27.1.09

Das Unwort des Jahres

Sind die Banken Opfer der Finanzkrise? Liegen die Rentner den jungen Leuten auf der Tasche? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigte sich die Jury, die das "Unwort des Jahres 2008" wählte.

Das Unwort des Jahres 2008 lautet: "Notleidende(adj.災難的.) Banken". Diese Entscheidung wird damit begründet, dass das Wort nicht wirklich der Realität entspricht. Unter der Finanzkrise würden am meisten die Steuerzahler leiden und nicht die Banken. Diese hätten die Krise selbst verursacht, meint Jury-Mitglied Horst Dieter Schlosser.
 
Die Jury, die die Entscheidung über das "Unwort des Jahres" und weitere "Unwörter" trifft, besteht aus sechs Sprachexperten. Im Jahr 2008 musste die Jury aus 2117 Vorschlägen wählen. Neben den "notleidenden Banken" wurde auch eine andere Sprachschöpfung(e.創造.傑作.) besonders oft genannt: der "Nacktscanner".
 
Auf Platz zwei landete "Rentnerdemokratie". Hier kritisierte die Jury, dass der frühere Bundespräsident Roman Herzog mit dem Begriff das Schreckbild(s.恐怖景象) eines Staates gemalt hat, in dem die Alten die Jungen ausplündern(vt.進行掠奪). Ein "bedenkliches Verständnis der Grundrechte" meint der Wissenschaftler Rainer Wendt.
 
Das "Unwort des Jahres" wurde 1991 zum ersten Mal gewählt. Seitdem können jedes Jahr Bürgerinnen und Bürger Wörter oder Formulierungen nennen, die ihnen besonders negativ aufgefallen(vt.讓人產生壞印象) sind. Gesucht werden Worte oder Begriffe, die die Wirklichkeit verdrehen oder gar die Menschenwürde(e.人的尊嚴) verletzen.
 
Dienstag, 27. Januar  von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3976613,00.html
Glossar
 
Unwort, das – ein Wort, das eine Sache falsch darstellt oder eine bestimmte Personengruppe beleidigt
 
Finanzkrise, die – die sehr schwierige wirtschaftliche Situation auf dem Finanzmarkt
 
jemandem auf der Tasche liegen – so leben, dass es andere Menschen viel Geld kostet
 
Jury, die – eine Gruppe von Menschen, die in einem Wettbewerb die Teilnehmer beurteilt
 
Sprachwissenschaftler, der – ein Mensch, der sich sehr gut mit Sprachen auskennt
 
notleidend – so, dass man besonders stark leidet
 
etwas entspricht nicht der Realität – etwas stellt die Wirklichkeit nicht richtig dar
 
etwas verursachen – der Grund für etwas sein
 
Experte, der – jemand, der über ein bestimmtes Gebiet sehr viel weiß
 
Schöpfung, die – die Kreation; etwas, was von Menschen gemacht wurde
 
Nacktscanner, der – ein Gerät, mit dem man auf Flughäfen Reisende besser kontrollieren kann, weil man sie damit nackt sieht
 
landen – hier: kommen
 
Rentner, der – jemand, der nicht mehr arbeiten muss, weil er schon sehr alt ist
 
Schreckbild, das – hier: eine Darstellung, die Angst machen soll
 
jemanden ausplündern – jemandem alles wegnehmen
 
bedenklich – so, dass etwas Sorgen macht
 
Grundrecht, das – ein Recht, das für alle Menschen wichtig ist
 
negativ auffallen – einen schlechten Eindruck machen
 
Menschenwürde, die – die Tatsache, dass jede Person ein Recht darauf hat, menschlich behandelt zu werden

24.1.09

Popmusik mit politischer Botschaft


Der israelische Sänger Aviv Geffen ist in einer Politiker- und Künstlerfamilie aufgewachsen. In seinen Texten geht es oft um politische Themen, und er setzt sich für den Frieden im Nahen Osten ein.‎ ‎‎

