31.10.08

Die Frau hinter der Kamera

Nur wenige Frauen in Afghanistan führen ein selbstbestimmtes Leben. Eine, die es geschafft hat, ist die Pressefotografin Farzana Wahidy. Auch im Westen werden ihre Fotos vom Leben in Afghanistan sehr geschätzt.

Stolz erzählt Farzana Wahidy von dem Foto, mit dem sie erstmals Aufmerksamkeit erregte. Es hängt heute in der Schule für Fotografie in Kabul. Darauf ist eine enge Gasse zu sehen und der Rücken eines alten Mannes, der die traditionelle Männerkleidung trägt: Eine weite Hose, ein langes Hemd und auf seinem Kopf einen Turban(r.男用頭巾). Der Mann schiebt eine Schubkarre(e.手推車). "Das Foto habe ich in der Altstadt von Kabul gemacht. Meinem Lehrer hat es damals sehr gut gefallen", sagt die 25-Jährige.



Wahidys Mutter starb sehr früh. Der Vater ist schon lange arbeitslos. Wahidy zog die drei jüngeren Geschwister alleine auf und verdiente das Geld für den Unterhalt. Sie wollte immer selbstständig sein, und ihr Wunsch war es, Journalistin zu werden. Von Kollegen hörte sie eines Tages, dass Kurse zur Ausbildung von Fotojournalisten angeboten werden. Sie bewarb sich um einen Ausbildungsplatz und wurde genommen.



Heute arbeitet Farzana Wahidy als Fotografin für eine Nachrichtenagentur. Allerdings ist es nicht selbstverständlich, dass Frauen diesen Beruf in Afghanistan ausüben. Sie muss deshalb oft gegen Vorurteile ankämpfen. Aber die selbstbewusste Fotografin hat keine Angst, denn es gibt auch positive Reaktionen: "Ich treffe Männer, die froh sind, wenn sie eine Frau sehen, die so arbeitet."



Oft reist sie für ihre Aufträge in die Provinzen(e.省.邦) des Landes. Auch dazu gehört viel Mut, denn es gibt kaum öffentliche Verkehrsmittel und die Gefahr von Anschlägen(r.謀害.碰撞.企圖瞄準) ist groß. Aber es lohnt sich: Für ihre Bilder bekam sie schon viel internationales Lob(s.讚揚). Ihre Foto-Dokumentation "Die Geschichte der afghanischen Frauen" gewann eine Auszeichnung(e.標價.表揚) der Zeitschrift National Geographic.


Dienstag, 14. Oktober 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3709030,00.html


Glossar



selbstbestimmt – so, dass man selbst entscheidet, was man macht



etwas schätzen – hier: etwas sehr gut finden



Aufmerksamkeit erregen – hier: viel Beachtung bekommen



Gasse, die – eine schmale Straße



Turban, der – eine Kopfbekleidung aus weißem Stoff (Der Mullah trägt einen Turban.)



Schubkarre, die – ein kleiner Wagen mit einem Rad zum Transportieren von zum Beispiel Erde oder Steinen



aufziehen – hier: Kinder großziehen



Unterhalt, der – die Kosten für das Leben



sich um etwas bewerben – sich für einen Job vorstellen, indem man seine Dokumente/Zeugnisse vorzeigt



Nachrichtenagentur, die – eine Firma, die Nachrichten sammelt und (z.B. an Zeitungen) weitergibt/verkauft



einen Beruf ausüben – arbeiten



selbstbewusst – so, dass man an sich selbst glaubt und mit sich zufrieden ist



Provinz, die – die Region, der Teil eines Landes



Anschlag, der – hier: ein Angriff, bei dem Menschen getötet werden sollen



Dokumentation, die – hier: ein genauer und langer Bericht/Film oder auch eine Foto-Sammlung zu einem bestimmten Thema



Auszeichnung, die – hier: ein Preis für eine besondere Leistung

Moderne Mafia


Die Mafia(e.黑手黨) verdient ihr Geld mit Drogen, Prostitution und Waffen. Und das organisierte Verbrechen arbeitet international: Die Kooperation(e.合作) der Mafiagruppen weltweit funktioniert besser als die der Polizei.

