant, für seine Zeit als pro-britischer Paramilitär(r.準士兵) saß er ebenfalls lange Zeit im Gefängnis. "Von mir hört ihr die protestantische Perspektive(s.前景.前途)." Jake beginnt zu erzählen, wie er die Ereignisse rund um die Bombay Street erlebt hat. Eine Schülerin sagt, dass es sich gelohnt hat, beide Seiten kennen zu lernen – und das auch noch durch Personen, die dabei waren. "Man erfährt, was wirklich passiert ist und wie der Konflikt bis heute weitergeht."

vom Freitag, 25. Juli 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3511534,00.html
Glossar
 
Terrorist, der – jemand, der seine politischen Ziele durch Gewalt erreichen möchte
 
heftig – stark; intensiv
 
ehemalig – früher
 
Häftling, der – jemand, der für ein Verbrechen eingesperrt wird
 
republikanisch – ein Befürworter der Republik; hier: jemand, der zur Republik Irland gehören möchte
 
Gefängnis, das – das Gebäude, in dem Häftlinge eingesperrt sind
 
IRA, die – engl.: Abkürzung für "Irish Republican Army", eine katholische Terror-Organisation, die will, dass Nordirland nicht zu Großbritannien sondern zur Republik Irland gehört
 
Einkommen, das – das Geld, das jemand durch Arbeit verdient
 
Wandmalerei, die – ein Bild, das jemand auf eine Wand gemalt hat
 
Einschussloch, das – ein Loch, das durch die Munition(e.槍砲彈藥) einer Waffe verursacht wurde
 
es geht irgendwohin – die Fahrt führt zu einem bestimmten Ziel; hier: die Schüler machen sich auf den Weg zu/nach …
 
Stacheldraht, der – ein Draht mit Haken und Spitzen, an dem man sich verletzen kann
 
sperren – zumachen; schließen
 
Übergriff, der – der Angriff
 
Paramilitär, der – jemand, der wie ein Soldat bewaffnet ist aber nicht zur Armee gehört
 
Perspektive, die – hier: eine persönliche Sicht auf etwas

21.8.08

Eine Welt voller Gefühle


Schöne Frauen, starke Männer, eingängige(e.好懂的) Musik und Herzschmerz – das indische Kino hat auch in Deutschland immer mehr Fans. Denn Bollywood liefert(vt.生產.提供.交貨) große Gefühle für Jung und Alt.

Wenige Jahre nach dem Start von Bollywood-Filmen in Deutschland ist die Zahl der Fans indischer Filme stark gestiegen. Nach Schätzungen(e.估價) der deutschsprachigen Bollywood-Zeitschrift "Ishq" (Hindi für: Liebe) gibt es mittlerweile zwischen ein und zwei Millionen Deutsche, die sich für Bollywood begeistern.
 
Märchenhafte Landschaften, bunte Kleider, schöne Frauen, starke Männer – und vor allem ein Happy End – das sind die typischen Merkmale eines Bollywood-Films. Naseem Khan, Herausgeber(r.編輯者) der Zeitschrift Ishq, hält die westliche Kultur für eher emotionslos(adj.沒感情的) und glaubt, dass das indische Kino deshalb so beliebt ist. "Sehr viele Menschen sind einfach dankbar, endlich mal vor dem Fernseher aus tiefem Herzen weinen oder lachen zu können", sagt er.
 
Neben dem Indien, das Bollywood zeigt, gibt es aber auch noch ein anderes. Dieses Indien verändert sich ständig und kann nicht mit alten Klischees(s.陳腔濫調) erklärt werden. Das Filmfestival(s.電影節) "Bollywood and Beyond" versucht genau das zu zeigen. Für Oliver Mahn, den Leiter des Festivals, ist es wichtig, Vorurteile(s.成見.偏見) abzubauen und die Völkerverständigung(e.民族的諒解) zwischen Deutschland und Indien zu fördern. Und so wurde beim letzten Festival unter anderem über Kinder- und Frauenrechte oder Umweltprobleme diskutiert. Anschließend konnten sich alle wieder bei Bollywood-Kino entspannen.