In seiner Heimat Israel ist er schon lange ein Star, der große Konzerthallen füllt. Das bewegendste Konzert seines Lebens fand am 4. November 1995 Jahren bei einer politischen Veranstaltung in Tel Aviv statt: Der damalige Ministerpräsident Izchak Rabin hatte eine Rede für den Frieden gehalten. Nach seinem Konzert nimmt Rabin den Sänger in die Arme. Zehn Minuten später fallen Schüsse – Rabin wird ermordet. Für Geffen war das ein großer Schock.
 
Der Sänger ließ sich aber von dem schrecklichen Ereignis nicht entmutigen. Seitdem setzt er sich noch stärker für den Frieden ein und wird in seiner Heimat geliebt – und auch gehasst. Denn Geffen provoziert(vt.挑動.搧動) gerne. Meist ist er geschminkt, und in seinen Liedern wütet er gegen die Regierung und das Militär, gegen Drogen, Gewalt und die eigene Generation: "Alles ist so sinnentleert. Wir leben wie bei McDonald's: Alles ist schnell und billig."
 
In einem Song befürwortet(vt.支持.贊成) er auch die Verweigerung(e.拒絕) des Kriegsdienstes. In einem Land, wo Soldaten wie Helden behandelt werden, ist das für viele eine Provokation(e.挑釁.教唆). Geffen gibt sich selbstbewusst: "Dank meiner Lieder machen die Menschen sich Gedanken. Früher war es cool, ein Macho zu sein, mit Uniform und Gewehr. Inzwischen ist es okay, Gefühle zu zeigen oder homosexuell zu sein. Dazu habe ich viel beigetragen(幫助) mit meinen Liedern."
 
Geffen fordert, dass Israel die besetzten Gebiete und Jerusalem zurückgibt – für viele Israelis indiskutabel(adj.不值得討論的). Aber Geffen glaubt, dass der Friede möglich ist: "Wenn ich in Deutschland bin", sagt er lächelnd, "gibt es überhaupt keine Probleme, obwohl ich ein Jude bin. Das hätte sich vor 60 Jahren auch keiner vorstellen können. Darum glaube ich auch, dass sich Israelis und Palästinenser irgendwann verstehen werden. Wir müssen."
 
Freitag, 23. Januar von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3970544,00.html 

Glossar

 
sich für etwas einsetzen – sehr viel tun, damit ein bestimmtes Ziel erreicht wird
 
Nahe Osten, der – das Gebiet östlich von Europa (z. B. Israel, Palästina, Iran, Irak usw.)
 
bewegend – hier: sehr emotional; so, dass es die Gefühle stark berührt

damalig –früher (Adjektiv)

es fallen Schüsse – jemand schießt mit einer Pistole o. Ä.

sich nicht entmutigen lassen – nicht den Mut verlieren

(jemanden) provozieren – Dinge tun oder sagen, die andere Menschen sehr ärgern (dazu: die Provokation)

gegen etwas wüten – hier: sehr negativ über etwas reden

Militär, das – die Soldaten eines Landes; die Armee

Generation, die – hier: eine Gruppe von Menschen, die ungefähr gleich alt sind

sinnentleert – ohne Sinn oder Bedeutung

befürworten – etwas gut finden; etwas unterstützen

Verweigerung des Kriegsdienstes – die Ablehnung, Soldat zu werden (dazu: der Kriegsdienstverweigerer)

er gibt sich selbstbewusst – er zeigt sich selbstbewusst; er zeigt Selbstbewusstsein

Macho, der – ein Mann, der seine Männlichkeit sehr betont

zu etwas beitragen – etwas für etwas tun

indiskutabel – so, dass man etwas stark ablehnt

21.1.09

Schule für den Frieden


Talitha Kumi ist eine christliche Schule in der Nähe von Bethlehem. Deutsche und palästinensische(adj.巴基斯坦的) Lehrer arbeiten hier gemeinsam. Wichtig für die Schule ist die Toleranz(e.寬恕.容忍), auch in politisch schwierigen Zeiten.‎