Die internationale Mafia schmuggelt(vt.走私.偷渡) Kaviar(r.魚子醬) und handelt mit seltenem Holz aus Indonesien oder gestohlenem Öl aus Nigeria. Die Mafia ist heute ein riesiges Netz aus Handel, Schmuggel und Korruption(e.貪污.腐化). In Sachen weltweite Zusammenarbeit ist sie den Behörden weit voraus: Afrikanische Schmuggler arbeiten mit südamerikanischen Drogenhändlern zusammen, Albaner tauschen im Nahen Osten Waffen gegen Drogen.



Ähnlich sieht es in Italien, dem Ursprungsland der Mafia, aus. Die süditalienische "Ndrangheta" arbeitet eng mit ihren "Freunden" aus Albanien, Osteuropa, der Türkei und Südamerika zusammen. Die gegnerische Mafia-Organisation "Camorra" hat gute Kontakte nach China und lässt die Prostitution in Italien inzwischen von Nigerianern organisieren.



Der Kriminologe Hans-Jürgen Kerner von der Universität Tübingen weiß, dass es zum System der Mafia gehört, ihren Opfern Angst zu machen. "Niemand traut sich zur Polizei", sagt er, obwohl vermutlich die meisten chinesischen Restaurants in Deutschland Schutzgeld an die Mafia zahlen. "Die Politik reagiert erst, wenn wieder Tote auf der Straße liegen", so Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft.



Der Kampf gegen die Mafia scheitert an der schlechten Kooperation der Polizeibehörden in Europa: Während Polizeibeamte vor einem Einsatz in einem anderen Land zuerst einen Antrag stellen müssen, organisiert sich die Mafia einfach per Telefon, erzählt Kerner. Die Europäische Polizeibehörde Europol sammelt europaweit bisher nur Informationen. Doch Europol darf keine Fahndungen(e.追緝.追捕) durchführen, kritisiert Wendt. Er fordert: "Europol muss zum Jäger der Mafia werden."

Freitag, 17. Oktober 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3714075,00.html

Glossar



Prostitution, die – der Sex gegen Geld



organisierte Verbrechen, das – eine Bezeichnung für die Mafia



Kooperation, die – die Zusammenarbeit



weltweit – auf der ganzen Welt



schmuggeln – heimlich Waren über die Grenze bringen



Kaviar, der – die Eier von Fischen



riesig – sehr groß



Netz, das – hier: ein System



Korruption, die – wenn zum Beispiel ein Polizist einen Verbrecher schützt und dafür von ihm Geld bekommt



in Sachen (mit Nominativ) – in Bezug auf



jemandem weit voraus sein – etwas viel besser können als jemand anderes



Ursprungsland, das – das Land, in dem es etwas zuerst gegeben hat



Kriminologe, der – ein Wissenschaftler, der sich mit Verbrechen beschäftigt



sich trauen, etwas zu tun – den Mut haben, etwas zu tun



Schutzgeld, das – Geld, das ein Geschäft zahlt, damit die Mafia es in Ruhe lässt



an etwas scheitern – wegen etwas nicht erfolgreich sein



Einsatz, der – hier: eine Aktion der Polizei



per Telefon – mit dem Telefon



eine Fahndung durchführen – nach einem Täter suchen und ihn festnehmen

Schmuck statt Sex


Die Stadt Amsterdam im Wandel: Das historische Rotlichtviertel soll eine neue Perspektive bekommen und ein anderes Publikum anlocken. Doch die Pläne stoßen auf Widerstand(r.反抗).

Das Rotlichtviertel in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam ist eines der bekanntesten in Europa. Besonders die halbnackten Damen, die sich in den Schaufenstern der Häuser präsentieren, ziehen viele Kunden an. Doch jetzt will die Stadt Amsterdam ihren Ruf verbessern. Statt Prostitution(e賣淫) sollen Kunsthandwerk und Mode die Besucher anlocken.



Unter dem Motto "Red Light Fashion" durften bereits einige Modemacher ins Rotlichtviertel ziehen. Für ein Jahr können sie die ehemaligen Bordelle kostenlos nutzen. Auch Schmuckdesignerin Gesine Hackenberg bietet ihre Stücke dort an, wo bis vor kurzer Zeit noch Frauen ihre Körper verkauft haben. Ein bisschen komisch ist das schon, meint sie, aber dafür laufen hier täglich Hunderte von Touristen vorbei.