Dienstag, 29. Juli 2008 von  http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3520391,00.html

Glossar
 
Bollywood, das – die indische Filmindustrie (gebildet aus "Bombay" und "Hollywood")
 
eingängig – hier: so, dass man ein Lied sehr schnell im Kopf hat und nicht mehr vergisst
 
Herzschmerz, der – hier: eine Liebesgeschichte, die sehr dramatisch ist
 
Fan, der – jemand, der sich für etwas/jemanden begeistert
 
Schätzung, die – die ungefähre Messung
 
sich für etwas/jemanden begeistern – etwas/jemanden ganz toll finden
 
Happy End, das – das glückliche Ende einer Geschichte
 
Herausgeber/in, der/die – die Person, die eine Zeitschrift veröffentlicht
 
etwas/jemanden für etwas/jemanden halten – glauben, dass etwas/jemand bestimmte Eigenschaften hat
 
emotionslos – ohne Gefühl
 
aus tiefem Herzen – mit viel Gefühl
 
ständig – dauernd; immer wieder
 
Klischee, das – das Vorurteil; eine sehr feste Vorstellung von etwas, das man nicht selbst kennengelernt hat
 
Filmfestival, das – eine Veranstaltung, auf der viele Filme gezeigt werden
 
Vorurteile abbauen – dafür kämpfen, dass es weniger Vorurteile gibt
 
Völkerverständigung, die – das Kennenlernen und Verstehen verschiedener Nationen und Kulturen untereinander
 
etwas/jemanden fördern – die Entwicklung von etwas/jemandem unterstützen
 
anschließend – danach
 
sich entspannen – sich erholen

16.8.08

Die 68er-Bewegung in Deutschland


Ende der Sechzigerjahre gingen in Westdeutschland die Studenten auf die Straße. Ein Rückblick ins Jahr 1968 führt zu den Anfängen der Außerparlamentarischen Opposition – und zu zwei prominenten(adj.傑出的.) Opfern.

Der Juni 1967 wird als der Beginn der Studenten-Bewegung in Deutschland angesehen. Damals wurde der pazifistische(adj.和平主義的.) Student Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen den Schah-Besuch in Berlin von einem Polizisten getötet. Eine zentrale Figur der so genannten Außerparlamentarischen Opposition (APO) war der 27-jährige Soziologiestudent Rudi Dutschke. 
 
Die Proteste der APO richteten sich gegen die USA und ganz allgemein gegen den Kapitalismus. Die Medien reagierten auf die Studenten-Unruhen häufig mit Ablehnung. Die Boulevardzeitung(e.小報) "Bild" des konservativen Axel-Springer-Verlages bezeichnete die Studenten unter anderem als Extremisten(e.極端者) und Randalierer(r.任意喧鬧者).
 
Am 11. April 1968 wurde Dutschke von dem 23-jährigen Josef Erwin Bachmann angegriffen. Der Arbeiter rief "Du dreckiges Kommunistenschwein!" und schoss Dutschke dreimal in den Kopf. Er wurde zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Rudi Dutschke war schwer verletzt und starb zehn Jahre später an den Folgen des Überfalls.
 
Die Schüsse auf Rudi Dutschke bedeuteten aber auch einen Wendepunkt(r.轉折點) in der Geschichte der Protest-Bewegung. Ein Teil der APO radikalisierte(vt.激進.) sich nach dem Überfall. Einige Mitglieder schlossen(vt.sich.加入) sich zwei Jahre später der terroristischen "Rote-Armee-Fraktion" an. Andere begannen, sich in Parteien und Bürgerinitiativen(e.人民發起) für eine Veränderung der Gesellschaft zu engagieren.