Talitha Kumi liegt auf einem Hügel(r.丘嶺) in der Nähe des Dorfes Beit Jala, zwölf Kilometer südlich von Jerusalem. Wenn man beobachtet, wie fröhlich Mädchen und Jungen hier spielen, könnte man glauben, dass Frieden herrscht. Im Tal(s.峽谷) ist jedoch die hässliche graue Betonmauer zu sehen, die Israelis von Palästinensern und das Westjordanland vom Rest Israels trennt.
 
In Talitha Kumi gibt es neben den üblichen Schulfächern zusätzlich Deutsch- und Musikunterricht. Die Schüler sollen Selbstvertrauen und Toleranz lernen, Vorurteile(s.成見.偏見) sollen abgebaut werden. Der stellvertretende(adj.代理的) Direktor Jihad Abu Amsha sagt: "Es ist ein Traum für jede Familie, wenn ihre Kinder hier lernen können."
 
Die Schule ist ein sehr beliebter Arbeitgeber in der Gegend, über einhundert Angestellte arbeiten hier. Allerdings ist es sehr schwer, deutsche Lehrer zu finden, da diese nur ungern in dem Krisengebiet leben wollen. Die Kämpfe im Gazastreifen überschatten(vt.負面影響) die Arbeit in der Schule.
 
Die Krise in der Region beeinflusst auch das Leben in der Schule. In den letzten Jahren ist die Zahl der Schüler immer mehr zurückgegangen, weil viele christliche Familien das Gebiet verlassen haben. Einmal sind sogar israelische Soldaten in das Schulgelände(s.地帶.地區.) eingedrungen.
 
Trotz der vielen Schwierigkeiten gibt Schuldirektor Georg Dürr nicht auf. Er will weiterhin Verständnis für die andere Seite vermitteln(vt,報導.促成). Denn für ihn ist Talitha Kumi eine Brücke, die Menschen beider Seiten zusammenbringt. Die Schüler sollen erkennen, dass auf der anderen Seite der Mauer auch Menschen leben – auch wenn die Mauer hoch ist.

Dienstag, 20. Januar von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3956549,00.html 
 
Glossar
 
Toleranz, die – eine Art zu denken und zu handeln, bei der andere Menschen anders denken und handeln dürfen als man selbst
 
Hügel, der – ein kleiner Berg
 
herrschen – hier: die Situation bestimmen
 
Schulfach, das – eine Einheit, die in der Schule unterrichtet wird, z.B. Deutsch, Mathematik, Biologie
 
Selbstvertrauen, das – das Vertrauen in das eigene Können
 
Vorurteile abbauen – dafür kämpfen, dass es weniger Vorurteile gibt
 
stellvertretend – hier: an zweiter Stelle
 
ungern – nicht gern
 
Krisengebiet, das – z.B. ein Gebiet, in dem Krieg herrscht
 
etwas überschattet etwas – etwas hat negative Wirkung auf etwas anderes
 
Region, die – die Gegend; das Gebiet
 
eine Zahl geht zurück – eine Zahl wird kleiner
 
Gelände, das – hier: ein Stück Land, das jemandem gehört
 
in etwas eindringen – hier: etwas gewaltsam betreten
 
etwas vermitteln – dafür sorgen, dass jemand etwas lernt

16.1.09

Lesen mit den Fingern


Vor 200 Jahren, am 4. Januar 1809 wurde Louis Braille, der Erfinder der Blindenschrift, geboren. Durch die von ihm entwickelte Methode können Blinde ihren Alltag ohne ständige Hilfe von anderen bewältigen.‎

Ein Gegenstand für eine kleine Brailleschrift-Übung findet sich in fast jedem Haushalt: Auf jede Arzneimittelpackung(e.藥品包裝) sind kleine Noppen(e.小小的突起物) geprägt. Die meisten Sehenden haben Schwierigkeiten, die Anzahl und Anordnung dieser Noppen zu ertasten(vt.觸碰). Für Eskandar Abadi, Redakteur bei der Deutschen Welle, ist das kein Problem: "Da ist ein sehr durchdachtes System in dieser Codierung drin."
 