Das berüchtigte Viertel im ältesten Teil Amsterdams soll aufgewertet werden, doch die Bewohner wollen nicht kampflos gehen. Deshalb haben sich die Prostituierten mit Sexclubbesitzern und Kneipenwirten zusammengeschlossen. Sie befürchten, wieder auf dem Straßenstrich zu landen oder in die Illegalität abzurutschen(vt.滑落.滑下).



Aus Protest ziehen die Frauen die Vorhänge zu, wenn sich jemand nähert, der nicht wie ein Freier aussieht. Die Modemacher und Schmuckdesigner wissen, dass sie als Eindringlinge angesehen werden. Gesine Hackenberg hat bruchfestes(adj.防撞的) Glas in ihrem Schaufenster anbringen lassen. Sicherheitshalber.



Dienstag, 21. Oktober 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3729573,00.html

Glossar



Rotlichtviertel, das – der Teil einer Stadt, in dem es viele → Bordelle gibt



jemanden anlocken – jemanden dazu bringen, zu einem bestimmten Ort zu kommen



Perspektive, die – hier: die Möglichkeiten und Chancen für jemanden/etwas in der Zukunft



sich präsentieren – sich bewusst in der Öffentlichkeit zeigen



jemand/etwas zieht jemanden an – hier: starkes Interesse bei jemanden wecken



Ruf, der – hier: die Meinung, die die Leute von jemanden/etwas haben; das allgemeine Ansehen



Prostitution, die – der Sex gegen Geld (bei Prostituierten)



Motto – hier: ein Spruch, der als Titel für ein Vorhaben dient



Bordell – ein Haus, in dem Prostituierte arbeiten



Schmuckdesigner/-in – jemand, der Schmuck nach seinen eigenen Vorstellungen herstellt



berüchtigt – sehr bekannt für etwas Negatives



etwas aufwerten – den Wert oder das Ansehen von etwas verbessern



sich zusammenschließen – eine Gemeinschaft bilden, um ein Ziel zu erreichen



Straßenstrich – eine Straße, auf der Prostituierte auf Kunden warten



in die Illegalität abrutschen – mit Tätigkeiten anfangen, die verboten sind



Freier, der – jemand, der für Sex zu einer Prostituierten geht



Eindringling, der – jemand, der ohne Erlaubnis irgendwo hineingeht



bruchfest – so, dass etwas nicht leicht kaputt gehen kann



sicherheitshalber – aus Gründen der Sicherheit

Mikrokredite: Hilfe zur Selbsthilfe


Mikrokredite sind unbürokratisch, schnell und sozial. In Entwicklungsländern gibt es sie seit vielen Jahren. Jetzt werden sie auch für Europa wichtig. Frankreich ist Vorreiter in Sachen Kleinkredite.

Immer mehr Franzosen leihen sich Geld. So stieg die Zahl der Pfandleihgeschäfte im Vergleich zum letzten Jahr um 30 Prozent. Experten sehen in dieser Entwicklung ein sicheres Zeichen für die wachsende Armut der französischen Bevölkerung.



Dagegen will die Stadt Paris etwas unternehmen. So genannte Mikrokredite sollen helfen. Wer dringend Geld braucht und von normalen Banken abgelehnt wird, kann sich bei der Stadt einen Kleinkredit zwischen 300 und 3000 Euro leihen. Der Kredit muss innerhalb von drei Jahren zurückgezahlt werden, die Zinsen betragen vier Prozent. Und wer pünktlich seine Schulden begleicht, bekommt sogar die Hälfte seiner Zinsen zurück.



Die Mikrokredite sind vor allem für Arbeitslose gedacht, die zum Beispiel einen Führerschein machen wollen, um ihre Jobaussichten zu verbessern. Aber auch wenn jemand die Beerdigung(e.葬禮) eines Verwandten nicht bezahlen kann und ihm die Bank dafür kein Geld leiht, kann er sich bei der Stadt melden. Das bestätigt Bernard Candiard, verantwortlicher Mitarbeiter im Pariser Bürgermeisteramt.