Freitag, 01. August 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3530644,00.html
Glossar
 
auf die Straße gehen – protestieren, demonstrieren
 
Rückblick, der – ein Blick in die Vergangenheit
 
Außerparlamentarische Opposition (APO), die – Menschen, die gegen die Regierung protestieren, aber nicht in einer Partei oder im Parlament sind
 
prominent – bekannt
 
pazifistisch – jemand, der sich für den Frieden einsetzt
 
Schah, der – der damalige Herrscher von Iran
 
sich gegen etwas richten – etwas öffentlich kritisieren und angreifen
 
Unruhe, die – hier: Proteste und Kämpfe auf der Straße
 
Boulevard-Zeitung, die – eine Zeitung, die teilweise negativ über Leute schreibt und vor allem über Sensationen und Skandale berichtet
 
Verlag, der – eine Firma, die Zeitungen oder Bücher herstellt
 
Extremist, der – jemand, der eine extreme politische Meinung vertritt und extreme Mittel einsetzt
 
Randalierer, der – jemand, der aggressiv ist und etwas kaputt macht
 
Wendepunkt, der – ein Zeitpunkt, an dem sich etwas grundsätzlich ändert
 
sich radikalisieren – hier: zu stärkeren und gewalttätigeren Mitteln greifen als vorher
 
sich jemandem anschließen – einer Gruppe beitreten
 
terroristisch – jemand, der politische Ziele mit Gewalt erreichen will
 
Bürgerinitiative, die – eine Gruppe, die sich außerhalb von Parteien für bestimmte Ziele einsetzt
 
engagieren – sich einsetzen

15.8.08

Die Roboter kommen


Roboter als neue Helfer im Alltag? Schon bald sollen sie sich um alte Menschen und kleine Kinder kümmern. Mit so genannten Partner-Robotern wollen Firmen wie Toyota viel Geld verdienen.

Sie spielen Tuba(r.大號), Trompete(e.小號) und Schlagzeug(s.打擊樂器) – aber es sind keine Menschen, die auf der Bühne(e.戲院.劇院) sitzen, sondern Roboter. Sie geben ein richtiges Konzert und verbeugen sich am Ende sogar artig(adj.規矩的.有禮貌的.聽話的). Mit solchen Shows will Toyota zeigen, wie genau und vor allem vorsichtig ihre Roboter inzwischen arbeiten können. Denn sie sollen später Aufgaben wie die Pflege von alten und kranken Menschen übernehmen.
 
Auch als Babysitter können diese künstlichen 'Partner' eingesetzt werden. Der Roboter Papero von der Firma NEC ist so ein Gerät. Es spielt mit den Kindern und weiß über einen Funkchip immer, wo diese gerade sind. Die Eltern können bei der Arbeit am Computer auf ihrem Bildschirm sehen, was ihre Kinder machen. Sie können dem Roboter sogar über ein Handy Anweisungen(e.指示.命令) geben.
 
Noel Sharkey, Professor für Künstliche Intelligenz und Robotik an der Universität Sheffield, findet diese Entwicklung problematisch: Kann ein Kind einen Roboter als Vorbild haben? Darf ein Roboter für einen Menschen entscheiden? Wer ist verantwortlich, wenn etwas schief geht? "Ich hoffe, dass das bedacht wird, bevor die Roboter immer mehr Aufgaben von Menschen übernehmen", sagt Sharkey. "Aber ich glaube, die Diskussion wird erst dann beginnen, wenn sie schon längst in Aktion sind."