Bei der Brailleschrift stehen für jedes Zeichen sechs Punkte zur Verfügung. Das heißt, es gibt sechs Positionen, auf denen entweder eine Noppe sein kann oder eben keine. Insgesamt macht das 64 Kombinationsmöglichkeiten. Die Brailleschrift ist keine eigene Sprache; sie codiert die Zeichen, die in einer Sprache vorkommen. Und deshalb gibt es neben der ursprünglichen Schrift für lateinische Buchstaben auch Versionen(e.說法) für kyrillische(adj.西里爾字母) und chinesische Schriftzeichen – und auch eine Fassung für das arabische Alphabet, die der Iraner Eskandar Abadi als Kind gelernt hat.
 
Abadi ist von Geburt an blind, Renate Reymann jedoch, die Präsidentin des "Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes" (DBSV), musste die Punktschrift erst in der Mitte ihres Lebens erlernen. "Das war für mich noch einmal, als wenn ich mit sechs Jahren in die Schule gekommen wäre." Für sie ist die Brailleschrift nicht nur wichtig, um einen Zugang zu Bildung und Literatur zu haben. Es geht auch um die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben im Alltag zu führen.
 
Zum 200. Geburtstag von Louis Braille werden in diesem Jahr viele Veranstaltungen angeboten, die auf die Bedeutung der Blindenschrift hinweisen. "Die brauchen wir trotz aller Computertechnik, trotz der E-Bücher und was es alles auf dem Markt gibt", meint Reymann. Das sieht auch Eskandar Abadi so: "Da, wo ich sichergehen muss, da lese ich Braille."

Freitag, 16. Januar 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3950636,00.html
Glossar
 
ständig – dauernd; immer wieder
 
etwas bewältigen – etwas schaffen; eine Aufgabe ausführen
 
Arzneimittelpackung, die – die Verpackung von Medikamenten
 
Noppe, die – hier: eine kleine Erhöhung oder Erhebung auf einer Oberfläche
 
etwas (auf/in etwas) prägen – etwas (ein Bild, eine Schrift) in ein festes Material drücken oder pressen, so dass es sehr lange zu sehen ist (z. B. Münzen)
 
etwas ertasten – etwas erkennen, indem man es nur fühlt, aber nicht sieht
 
etwas durchdenken – etwas genau überlegen; über etwas in allen Einzelheiten nachdenken
 
Codierung, die – ein System, bei dem bestimmte Symbole oder Zeichen für andere Symbole oder Zeichen stehen
 
etwas steht zur Verfügung – etwas kann benutzt werden
 
Kombinationsmöglichkeit, die – die Möglichkeit, wie man bestimmte Dinge (z. B. Zahlen) anordnen kann
 
ursprünglich – so, wie etwas zuerst war
 
Version, die – eine von mehreren Möglichkeiten, wie etwas dargestellt wird
 
kyrillische Schriftzeichen – die Buchstaben, die z. B. in Russland verwendet werden
 
Zugang, der – hier: die Möglichkeit, etwas zu erhalten oder etwas zu verstehen
 
selbstbestimmt – so, dass man nicht von anderen abhängig ist
 
E-Buch, das – ein Buch, das auf dem Computer zu lesen oder zu hören ist
 
sichergehen – hier: etwas ganz genau wissen

Im Osten nichts Neues


Aufbau kann auch Abriss(r.拆除) bedeuten: Ostdeutschland steht zwanzig Jahre nach der Wende noch immer vor großen bevölkerungspolitischen Problemen. Einige Großstädte boomen – die ländlichen Regionen leiden. ‎