Marco Habschick, Experte für Mikrofinanzierung, betont immer wieder, wie motivierend Kleinkredite sind. Die Menschen, die diese Hilfe erhalten, schaffen es, ihre Situation zu verbessern. Sie müssen nicht beweisen, dass sie kreditwürdig sind; sie bekommen für kurze Zeit kleine Summen und zahlen diese meist schnell zurück. Alles bleibt überschaubar. Trotzdem scheuen(vt.害怕.畏懼) die meisten Städte und Gemeinden das System, das man betreuen und kontrollieren muss. "Viele machen lieber Geldgeschenke, die aber häufig keinen Fortschritt bewirken", kritisiert Habschick.



Freitag, 24. Oktober 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3736180,00.html

Glossar



Mikrokredit, der – eine kleinere Geldsumme, die man sich für niedrige → Zinsen leihen kann



unbürokratisch – so, dass man dafür nicht viele Formulare ausfüllen muss



Entwicklungsland, das – ein Land, das zum Beispiel wirtschaftlich wenig entwickelt ist



Vorreiter, der – jemand, der etwas als Erster macht



in Sachen – bezogen auf etwas; etwas betreffend



Pfandleihgeschäft, das – das Leihen von Geld gegen einen persönlichen Gegenstand (wenn man seine Schulden nicht zurückzahlt, behält der Pfandleiher den Gegenstand)



Experte/Expertin, der/die – jemand, der über ein Thema sehr viel weiß



Zinsen, die (Plural) – das Geld, das man bezahlen muss, wenn man sich zum Beispiel bei der Bank Geld leiht



etwas begleichen – hier: Geld zurückzahlen



Jobaussichten, die (Plural) – die Chance, eine Arbeit zu bekommen



Mikrofinanzierung, die – das System der Kleinkredite



motivierend – so, dass man etwas gerne tut



kreditwürdig – so, dass man geliehenes Geld wahrscheinlich zuverlässig zurückzahlen kann



überschaubar – klar; eingegrenzt; hier: so, dass etwas nicht viel Arbeit macht



etwas scheuen – etwas nicht tun, weil man sich Sorgen über die Konsequenzen macht



Geldgeschenk, das – Geld, das man geschenkt bekommt; Geld, für das man nichts tun muss



etwas bewirken – als Wirkung haben; zu etwas führen

Neue Heimat für Muslime


Deutschlands größte Moschee steht in Duisburg-Marxloh. Das islamische Gotteshaus im Ruhrgebiet soll den Dialog und das Miteinander der Kulturen fördern. Doch es gibt auch Kritik.

Marxloh, ein Stadtteil Duisburgs, gilt als sozialer Brennpunkt(r.問題.爆發點) mit hohem Ausländeranteil. In dreieinhalbjähriger Bauzeit ist hier die größte Moschee Deutschlands entstanden. Das 34 Meter hohe Minarett(s.伊斯蘭教寺院的圓形屋頂) wird nur noch von den Schornsteinen(r.煙囪) der stillgelegten(vt.中斷) Fabriken überragt(vt.高過.突出). Im Innern ist die Moschee mit riesigen Leuchtern und bunten Wandmosaiken geschmückt. Es gibt Platz für 1200 Gläubige.



Ein 82-jähriger Mann bewundert den Bau, der seiner Meinung nach schöner ist als "unsere" Kirchen. Früher, im Bergbau, hat er mit Türken zusammengearbeitet. Nun hat er keinen Kontakt mehr zu den ehemaligen Gastarbeitern.



Direkt vor dem Eingang der Moschee steht der Rentner Osman Calek. Jeden Tag hat er die Baustelle besucht – dreieinhalb Jahre lang. Für ihn ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Seit 40 Jahren lebt Osman Calek in Deutschland. Nun hofft er, eine neue Heimat in dem Gotteshaus zu finden. Und er wünscht sich, dass viele kommen, um in der Begegnungsstätte Geburtstage oder Hochzeiten zu feiern.



Auch Nichtmuslime sollen das Gebäude besuchen können. In dem Gebetshaus befindet sich deshalb auch eine Begegnungsstätte mit Bibliothek und Café. Dafür haben das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union fast die Hälfte der Kosten übernommen.