Freitag, 8. August 2008 von  http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3547484,00.html
 
Glossar
 
Roboter, der – eine Maschine, die bestimmte Arbeiten erledigen kann
 
Tuba, die – ein großes Instrument, das beim Hineinblasen tiefe Töne macht
 
Schlagzeug, das – ein Instrument, auf das man schlägt, um Töne zu machen
 
ein Konzert geben – vor einem Publikum Musik machen
 
sich verbeugen – hier: im Stehen den Oberkörper nach vorne bewegen, um sich beim Publikum zu bedanken
 
artig – so, dass man macht, was die Eltern sagen
 
Babysitter/in, der/die – Anglizismus: jemand, der auf kleine Kinder aufpasst
 
Funkchip, der – eine kleine flache Platte, die elektronische Informationen speichern kann
 
Künstliche Intelligenz, die – hier: die Wissenschaft, die sich mit künstlichem intelligentem Verhalten beschäftigt
 
Robotik, die – die Wissenschaft, die sich mit Robotern beschäftigt
 
problematisch – so, dass Probleme entstehen
 
Vorbild, das – jemand, den man so sehr bewundert, dass man so werden möchte wie er
 
etwas geht schief – etwas läuft nicht so, wie man will; etwas Schlimmes passiert
 
längst – seit langer Zeit
 
in Aktion sein – hier: eingesetzt werden

14.8.08

Scheidung mit Grenzen


Eine Scheidung ist meist keine einfache Sache. Noch komplizierter wird es, wenn die Ehepartner aus verschiedenen Ländern Europas kommen. Denn in Sachen Scheidungsrecht liegen die Länder der EU weit auseinander.

Sie ist Französin, er Brite. Beide waren gerade zusammen nach Paris umgezogen. Doch das Eheglück dauerte nicht lange: Er fand heraus, dass sie ihn betrogen hatte. Am gleichen Nachmittag reichte(vt.提交) er in Frankreich die Scheidung ein, denn nach französischem Scheidungsrecht steht(vt.有權) dem Ehepartner, der an der Scheidung schuld ist, weniger Unterhalt zu. Nicht so in Großbritannien: Hier ist die Schuldfrage bei einer Scheidung – ähnlich wie in Deutschland – irrelevant(adj.不相干的.離題的).
 
Solche Ungereimtheiten(e.不合理.無意義) gibt es viele. Besonders groß sind die Unterschiede etwa zwischen Schweden und Polen. Schweden hat die liberalsten(adj.自由的) Scheidungsgesetze in Europa. In Polen gilt das Schuldprinzip: Der schuldig Geschiedene erhält überhaupt keinen Unterhalt. Eine Vereinfachung(e.簡化.精簡) von Scheidungen will die polnische Regierung unbedingt verhindern. In Malta wiederum sind Scheidungen überhaupt nicht möglich.
 
Vorstöße(r.衝擊.進攻.衣服的滾邊) der Europäischen Union, eine einheitliche Scheidungsregelung zu finden, sind bisher immer im Sande verlaufen(無結果的). Mark van Roy, Anwalt für Familienrecht in Brüssel, glaubt nicht an eine Einigung in naher Zukunft: "In Slowenien, in Irland, in Deutschland, in Schweden gibt es verschiedene Systeme, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben. Daher denke ich nicht, dass eine Vereinheitlichung schon in den nächsten Jahren möglich sein wird. Das wird seine Zeit brauchen." Bis zu einem einheitlichen europäischen Scheidungsrecht ist es also noch ein weiter Weg. Ob es eines Tages überhaupt dazu kommt, ist fraglich.
 
 Dienstag, 12. August 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3558346,00.html
Glossar
 
in Sachen – bezogen auf etwas; etwas betreffend
 
etwas herausfinden – hier: etwas entdecken; etwas bemerken
 
jemanden betrügen – hier: eine sexuelle Beziehung mit jemand anderem haben, obwohl man sich in einer festen Partnerschaft befindet
 
die Scheidung einreichen – die Scheidung offiziell beantragen
 
etwas steht jemandem zu – jemand hat das Recht, etwas zu erhalten
 
Unterhalt, der – hier: das Geld, das jemand monatlich an seinen geschiedenen Ehepartner zahlen muss
 
irrelevant – bedeutungslos; vollkommen unwichtig
 
Ungereimtheit, die – eine Sache, die nicht zu etwas passt; die nicht logisch ist
 
Prinzip, das – hier: die grundlegende Regel; die bestimmende Idee
 
Vereinfachung, die – eine Handlung, durch die etwas einfacher gemacht wird
 
Vorstoß, der – hier: ein Versuch, etwas zu erreichen
 
einheitlich – für alle gleich
 
etwas verläuft im Sande – etwas führt zu keinem Ergebnis; etwas hat keinen Erfolg
 