Blühende Landschaften in Ostdeutschland versprach der ehemalige Kanzler Helmut Kohl einst(adv.昔日) im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung. Und man kann sie auch finden: in und um Berlin, Dresden, Leipzig, Erfurt. Anderswo(adv.在別的什麼地方) blüht Unkraut(s.雜草.) vor zugemauerten(vt.砌牆.築牆) Eingängen und zerstörten Fenstern. 1,3 Millionen Wohnungen stehen in Ostdeutschland leer. 350.000 Wohnungen sollen bis 2010 abgerissen sein.
 
Die Bevölkerung Ostdeutschlands könnte sich laut Prognose bis 2050 halbieren(vt.平分). Dabei schrumpfen vor allem industrialisierte Mittelstädte wie etwa Eisenhüttenstadt. Seit 1990 ist dort die Einwohnerzahl von über 50.000 auf 33.000 gesunken. Auch den ländlichen Regionen bleibt wenig Hoffnung. Manche Dörfer und Kleinstädte werden langfristig kaum überleben.
 
Auf der Suche nach Arbeit verlassen besonders die Menschen mit hoher Bildung ihre Heimat. Und das sind vor allem junge Frauen, denn die machen in den neuen Bundesländern doppelt so häufig Abitur wie Männer. Sie finden anderswo gute Jobs und zu Hause immer weniger Partner, die das gleiche Bildungsniveau haben. Auch deshalb sinkt die Zahl der Geburten immer weiter – und dabei werden schon heute nirgendwo in Europa weniger Kinder geboren als in Ostdeutschland. Die Abwärtsspirale(e.螺旋式下降) dreht sich. Schulen und Läden schließen, Häuser stehen leer, Wohnungen verfallen.
 
Schwarzsehen will man im Osten aber nicht. Und tatsächlich könnte im Schrumpfen eine Chance liegen, meint Philipp Oswalt vom internationalen Projekt "Shrinking Cities". "Der Prozess der vergangenen Jahre bringt Ostdeutschland sogar einen Entwicklungsvorsprung(r.領先)", sagt der Architekt. Denn auch in Westdeutschland schrumpft die Bevölkerung. Ostdeutschland zeigt wie im Zeitraffer(r.慢轉拍攝後.放映), was auch in Teilen Westdeutschlands ablaufen wird, so Oswalt.
 
Dienstag, 13. Januar 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3942638,00.html 
Glossar
 
Abriss, der – hier: das Kaputtmachen z. B. von einem Gebäude; hierzu: etwas abreißen
 
Wende, die – hier: die friedliche Revolution in der ehemaligen DDR 1989/1990
 
etwas boomt – etwas (z. B. die Wirtschaft) wächst stark; etwas entwickelt sich sehr gut
 
anderswo – an einem anderen Ort
 
etwas zumauern – eine Öffnung in einer Mauer mit Steinen zumachen
 
laut – hier: nach Angaben von; wie jemand gesagt oder geschrieben hat
 
Prognose, die – eine Aussage darüber, wie sich etwas in der Zukunft entwickeln wird
 
etwas halbieren sich – etwas wird um die Hälfte kleiner oder weniger
 
etwas schrumpft – etwas wird kleiner oder weniger
 
Mittelstadt, die – eine Stadt mit einer Einwohnerzahl von 20.000 bis 100.000
 
langfristig – hier: auf einen längeren Zeitraum bezogen; auf lange Sicht
 
neuen Bundesländer, die – die fünf östlichen Länder der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der ehemaligen DDR
 
Abwärtsspirale, die – eine negative Entwicklung, die sich selbst immer wieder verstärkt
 
etwas verfällt – hier: etwas (ein Haus, Gebäude) geht langsam kaputt
 
schwarzsehen – die Entwicklungen in der Zukunft negativ beurteilen
 
Shrinking Cities – englisch für "schrumpfende Städte"
 