Dennoch befürchten manche Deutsche, dass die Moschee nicht der Integration dient. Denn der Gottesdienst wird nicht auf Deutsch, sondern auf Türkisch gehalten, von Imamen aus der Türkei. Mustafa Kücük, Sprecher der Duisburger Moschee-Gemeinde, wirbt um Verständnis. Schließlich gibt es in Deutschland erst seit wenigen Jahren die Möglichkeit, islamische Theologie zu studieren.



Dienstag, 28. Oktober 2008 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3748050,00.html

Glossar



Moschee, die – das Gotteshaus der Muslime



Ruhrgebiet, das – eine Region im Westen Deutschlands, in der es früher viel Industrie und (Kohle-)Bergbau gab



Dialog, der – hier: ein Gespräch zum Verständnis des jeweils anderen



sozialer Brennpunkt, der – ein Ort mit vielen sozialen Problemen und hoher Arbeitslosigkeit



Ausländeranteil, der – die Zahl der Ausländer in einem bestimmten Ort oder Gebiet



Minarett, das – der Turm einer Moschee



etwas stilllegen – etwas für immer zumachen; etwas für immer schließen



etwas überragen – größer sein als etwas



Bergbau, der – das Herausholen von Kohle, Metallen oder Salz aus dem Boden



Gastarbeiter, der – jemand, der in ein anderes Land geht, um dort zu arbeiten



ein Traum geht in Erfüllung – ein Traum wird zur Realität



Begegnungsstätte, die – ein Ort, an dem sich Menschen aus verschiedenen Kulturen treffen können



riesig – sehr groß



Mosaik, das – ein Bild, das aus vielen Stückchen (Stein, Glas) zusammengesetzt wird



Nordrhein-Westfalen – eines der 16 Länder, die zusammen die Bundesrepublik Deutschland bilden; im Westen Deutschlands



Integration, die – hier: die Bildung einer Gemeinschaft mit Menschen aus verschiedenen Kulturen



Imam, der – jemand, der in der Moschee den Gottesdienst hält



um etwas werben – hier: sich (mit Worten) um etwas bemühen

Deutsche Rentner in der Türkei


In Alanya an der türkischen Mittelmeerküste ist schon lange nicht mehr alles typisch mediterran(地中海). Denn diese Stadt wird immer beliebter bei deutschen Rentnern, die ihren Lebensabend im Süden verbringen wollen.

Die Bäckerei Dietz in Alanya verkauft Vollkornbrot, Mehrkornbrot und Laugenbrezeln. Die Käufer sind die zirka zehntausend Deutschen, die in der Kleinstadt an der türkischen Küste leben. Die meisten von ihnen sind Rentner. In Alanya bekommt man heutzutage beim Metzger statt dem hier üblichen Hammelfleisch deutsche Würste und Schweinefleisch. Außerdem gibt es mehrere deutsche Zeitungen, einen deutschen Pfarrer(r.牧師) und sogar einen deutschen Friedhof.
 
Attraktiv sind für die Rentner außer Sonne und Meer auch die Preise: Eine Villa mit Meerblick kostet hier deutlich weniger als zu Hause. Auch Karl Gradert, der gerade eine 300 Quadratmeter große Luxusvilla mit Swimmingpool gekauft hat, ist mit dem Preis zufrieden: "In Spanien oder Frankreich kriegen Sie so ein Haus nicht zu dem Preis. Da müssen Sie 50 bis 75 Prozent mehr bezahlen."
 
Auf die Käufer warten zirka 50 Immobilien-Makler, die Deutsch sprechen. Über Vermittlung und Verkauf hinaus bieten viele Makler in Alanya einen weiteren Service an: eine Rundum(e.周圍.四周)-Betreuung für die Käufer. Das Angebot wird gerne genutzt, sagt Makler Bariş Yücel: "Nach dem Kauf müssen zum Beispiel Strom und Wasser angemeldet werden. Das machen wir, denn bei den Behörden spricht niemand Deutsch, auch kein Englisch."
 
Nur ein paar Einschränkungen ihres Lebensstils müssen die deutschen Rentner in Alanya in Kauf nehmen(片語:接受), sagt die frühere Frankfurterin Brigitte Rudolf: "Das ist halt ein moslemisches Land, da muss man sich ein bisschen anpassen. Da können Sie nicht halb nackt über die Straße zum Supermarkt laufen. Das gehört sich nicht."
 