Einigung, die – hier: die Lösung eines Konflikts oder Streits, mit der alle zufrieden sind
 
bis zu etwas ist es ein weiter Weg – etwas wird noch lange dauern; etwas erfordert viel Arbeit
 
fraglich – hier: unsicher; zweifelhaft

9.8.08

Auf der Suche nach Dr.Tod


Mehr als 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hofft das Simon-Wiesenthal-Zentrum, den NS-Verbrecher Aribert Heim zu fassen. Es gibt Hinweise, dass sich der 94-Jährige in Südamerika versteckt.

Efraim Zuroff ist optimistisch: Der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem glaubt, den früheren KZ-Arzt Aribert Heim bald in Südamerika finden zu können. Das Wiesenthal-Zentrum versucht seit längerer Zeit, die letzten noch lebenden NS-Verbrecher aufzuspüren(vt.探索.追蹤而發現). Heim steht auf der Liste der weltweit gesuchten NS-Verbrecher an erster Stelle.
 
Der Arzt war im KZ Mauthausen als "Dr. Tod" berüchtigt(adj.聲明狼藉的) und hat während des Zweiten Weltkrieges zahlreiche Häftlinge gefoltert(vt.拷問.折磨). Heim galt als sehr grausam(adj.殘酷的.殘暴的). So soll er aus der Haut eines Opfers einen Lampenschirm(r.燈罩) hergestellt und Gefangene durch Spritzen ins Herz getötet haben. Nach dem Krieg arbeitete er in Deutschland als Frauenarzt. Als 1962 Anklage gegen ihn erhoben wurde, tauchte er unter.
 
Nach Angaben von Zuroff gibt es jetzt mehrere Hinweise, dass der heute 94-Jährige noch am Leben ist. So haben zum Beispiel seine Kinder das Vermögen Heims in Höhe von etwa zwei Millionen Euro in Deutschland noch nicht beansprucht(vt.要求.需求). Die Tochter Heims lebt in der chilenischen Stadt Puerto Montt und hat vermutlich regelmäßigen Kontakt zu ihrem Vater. Nach mehrjähriger Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei ist das Wiesenthal-Zentrum deshalb überzeugt, dass auch Heim sich irgendwo in der Nähe von Puerto Montt befindet.
 
Dienstag, 22. Juli 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3504108,00.html 
Glossar
 
NS- – auf den Nationalsozialismus bezogen; auf die Diktatur Hitlers (1933-1945) bezogen
 
optimistisch sein – positive Erwartungen haben; glauben, dass etwas gelingen wird
 
KZ, das – Abkürzung für Konzentrationslager; ein Lager, in dem die Nationalsozialisten sehr viele Menschen gefangen hielten und töteten
 
jemanden/etwas aufspüren – jemanden/etwas nach langer Suche finden
 
weltweit – auf der ganzen Welt
 
berüchtigt – wegen schlimmer Taten berühmt
 
Häftling, der – der Gefangene
 
jemand/etwas gilt als jemand/etwas – viele Leute haben eine bestimmte Meinung über jemanden/etwas
 
jemanden foltern – mit bestimmten Mitteln starke Schmerzen bei jemandem verursachen
 
grausam – ohne Mitleid; so, dass Menschen oder Tiere sehr leiden müssen
 
jemand soll etwas gemacht haben – viele Leute sagen, dass jemand etwas gemacht hat
 
Lampenschirm, der – der Teil einer Lampe, der um die Glühbirne herum als Schutz befestigt ist. Besteht meist aus Stoff, Papier oder Glas
 