Vorsprung, der – der Abstand, den jemand/etwas vor jemand/etwas anderem hat
 
Zeitraffer, der – ein zeitlicher Ablauf von Ereignissen (im Film), der schneller ist als in der Wirklichkeit
 
etwas läuft ab – hier: etwas passiert (über einen längeren Zeitraum); etwas geschieht

9.1.09

Gedopte Gesellschaft


Wilde Kinder werden ruhig gestellt, ruhige Kinder aufgeputscht(vt.煽動.刺激.提高精神). Schüler Studenten nehmen Medikamente, um Prüfungen zu bestehen. Gezieltes(adj.特定的) Doping ist nicht nur ein Problem im Leistungssport.‎

Ephedrin, Ritalin, Amphetamin oder Modafinil: Medikamente, die die Leistungsfähigkeit erhöhen, Geist und Körper beruhigen oder anregen. Doping ist nicht nur ein Problem im Sport, sondern eines der ganzen Gesellschaft.
 
Immer häufiger geben Eltern ihren Kindern "Lern"-Pillen, damit sie in der Schule bessere Leistungen zeigen. Abends vor der Prüfung ein Schlafmittel, am Morgen dann ein Aufputschmittel – und schon klappt es mit der Klassenarbeit. Schüler lernen Medikamente als Doping kennen und schätzen.
 
Damit ein solches Denken nicht selbstverständlich wird, muss Doping in der Schule stärker zum Thema gemacht werden, fordert Manfred Palmen, parlamentarischer Staatssekretär für Sport in Nordrhein-Westfalen. Die Schüler sollen lernen, wo ihre Grenzen liegen und wie sie mit Erfolg und Misserfolg umgehen können. "Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass eine manipulierte(vt.操縱) Leistung nicht die eigene ist. […] Kinder und Jugendliche müssen erkennen, dass sie nur auf das stolz sein dürfen, was sie selbst hervorgebracht haben", so Palmen.
 
Der Staatssekretär glaubt, dass diese Anti-Doping-Erziehung wirksamer ist als jede Strafe: "Die Verfügbarkeit von leistungssteigernden Substanzen und Drogen lässt sich nicht vermeiden. Kinder und Jugendliche müssen daher als Persönlichkeiten darauf vorbereitet werden."
 
 Freitag, 9. Januar 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3932839,00.html
Glossar
 
dopen – die Leistung durch Medikamente erhöhen, obwohl es verboten ist
 
jemanden ruhig stellen – jemandem Medikamente geben, damit er sich beruhigt
 
jemanden aufputschen – jemanden dazu bringen, dass er sehr aktiv wird
 
eine Prüfung bestehen – eine Prüfung schaffen
 
gezielt – mit einem bestimmten Ziel
 
Leistungsfähigkeit, die – die Leistung, die jemand zeigen kann
 
etwas anregen – etwas dazu bringen, dass es aktiv wird (weniger stark als "aufputschen")
 
Klassenarbeit, die – eine schriftliche Prüfung, die eine Schulklasse macht
 
etwas schätzen – hier: etwas mögen; etwas gern haben
 
Staatssekretär, der – ein Politiker, der für einen bestimmten Bereich zuständig ist
 
mit etwas umgehen können – wissen, wie man sich verhalten muss
 
Erkenntnis, die – das Verstehen
 
etwas manipulieren – etwas so verändern, dass man selbst einen Vorteil davon hat
 
etwas hervorbringen – etwas entwickeln; etwas leisten
 
Anti- – gegen etwas/jemanden; das Gegenteil von etwas/jemandem
 
wirksam – wirkungsvoll; effektiv
 
Verfügbarkeit, die – die Tatsache, dass man etwas leicht bekommen kann
 
leistungssteigernd – so, dass die Leistung erhöht wird
 
Substanz, die – hier: ein chemischer Stoff
 
etwas vermeiden – dafür sorgen, dass etwas Schlechtes nicht passiert; etwas nicht tun
 