Freitag, 31. Oktober 2008 VON http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3755758,00.html
Glossar
 
mediterran – so, wie es am Mittelmeer ist (bezogen auf Wetter, Essen, Sprache)
 
Lebensabend, der – der Ruhestand im Alter
 
Vollkornbrot, Mehrkornbrot, Laugenbrezeln – in Deutschland beliebte Brotsorten
 
heutzutage – jetzt, mittlerweile
 
Hammel, der – ein männliches Schaf
 
attraktiv – hier: so, dass es für jemanden angenehm ist
 
Villa, die – ein großes, teures Haus
 
Luxus- – etwas, was sehr teuer ist
 
Immobilien-Makler/in, der/die – jemand, der für den Besitzer eines Hauses einen Käufer sucht
 
über etwas hinaus – außerdem, zusätzlich
 
rundum – vollständig; so, dass alles inbegriffen ist
 
Einschränkung, die – hier: Änderung, Begrenzung
 
Lebensstil, der – die Art, wie jemand sein Leben lebt
 
etwas in Kauf nehmen – akzeptieren
 
sich anpassen – sich so verhalten, wie es die anderen tun
 
es gehört sich nicht, etwas zu tun – es ist unhöflich, etwas zu tun

5.10.08

Raumfahrt für Millionen


Fahrten ins All haben eine große Faszination. Mittlerweile steht aber nicht mehr die Forschung im All im Vordergrund, sondern die wirtschaftliche Nutzung der Raumfahrt für das Leben auf der Erde.

Ob beim Wetterbericht oder bei der Navigation im Auto, ob beim Empfang von Fernseh- und Radioprogrammen oder von neuesten Daten zum Zustand des Waldes: Immer sind Satelliten(r.衛星) mit im Spiel. Raumfahrt spielt in unserem Alltag an vielen Stellen eine größer werdende Rolle. Matthias Spude von der Raumfahrtfirma EADS Astrium in Bremen sagt: "Raumfahrt ist eine Technologie, die ganz viele Geschäfte ermöglicht." So ist es zum Beispiel möglich, Veränderungen der Umwelt über Satelliten zu erkennen. Das ermöglicht Sicherheit, Kommunikation, Mobilität und Technologie. Spude meint, dass viele Bereiche von der Raumfahrttechnik profitieren und die Raumfahrt ein wirtschaftlich wichtiges Gebiet sei.
 
Doch so wichtig die Technologie mit Satelliten auch ist, einen Nachteil hat die Raumfahrt: Einen Satelliten vom Erdboden in das All zu bekommen, ist noch immer extrem teuer. Raketen sind komplizierte Geräte, deren Entwicklung finanziell stark gefördert wird, zum Beispiel bei der europäischen Ariane-Rakete. Spude hält das für gerechtfertigt(adj.正當有理公平的). Er sagt, dass die Raumfahrt wichtig für die Wirtschaft sei und deshalb vom Staat finanziell unterstützt werden müsse.
 
Astronauten(r.太空人) ins All zu schicken, mag der faszinierendste Aspekt der Raumfahrt sein. Doch Projekte wie die Internationale Raumstation sind kommerziell(adj.商業的) ein Flop: Forschung im All gibt es kaum. Auch der Plan Fabriken im All aufzubauen ist gescheitert(vt.觸礁.失敗), denn der Transport der Geräte ist einfach viel zu teuer. Einige private Firmen versuchen mit dem Weltraumtourismus Geschäfte zu machen. Doch bevor Urlaub im All eine große Anzahl an Kunden anziehen kann, müsste der Start in den Weltraum deutlich billiger werden: Bisher kostet die Fahrkarte ins All gut 10.000 Euro pro Kilogramm. Versuche, günstigere Raketen zu bauen und so die Kosten für Raumflüge stark zu senken, sind stets gescheitert.
 