Anklage gegen jemanden erheben – jemanden vor Gericht bestimmter Verbrechen beschuldigen
 
untertauchen – hier: sich verstecken; verschwinden
 
nach Angaben von jemandem – so, wie es jemand gesagt hat; nach Informationen von jemandem
 
etwas beanspruchen – hier: etwas verlangen, auf das man ein Recht hat oder zu haben glaubt
 
mehrjährig – mehrere Jahre dauernd

Werbung,die nicht wie Werbung aissieht


Die klassische Werbung in Fernsehen, Zeitungen und Internet hat immer weniger Einfluss auf die Konsumenten. Deshalb hat die Wirtschaft eine neue Methode entwickelt: Werbung, die der Kunde nicht bemerkt.

Jeden Tag begegnen uns ungefähr 1500 Werbe-Botschaften – offenbar ohne großen Erfolg. "Menschen haben gelernt, wie Werbung funktioniert“, erklärt Wirtschaftsberater Michael Domsalla. Er sagt, dass die Konsumenten ablehnend oder sogar aggressiv(adj.侵略的.侵犯的) auf Werbung reagieren. Sie haben gelernt, Werbung zu ignorieren(vt.無視.不睬理). Klassische Reklame schafft es immer weniger, zu überraschen oder Aufmerksamkeit zu erregen, so Domsalla.
 
Ob die Kunden etwas kaufen oder nicht, entscheiden sie immer häufiger mit Hilfe des Internets. Allerdings ist die Werbung für diese Entscheidung in vielen Fällen bedeutungslos. Viele Menschen informieren sich lieber auf Internetseiten, auf denen andere ihre Meinung zu Produkten mitteilen und diskutieren.
 
Auf dieses Verhalten der Konsumenten reagieren Werbefachleute nun mit Werbung, die nicht wie Werbung aussieht. Auf Video-Portalen(s.大門.入口.這指...龍頭) wie YouTube machen sie ihre Produkte mit lustigen Filmen bekannt. Hinzu kommen Kommentare in Blogs und Links zu Internetseiten. Das soll bewirken, dass die Menschen über die Produkte reden. Die Botschaft soll sich dadurch wie ein Virus verbreiten.
 
Doch die so genannte virale(adj.病毒引起的) Werbung ist viel mehr als ein paar lustige Videos. Sie macht genauso viel Arbeit wie eine klassische Kampagne. Damit ein Video auf der Startseite von Youtube zu sehen ist, muss es mindestens 50.000 Mal angesehen werden. Ob und wie diese neuen Werbekampagnen die Zielgruppe erreichen, ist allerdings noch nicht klar. Denn wenn sich etwas viral verbreitet, kann man es nicht mehr kontrollieren.
 
Thema vom Freitag, 4. Juli 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3461018,00.html
Glossar
 
klassisch – hier: üblich, alt bekannt
 
Konsument, der – jemand, der etwas kauft und benutzt
 
Botschaft, die – die Nachricht
 
aggressiv – wütend
 
ignorieren – mit Absicht nicht beachten
 
Reklame, die – alte Bezeichnung für Werbung
 
Aufmerksamkeit erregen – dafür sorgen, dass etwas beachtet wird
 
bedeutungslos – nicht wichtig; ohne Wirkung
 
Werbefachleute, die – Menschen, die Werbung analysieren oder produzieren
 
Portal, das – hier: eine Internetseite, auf der jeder selber Inhalte veröffentlichen kann
 
Blog, das (auch: der Blog) – ein Internet-Tagebuch, das von anderen gelesen werden kann
 
bewirken – als Wirkung haben; zu etwas führen
 
Virus, das – ein kleiner Organismus, der Krankheiten, z.B. Grippe oder Schnupfen, verursacht
 
etwas verbreitet sich – etwas wird immer mehr Menschen bekannt
 
viral – etwas, das wie ein Virus funktioniert
 
Kampagne, die – verschiedene Aktionen, die alle zusammen eine bestimmte Wirkung haben sollen
 
Zielgruppe, die – eine bestimmte Gruppe von Menschen, die eine Botschaft erreichen soll

7.8.08

Wie man die Internet-Zensur in China austrickst


China hat ungefähr 200 Millionen Internet-Nutzer. Für deren Überwachung gibt die Regierung einiges an Geld aus. Viele Internetseiten sind in China blockiert. Doch die Zensur(e.檢查.評分) kann man austricksen(vt.耍花招騙過).