6.1.09

Das Geschäft mit dem Handy


Nur 180.000 Angolaner besitzen ein Festnetztelefon, aber fünf Millionen haben ein Handy. Wer außerdem eine frisch aufgeladene Prepaid-Karte hat, kann mit wenig Aufwand Geld verdienen.‎

Samstagnachmittag auf dem Markt der Kleinstadt Uku-Seles in Angola: Laute Musik kommt aus den Stereoanlagen(e.音響). An einem Marktstand steht André de Souza und verkauft Hefte, Zigaretten, Kassetten – und Telefonanrufe. Er vermietet sein Handy an Kunden, die kein Geld haben, ihre Geräte aufzuladen.
 
Die Telefondienste bietet der 30-Jährige montags bis samstags zwischen 8 Uhr und 17:30 Uhr an. "Ist ein Familienangehöriger eines Kunden gestorben, besorgen wir die Telefonnummer und benachrichtigen die entfernt lebenden Angehörigen", erklärt er. Die Abrechnung ist ganz einfach: Jede Gesprächsminute kostet 30 Kwanza, umgerechnet 30 Cent.
 
In Angola sind Handyvermieter wie André de Souza sehr gefragt(adj.很暢銷). Obwohl fünf Millionen Angolaner ein Mobiltelefon besitzen, können sich die meisten nur anrufen lassen. "Zu uns kommen Leute aus dem Hinterland ganz ohne Handy, aber auch Städter, die sich das Aufladen ihrer Prepaid-Karte nicht leisten können", sagt de Souza. Das kostet mindestens 900 Kwanza – für viele Angolaner ein Zehntel bis ein Zwanzigstel ihres Monatslohnes.
 
Die 30 Cent pro Minute, die de Souza für jeden Anruf nimmt, sind vergleichsweise günstig. An der großen Landstraße, 80 Kilometer westlich, nehmen Handyvermieter das Dreifache. Doch er weiß, dass die meisten Kunden sein Handy in Notfällen mieten und gibt sich deshalb hilfsbereit(adj.樂於助人的). "Wenn jemand nur 25 und keine 30 Kwanza hat, bedienen wir ihn trotzdem."

Dienstag, 6. Januar 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3899365,00.html 
 
Glossar
 
Handy, das – das Mobiltelefon; ein kleines Telefon, das man mitnehmen kann
 
Festnetztelefon, das – das Kabel-Telefon, das man zu Hause hat
 
etwas aufladen – hier: Geld bezahlen, um eine Karte wieder benutzen zu können
 
Prepaid-Karte, die – Von Englisch "prepaid" (im Voraus bezahlt): eine Karte, mit der man für eine bestimmte Geldsumme telefonieren kann
 
mit wenig Aufwand – ohne viel tun zu müssen
 
Stereoanlage, die – ein Gerät, mit dem man Musik hören kann (meist mit Radio und CD-Player)
 
Marktstand, der – ein Tisch, auf dem die Waren liegen, die verkauft werden
 
Angehörige, der/die – ein/e Verwandte/r
 
etwas besorgen – hier: etwas holen
 
umgerechnet – gerechnet in einer anderen Währung
 
gefragt sein – beliebt sein
 
Hinterland, das – ein Gebiet, in dem es keine größere Stadt gibt
 
sich etwas nicht leisten können – kein Geld für etwas haben
 
sich geben – sich auf eine bestimmte Art verhalten
 
hilfsbereit – so, dass man gerne anderen Menschen hilft
 

5.1.09

Guerilla mit Blumensamen


Sie kommen am liebsten in der Nacht. Ihre Feinde sind graue Beton(r.混泥土)plätze, ihre Waffen Tulpen(e.鬱金香), Lavendel(r.薰衣草) und Osterglocken(e.一種花名,台灣沒有). "Guerilla-Gärtner" erobern Europas Hauptstädte – und machen sie grün. ‎