• Dienstag, 9. Oktober 2007 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2814296,00.html 
GLOSSAR
 
Raumfahrt, die – ein Begriff für die Erforschung und das Fahren ins Weltall
 
All, das – die Abkürzung für: das Weltall
 
Wetterbericht, der – die Nachrichten über das Wetter
 
Satellit, der – ein technisches Gerät, das sich im All befindet und Informationen an die Erde überträgt
 
etwas ist im Spiel – etwas ist beteiligt
 
etwas spielt eine Rolle – etwas ist wichtig
 
Erkenntnis, die – das Wissen; die Erfahrung
 
Gewinnbringend -
 
finanziell – das Geld betreffend
 
etwas für gerechtfertigt halten – mit etwas einverstanden sein
 
Astronaut, der – jemand, der in einer Rakete ins All fliegt
 
Flop, der – ein Misserfolg(r.失敗)
 
scheitern – keinen Erfolg haben
 
anziehen – hier: Interesse wecken

Die Stadt der weißen Models


Wenn in Paris die Modeschauen stattfinden, haben die Models viel zu tun. Zumindest die weißen. Schwarze Models sind auf den Shows nicht zu sehen und haben es in Paris generell schwer, von der Arbeit als Model zu leben.

Tiguida ist bildschön. Ein Model eben. 1,79 Meter groß, 56 Kilo. Sie hat schöne braune Augen, schwarzes Haar und einen herzförmigen Mund. Tiguida ist schwarz, die Eltern kommen aus Mali und Niger. Doch auf den Pariser Modeschauen, wie der Prêt-à-porter, ist sie nicht dabei. Als Mannequin arbeitet sie kaum für Modeschauen. "In den Pariser Shows gibt es nicht zwei Schwarze, sondern nur eine, eine Schwarze oder ein Mischlingsmädchen(s.混血女生). Keine zwei, nur eine einzige", sagt die 19-Jährige. "Paris ist Weltmodehauptstadt: für die Weißen."
 
"Es ist einfach nicht genügend Arbeit für mehr", sagt die Deutsche Sabine Killinger von Elite Paris. "Ein schwarzes Model spricht in Asien nicht an, es gibt auch ethnische Geschichten, dass Araber und Schwarze sich sozusagen nicht besonders grün(片.不受歡迎) sind." Es gehe im Modebereich um Identifizierung(e.身分的證明). Und die Kundschaft könne eben eher von blond, groß und mager träumen "als wenn da jemand Schwarzes ist", sagt Killinger.
 
Tiguida macht Werbung für Cremes, Make-up und Frisuren – für Schwarze. "In London und in Italien haben schwarze Models Arbeit. Das ist nur in Frankreich so. Das ist Rassismus," sagt Tiguida. Die französische Agentur(e.代辦處) "Mode Black" erklärt dies so: In England ist die Situation dank der Communities und der ethnischen(adj.合乎道德的) Werbung besser, in Italien, weil die Modemacher dort mehr Schwarze buchen.
 
Für Tiguida heißt das Umziehen. "Ich habe beschlossen, ins Ausland zu gehen, weil es in Frankreich leider nicht genug Arbeit gibt für Schwarze." Es ist dabei nur ein kleiner Trost, dass es anderen in der Branche noch schlechter. "Ich habe eine arabische Freundin, sie hat nach drei Jahren beschlossen, wieder auf die Schule zu gehen, denn als Model findet sie keine Arbeit", sagt Tiguida. "Im Ausland würde es gehen, aber ihre Familie will sie nicht weg lassen. Deshalb hört sie auf – sie kann in Frankreich nicht arbeiten."

Dienstag, 2. Oktober 2007 (Real) von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2805760,00.html 
GLOSSAR
 
Modeschau, die – eine Veranstaltung, bei der Models die neuen Kleider von Designern tragen und präsentieren
 
es schwer haben – Probleme haben
 
Mannequin, das – eine Frau, die auf Modeschauen neue modische Kleidung trägt
 
Mischlingsmädchen, das – eine junge Frau, deren Eltern unterschiedliche Hautfarben haben
 
sich nicht grün sein – sich nicht mögen; zwei Menschen verstehen sich nicht
 
Identifizierung, die – hier: die eigene Wiedererkennung in jemanden
 
Kundschaft, die – eine Gruppe Menschen, die etwas kauft
 
Make-Up, das – englisch: die Schminke; z.B. Lippenstift
 
Agentur, die – hier: ein Büro, das Firmen hilft, ein passendes Model für ein Projekt zu finden
 
Community, die – englisch: die Gemeinschaft
 
jemanden buchen – jemandem für eine kurze Zeit Arbeit geben
 
Branche, die – der Arbeitsbereich