11.6.09

Nominativ, Zweiter Weltkrieg und BMW

Viele Menschen in Burkina Faso haben einen Traum: Einmal im Leben möchten sie ins Land von Goethe, Beckenbauer und Mercedes reisen. Deutsch zu lernen ist der erste Schritt. Eine Radiosendung hilft ihnen dabei.‎


"Der deutsche Puls" nennt sich eine Sendung, die in Burkina Faso bei Radio Pulsar zu hören ist. Hier wird ausschließlich deutsch gesprochen – ziemlich fremde Klänge für die meisten Hörer aus Burkina Faso. Seit fünf Jahren läuft die Sendung jeden Samstag ab 18 Uhr. Zu verdanken ist das dem Deutschlehrer, Journalisten und Moderator Alex Djondo.

 

Alex' Sendung wendet sich an die Deutschlernenden in Burkina Faso. Zurzeit sind das mehr als 20.000 – Tendenz steigend. Seit der Fußballweltmeisterschaft ist das Interesse an Deutschland extrem gestiegen. Franz Beckenbauer oder Jürgen Klinsmann kennt hier fast jeder. Und ein deutsches Auto – ein Mercedes, BMW oder Volkswagen – sei der Traum aller burkinischen Männer, meint Alex.

 

"Viele Leute denken bei Deutsch an Nominativ, Dativ, Akkusativ, Genitiv …", erzählt der Moderator. Er bedauert auch, dass man in Burkina Faso mit Deutschland vor allem den Zweiten Weltkrieg verbindet. In seiner Sendung will er daher das andere Gesicht des Landes zeigen: die Kultur, die starke Wirtschaft und die Hilfsbereitschaft der Deutschen in Burkina Faso. Dazu lädt er häufig deutsche Gäste ein, zum Beispiel Entwicklungshelfer.

 

Alex selbst bekam mit 17 Jahren ein Stipendium für Deutschland. Bis dahin hatte der gebürtige Togoer keineswegs nur Gutes über das kalte Land im fernen Europa gehört. Die Deutschen seien verschlossen und ausländerfeindlich, hieß es. Die Realität sah für ihn allerdings anders aus. In seiner Gastfamilie wurde er freundlich empfangen, erzählt er: "Sie haben immer gesagt: Alex, eines Tages wirst du Botschafter von Togo in Deutschland sein. Und dann musst du uns unbedingt besuchen kommen."

Dienstag, 19. Mai 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4262365,00.html

Glossar

 

erste Schritt, der – der Anfang

 

Puls, der – der Herzschlag

 

ausschließlich – nur; nichts außer

 

Klang, der – der Ton; das Geräusch

 

jemand hat jemandem etwas zu verdanken – jemand hat etwas wegen jemandem bekommen

 

Moderator/in, der/die – jemand, der/die eine Radio- oder Fernsehsendung leitet

 

Tendenz steigend – etwas wird immer mehr

 

jemand bedauert etwas – jemand findet etwas schade oder traurig

 

etwas mit etwas/jemandem verbinden – bei etwas an etwas/jemanden denken

 

Gesicht, das – hier: die Seite; der Aspekt

 

Entwicklungshelfer/in, der/die jemand, der/die in armen Ländern den Menschen hilft, ihre Lebensbedingungen zu verbessern (z. B. in Krankenhäusern, Schulen usw.)

 

Stipendium, das – Geld, das sehr gute Schüler oder Studenten z. B. vom Staat für ihre Ausbildung bekommen

 

gebürtig – geboren in

 

keineswegs – auf gar keinen Fall

 

verschlossen – nicht offen; hier: nicht herzlich

 

es heißt – man sagt

 

eines Tages – irgendwann in der Zukunft

 

Botschafter/in, der/die – jemand, der sein Land im Ausland repräsentiert; der/die Diplomat/in

Die Kinderautoren

Hexen(e.魔女), Fußball, erste Liebe: Kinder und Jugendliche veröffentlichen ihre Geschichten in eigenen Büchern. Inspiration(e.靈感) ist dabei wichtiger als Rechtschreibung und Grammatik.‎


Mittwochnachmittag in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Leipzig. Die Achtjährigen Linus und Niklas sitzen an einem großen Tisch in der Schreibwerkstatt und schreiben Geschichten: Linus über ein Labyrinth(s.迷宮) und Niklas über einen Fußballverein. Die Geschichten stehen beide noch am Anfang. Wenn sie fertig sind, werden sie in Büchern erscheinen. Linus hat bereits ein Buch geschrieben. Fast ein Jahr hat er dafür gebraucht. "Man muss sich ja einen Titel überlegen, die ganze Geschichte ausdenken und auch die Bilder selber machen", erklärt der Schüler.