Angefangen hat es im grauen Londoner Hinterhof von Richard Reynolds. Richard wollte Grün vor seinem Fenster. Also begann er, nachts zu pflanzen. Dabei blieb es nicht. Auf der Westminster Bridge Road und in Norfolk vor dem Parlament hat er Lavendel gepflanzt. Im Internet fand Richard Gleichgesinnte. Nacht für Nacht ziehen sie los. Guerilla-Gärtner machen die Städte grüner – von London bis Berlin, von Düsseldorf bis New York.



Viele Passanten(r.行人) wundern sich, wenn sie die Gärtner sehen, erzählt Richard. "Sie fragen uns, wer uns bezahlt oder ob wir Kriminelle sind. Das sind wir wohl auch." In der Tat gilt das, das er tut, als Vandalismus(r.故意破壞文化遺產的行為). Doch die Polizei hat sich inzwischen an die verrückten Gärtner gewöhnt. "Vor zwei Wochen haben sie uns sogar gewinkt(vt.暗示) und gehupt(vt.按喇叭), als sie vorbeigefahren sind."



Julia Jahnke aus Berlin hatte weniger Glück: Mit 20 Leuten bepflanzte sie einige verlassene Grundstücke im Viertel Friedrichshain. Mitten in Berlin entstand der Garten "Rosa Rose". Politiker aller Parteien kamen vorbei und lobten die Idee. Doch dann kaufte eine Immobiliengesellschaft die Grundstücke. Zwei Drittel des Gartens wurden zerstört. Die Berliner Guerilla-Gärtner kämpfen nun um die Erlaubnis der Stadt, auf leeren Grundstücken pflanzen zu dürfen.



In anderen Städten ist das schon der Fall. So legalisierte(vt.使合法化.使獲得法律認可) das New Yorker Gartenprogramm "Green Thumb" die Aktivitäten der Guerilla-Gärtner. Sie können die besetzten Grundstücke für einen Dollar im Jahr mieten; die Organisation stiftet(vt.捐贈.創建) sogar Samen und Erde. Mittlerweile gibt es in New York mehr als 600 grüne Oasen, gepflegt von rund 20.000 Menschen.

Freitag, 2. Januar 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3901991,00.html

GLOSSAR



Guerilla, die – eine kleine bewaffnete Gruppe, die aus einem Versteck heraus gegen einen Gegner kämpft



Samen, der – das Korn, aus dem eine Pflanze wächst



Tulpen, Lavendel, Osterglocken – Blumenarten



Gärtner, der – jemand, der einen Garten pflegt



erobern – sich ein fremdes Gebiet (meist mit Gewalt) nehmen



Hinterhof, der – ein Hof hinter dem Haus, meist ohne Pflanzen



Gleichgesinnte, der/die – jemand, der das Gleiche denkt wie man selbst



losziehen – losgehen



Passant/in, der/die – jemand, der zufällig auf der Straße vorbeikommt



Kriminelle, der/die – der/die Verbrecher/in



Vandalismus, der – das absichtliche Beschädigen von Dingen



Grundstück, das – ein Stück Land



Immobiliengesellschaft, die – eine Firma, die mit Grundstücken und Häusern handelt



etwas ist der Fall – etwas ist geschehen



legalisieren – etwas Verbotenes erlauben



green thumb – auf Deutsch: grüner Daumen (jemand, der Pflanzen gut pflegen kann, hat den grünen Daumen)



besetzen – hier: sich ein leeres Haus oder Grundstück nehmen, ohne dafür Miete zu zahlen



stiften – schenken



Oase, die – ein Ort in der Wüste, an dem es Wasser und Pflanzen gibt