Man nennt Chinas Internet-Zensur auch die "Große Chinesische Firewall". Sie muss die Themen blockieren, die in China tabu(adj.違反的.禁忌的) sind: Tibet gehört dazu, das Tian'anmen-Massaker(s.屠殺) von 1989, zerstörte Schulen bei dem großen Erdbeben im Mai 2008. Auch die Seite von Amnesty International(國際特赦組織) ist nicht zu erreichen. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" sagt, dass China bei der Pressefreiheit auf dem 163. Platz von 168 Ländern ist. Die einfachste Zensur-Methode ist das Blockieren von Webseiten. Komplizierter ist es, bestimmte Wörter auf den Internetseiten zu suchen.
 
Es mangelt nicht an Versuchen, die Zensur zu umgehen: Dabei werden die Inhalte so verschlüsselt(vt.譯成密碼的), dass die Suchmaschine sie nicht erkennen kann. Eines dieser Projekte ist picidae.net, das aus Internetseiten Bilder macht. Das Bild kann nicht nach bestimmten Wörtern durchsucht werden. Erfunden haben es die Schweizer Künstler Christoph Wachter und Mathias Jud. "Es war gar nicht als politisches Projekt gemeint", sagt Jud. Dass ihr Projekt nicht nur als Kunst gesehen wird, sondern auch der Meinungsfreiheit hilft, ist den beiden aber sehr recht.
 
2007 reisten Wachter und Jud nach China oder, wie sie es beschreiben, "ans Ende des Internets". Mit Hilfe von Picidae konnten sie dort ohne Probleme alle Seiten erreichen. Allerdings wurde picidae.net in China im Juni 2008 blockiert. Wenn aber viele andere Internet-Nutzer ihren Computer als "pici-Server" einrichten, können zum Beispiel Menschen aus China über diesen Server ins Internet gehen. So kann man nicht sehen, wo Picidae benutzt wird. Jeder kann sich das Programm herunterladen. Und in China wird sogar schon mit Plakaten(e.廣告) auf die Seite aufmerksam gemacht.

Dienstag, 05. August 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3539916,00.html
Glossar
 
austricksen – täuschen
 
Überwachung, die – die Kontrolle
 
einiges an – viel
 
blockieren – hier: dafür sorgen, dass etwas nicht angesehen werden kann
 
Firewall, die – ein Computer-Programm, mit dem man bestimmte Internetseiten blockieren kann
 
tabu – hier: so, dass darüber nicht gesprochen werden darf
 
Massaker, das – das Töten von sehr vielen Menschen
 
Erdbeben, das – wenn der Boden so stark wackelt, dass zum Beispiel Häuser zerstört werden
 
Pressefreiheit, die – das Recht, in Zeitung, Radio, Internet oder Fernsehen über alles zu berichten, was passiert
 
es mangelt nicht an – es gibt viele
 
etwas umgehen – hier: unbemerkt etwas tun, das verboten ist
 
verschlüsseln – mit einem Code dafür sorgen, dass etwas nur von bestimmten Leuten gelesen werden kann
 
Suchmaschine, die – ein Programm, das im Internet nach bestimmten Wörtern sucht, z.B. Google
 
etwas ist jemandem recht – jemand ist mit etwas einverstanden
 
Server, der – ein zentraler Computer, über den andere Computer ins Internet gehen können
 
herunterladen – downloaden; Inhalte aus dem Internet auf dem Computer speichern