 

Selber machen – das ist das große Motto im Leipziger Verein Buchkinder e. V. Hier werden aus Jungen und Mädchen echte Autoren. Die Nachwuchsschriftsteller sind zwischen vier und sechzehn Jahren alt. Die Kinder und Jugendlichen verfassen aber nicht nur die Geschichten – von der Idee, über Text und Bilder bis zum Druck: Die Kinder kümmern sich selbst um alles.

 

Der Gründer des Vereins, Ralph-Uwe Lange, war früher Lehrer. Er sagt: "Wir möchten, dass die Kinder bei uns ihre Gedanken frei entfalten können." Der Verein möchte keine vereinfachte Literatur für Kinder herausgeben, sondern Literatur, die von Kindern geschrieben ist und von ihrem Leben handelt. Natürlich enthalten die Texte oft falsche Rechtschreibung und Grammatikfehler, aber das wird in Kauf genommen. Inhaltlich ist sowieso alles erlaubt.

 

Bisher hat der Verein 130 Bücher veröffentlicht, und jede Woche besuchen über 100 Jungen und Mädchen die verschiedenen Kurse. Das Projekt soll in Zukunft sogar noch erweitert werden: Geplant ist ein Kindergarten, in dem sich auch schon Dreijährige mit Büchern beschäftigen können.


Freitag, 5. Juni 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4305221,00.html 

 

Glossar

 

Hexe, die – eine Märchenfigur; eine Frau, die zaubern und auf einem Besen fliegen kann

 

Inspiration, die – sehr gute neue Ideen

 

Rechtschreibung, die – die Regeln, um richtig zu schreiben

 

ehemalig – früher; ex-

 

Schreibwerkstatt, die – Arbeitsraum, in dem man das Schreiben von Texten übt

 

Labyrinth, das – hier: ein sehr kompliziert gebautes Gebäude, aus dem man nur schwer herausfinden kann

 

bereits – schon

 

sich etwas ausdenken – etwas erfinden; sich Gedanken zu etwas machen

 

Motto, das – ein kurzer Satz, der den wichtigsten Gedanken einer Gruppe darstellt

 

Nachwuchs, der – die Kinder

 

etwas verfassen – hier: einen Text schreiben

 

etwas entfalten – hier: etwas entwickeln

 

vereinfacht – einfacher gemacht

 

etwas handelt von etwas – etwas (z. B. eine Geschichte) erzählt von etwas

 

etwas in Kauf nehmen/etwas wird in Kauf genommen – die negative Seite einer sonst guten Sache wird akzeptiert

 

etwas erweitern – etwas vergrößern

11.5.09

Raus aus der Anstalt

Früher wurden sie außerhalb der Stadt in großen Anstalten(e.療養機構) untergebracht. Heute leben viele behinderte Menschen in den Stadtzentren. Eine Entwicklung, die in Deutschland zukunftsweisend ist.‎

Sein erstes Zimmer vergisst Otto Goebel nie. "Mit zehn anderen Jungs habe ich mir einen Schlafsaal geteilt", erzählt der 74-jährige geistig behinderte Mann. Er erinnert sich nicht gerne an die Zeit im Heim für Behinderte. Seit sieben Jahren lebt er in einer kleinen Wohngruppe mitten in Mönchengladbach. Hier fühlt er sich richtig wohl.



Die Stiftung Hephata setzt sich seit Jahren für dieses neue Wohnmodell für Behinderte ein. "Möglichst kleine Wohngruppen sind unser Modell der Zukunft", sagt Dieter Kalesse von der Stiftung. Die Behinderten sollen nicht mehr am Rand der Stadt in großen Anstalten leben, sondern in kleinen Wohngemeinschaften.



Auf einem Gelände der Stiftung leben die behinderten Menschen in Apartments, bedienen in den Restaurants, spielen Theater oder haben ein eigenes Atelier(s.工作室). Sie sind Teil des gesellschaftlichen Lebens. Der Sprecher der Stiftung, Wolfgang Scharenberg, erzählt, dass dadurch viele deutlich selbstbewusster und selbstständiger geworden sind. Sie können mit Geld umgehen, auf andere Menschen zugehen und viel besser ihre eigenen Wünsche ausdrücken.



Für Georg Hermann vom Behindertenreferat der Stadt Essen sind die neuen Wohnmodelle ein großer Fortschritt. Aber er kritisiert auch, dass sich die schulische und berufliche Integration(e.結合) von Behinderten in Deutschland nur langsam bessert. Er hofft auf die UN-Behindertenrechtskonvention(e.公約.合約.), die Deutschland im Dezember 2008 unterschrieben hat. Denn dort, so Hermann, wird noch einmal betont, dass behinderte Menschen Bürger sind und damit auch die gleichen Rechte haben.



Freitag, 8. Mai 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4236594,00.html

Glossar



Anstalt, die – hier: ein Gebäude, in dem kranke Menschen wohnen und von Ärzten behandelt werden



jemanden an einem Ort unterbringen – jemanden an einem Ort wohnen lassen



behindert – hier: so, dass man ernsthafte körperliche oder geistige Probleme hat und im Alltag mehr Schwierigkeiten als andere Menschen hat



zukunftsweisend – so, dass gezeigt wird, wie etwas in der Zukunft aussehen wird



Schlafsaal, der – ein großer Raum mit vielen Betten



geistig behindert – so, dass man mehr Schwierigkeiten als andere hat, etwas zu verstehen



sich wohl fühlen – glücklich sein



Stiftung, die – eine Organisation, die Geld für ein bestimmtes Projekt sammelt



sich für etwas einsetzen – sehr viel tun, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen



Gelände, das – hier: ein Stück Land, das jemandem gehört



Atelier, das – ein Raum, in dem ein Künstler arbeitet



selbstbewusst – so, dass man Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten hat



mit Geld umgehen können – so, dass man weiß, wie man sein Geld gut verwendet



auf jemanden zugehen – hier: jemanden, den man nicht kennt, ansprechen



Referat, das – hier: ein Teil einer Behörde, die bestimmte Aufgaben hat



kritisieren – hier: sagen, was an etwas schlecht ist



Integration, die – hier: der Zustand, in dem behinderte Menschen mit anderen Menschen zusammen lernen und arbeiten



Konvention, die – ein Vertrag zwischen mehreren Staaten

10.5.09

Ein Modelabel für Muslime

Modernes Design mit frommen(adj.虔誠的) Botschaften – das ist die Idee des Modelabels Styleislam. Seine Produkte haben bei jungen Muslimen in Deutschland Kultstatus. Es gibt aber auch Kritik.

Der muslimische Designer Melih Kesmen sorgt mit seinen Produkten für Diskussionen. Kesmen ist Designer und Chef des Labels Styleislam. "Hijab, My Right, My Choice, My Life", steht in weißen Buchstaben auf einem Stück Stoff. Es ist der Slogan(r.標語) für ein muslimisches Kopftuch, ein Hijab. Kesmens Aussage ist klar: "Wenn eine Frau freiwillig ein Kopftuch tragen will", so der Designer, "dann soll man sie doch lassen." Kesmen selbst stellt bevorzugt Frauen mit Kopftuch als Mitarbeiterinnen ein.

Die Idee zu seinem Projekt hatte der Designer während des Streits um die dänischen Mohammed-Karikaturen(莫罕默德漫畫). Er ärgerte sich über die Karikaturen, war aber auch genervt von den wütenden und zum Teil sogar gewalttätigen Reaktionen einiger Muslime. Kesmen fand, dass es einen anderen Weg geben müsse – einen friedlichen, kreativen – um auf die Zeichnungen zu reagieren. So druckte er sich den Slogan "I Love My Prophet" auf ein T-Shirt.

Die Sprüche auf den Produkten von Styleislam sind oft witzig, aber sie provozieren auch. Wegen des Motivs "Jesus Was A Muslim" bekam Kesmen sogar Drohanrufe(r.威脅). Dabei sei doch Jesus einer der größten Propheten(r.先知) im Islam gewesen, verteidigt sich der Designer. Styleislam will jungen Muslimen coole Produkte bieten, mit denen sie sich gleichzeitig zu ihrem Glauben bekennen können. Das ist den Mitarbeitern des Labels sogar während ihrer Arbeitszeit wichtig. Alle im Büro machen gemeinsame Gebetspausen.

Eigentlich will er sich mit seiner Mode nicht abgrenzen, sagt Melih Kesmen. Doch die Produkte von Styleislam machen den Dialog mit Nichtmuslimen nicht gerade einfach. Kesmen hofft, dass sie trotzdem die Neugierde der Leute wecken und man so ins Gespräch kommt. Außerdem, sagt er, würden alle Motive auf der Website des Labels ausführlich erklärt.

Freitag, 1. Mai 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4215230,00.html

Glossar

Modelabel, das – eine Firma, die sich neue Mode ausdenkt und herstellt

Design, das – (aus dem Engl.) das Aussehen von etwas, das sich jemand ausgedacht hat

fromm – religiös; gläubig

Kultstatus, der – die große Bekanntheit und Beliebtheit von jemandem/etwas

Slogan, der – ein Satz, den man sich leicht merken kann (oft benutzt in der Werbung)

freiwillig – aus freiem bzw. eigenem Willen

bevorzugt – besonders gern; lieber

Mohammed-Karikaturen, die – Zeichnungen, die 2005 in einer dänischen Zeitung erschienen und die lustig gemeinte Darstellungen des → Propheten Mohammed zeigten

genervt – so, dass man sich von etwas sehr gestört fühlt und böse wird

gewalttätig – so, dass man Gewalt verwendet

kreativ – so, dass man sich etwas Neues ausdenkt oder etwas Neues herstellt

provozieren – aufregen; dafür sorgen, dass sich jemand ärgert

Drohanruf, der – ein Anruf, mit dem jemand einer anderen Person Angst machen will

Prophet, der – hier: jemand, der religiöse Lehren erklärt und eine Religion bekannter macht

sich zu etwas bekennen – hier: öffentlich sagen, dass man von etwas überzeugt ist und danach handeln will

sich abgrenzen – betonen, dass man selbst anders ist als die anderen Menschen

Dialog, der – hier: ein Sammelbegriff für die Gespräche zwischen verschiedenen Gruppen

ausführlich – so, dass viele (auch weniger wichtige) Informationen gegeben sind

Essen ohne Geld

Organisationen, die kostenlos Essen an Arme verteilen, gibt es normalerweise in Ländern, in denen große Armut herrscht. Doch auch in Deutschland können eine Million Menschen ihr Essen nicht selbst bezahlen.‎

Vielen Menschen in Deutschland fehlt für Kleidung oder eine gesunde Ernährung das Geld. Sie sind auf finanzielle Hilfe durch den Staat angewiesen. In über 800 Einrichtungen, die sich "Tafel" nennen, bekommen Bedürftige(e.救濟) ein kostenloses Essen. In großen Supermärkten holen die Tafeln die Lebensmittel ab, die dort nicht mehr verkauft werden können.

Bei der Tafel in Wuppertal gibt es dreimal am Tag eine kostenlose Mahlzeit. Über 1000 Menschen essen dort täglich – und das gerne, wie ein Gast bestätigt: "Es schmeckt hier genauso gut wie im Krankenhaus oder Altersheim", sagt er. Aber viele müssen sich erst überwinden(vt.克服), zur Tafel zu gehen. Eine ältere Dame erklärt: "Der ganze Stolz bringt doch nichts. Wenn Sie nichts haben, dann gehen Sie doch lieber dahin, wo sie etwas bekommen."

Bei der Wuppertaler Tafel gibt es außerdem die Möglichkeit, sich kostenlos die Haare schneiden zu lassen. Und im Kaufhaus der Tafel kann man sich mit Möbeln und Kleidung eindecken. "Unser Kaufhaus bietet alles an, was gespendet wird", erzählt Kaufhauschef Uwe Wunderlich. Eine Hose kostet im Schnitt(平均) einen Euro, und einen Kühlschrank gibt es schon für circa(adj.大約) 30 Euro.

Finanziert wird die Tafel mit den Einnahmen des Kaufhauses und durch Spenden. Doch ohne die Mitarbeit der rund 250 ehrenamtlichen Helfer könnte das Projekt nicht existieren. Der Vorsitzende der Tafel, Wolfgang Nielsen, ist über 90 Stunden pro Woche im Einsatz(在工作崗位上). Aber auch die positive Berichterstattung(e.新聞報導) der Medien ist wichtig: "Die Medien machen den Menschen Mut, zur Tafel zu gehen", lobt Nielsen die Presse.

Dienstag, 5. Mai 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4228347,00.html

Glossar

kostenlos – so, dass man nichts für etwas bezahlen muss

jemand ist auf etwas angewiesen – jemand braucht etwas dringend

Einrichtung, die – hier: die Organisation

Tafel, die – hier: ein Tisch, an dem viele Menschen gemeinsam essen können (veraltet)

Bedürftige/r, die/der – jemand, der so wenig Geld hat, dass er davon nicht leben kann

jemand überwindet sich, etwas zu tun – jemand tut etwas, was ihm eigentlich unangenehm ist

Stolz, der – hier: die Tatsache, dass man keine Schwäche zugeben möchte

etwas bringt nichts – etwas hat keinen Erfolg; etwas hat keinen Sinn

jemand deckt sich mit etwas ein – jemand kauft viel von etwas, um es auch später noch zu benutzen

jemand spendet etwas – jemand schenkt Geld oder Gegenstände, um Menschen oder Organisationen zu helfen

im Schnitt – durchschnittlich

circa – ungefähr

rund – hier: ungefähr

ehrenamtlich – so, dass man arbeitet, ohne dafür bezahlt zu werden

Vorsitzender, der – hier: derjenige, der eine Organisation leitet

jemand ist im Einsatz – hier: jemand arbeitet

Berichterstattung, die – das, was die Presse über etwas oder jemanden schreibt

Medien, die (Plural) – Fernsehen, Zeitungen, Radio und Internet

1.5.09

Beiruts rosa Taxis

Der Autoverkehr in Beirut ist chaotisch: Nur die dreisten und aggressiven(adj.侵略性.攻擊性的) Fahrer setzen sich durch. Jeanette und die anderen 11 Fahrerinnen von "Banet Taxi" wollen da nicht mitmachen.


Nawal Fakhri, die Chefin des Unternehmens "Banet Taxi", kommt mit ihrer Geschäftsidee bei Frauen gut an: Die sechs rosa Taxis, die nur von Frauen gefahren werden, sind rund um die Uhr im Einsatz(全天候使用). Die Taxifahrerinnen tragen alle eine rosa Krawatte und eine rosa Blume im Haar. Und sie bringen die weiblichen Fahrgäste oder Kinder ruhig und professionell ans Ziel.

 

Im Libanon gibt es keine zuverlässigen(adj.可靠.值得幸賴的) öffentlichen Verkehrsmittel wie Busse und Bahnen. Deswegen, so glaubt Nawal Fakhri, ist der sichere Transport von Kindern und Frauen sehr wichtig. Das zeigt auch der Erfolg ihres Unternehmens. Kritiker meinen zwar, dass mit den rosa Taxis die Ausgrenzung(e.越界) von Frauen gefördert würde, Fakhri lehnt diese Kritik aber ab. Sie erklärt, dass es bei ihr nur darum geht, einen persönlichen und weiblichen Service anzubieten.

 

Eine der Taxifahrerinnen bei "Banet Taxi" ist Jeanette. Sie arbeitete früher als Sekretärin, langweilte sich aber hinter dem Schreibtisch. Sie hätte nie gedacht, dass sie irgendwann als Taxifahrerin arbeiten würde. Doch als sie die Anzeige in der Zeitung las, wusste sie, dass dieser Job genau das Richtige für sie war. Trotz des chaotischen Verkehrs und der vielen Staus in Beirut bleibt Jeanette immer gelassen(adj.不匆忙) und fröhlich. Am liebsten fährt sie Kinder. Ob der Erfolg der rosa Taxis anhält, bleibt abzuwarten, aber sie bringen auf jeden Fall etwas mehr Freundlichkeit in das Beiruter Verkehrschaos(s.混亂).

 

 

Glossar

 

chaotisch – so, dass etwas sehr durcheinander ist

 

dreist – ohne Rücksicht; frech

 

aggressiv – ohne Rücksicht; angreifend

 

sich durchsetzen – trotz Widerstands das machen, was man will

 

etwas mitmachen – hier: etwas machen, was andere Leute auch machen

 

Unternehmen, das – hier: die Firma

 

bei jemandem gut ankommen – beliebt bei jemandem werden

 

rund um die Uhr – den ganzen Tag

 

im Einsatz sein – hier: etwas wird benutzt

 

zuverlässig – hier: so, dass man sich auf etwas verlassen kann; etwas funktioniert

 

öffentliches Verkehrsmittel, das – ein Verkehrsmittel, das jeder benutzen kann, z. B. Bus oder Bahn

 

Ausgrenzung, die – die Tatsache, dass jemand von etwas ausgeschlossen wird

 

etwas fördern – etwas unterstützen

 

Anzeige, die – hier: ein kurzer Text mit Werbung in einer Zeitung oder Zeitschrift

 

gelassen – sehr ruhig

 

etwas hält an – hier: etwas bleibt, wie es ist

 

etwas bleibt abzuwarten – man wird später sehen, wie etwas wird

 

Chaos, das – ein sehr großes Durcheinander

Eine Hundehütte für den Bundeskanzler

Der Kanzlerbungalow in Bonn war von 1964 bis 1999 Wohnsitz der deutschen Regierungschefs. Doch er traf nicht den Geschmack aller Bundeskanzler. Heute kann sich jeder selbst ein Bild von dem restaurierten(vt.整修) Bau machen.‎


Von Anfang an gab es Menschen, denen die moderne Architektur des Kanzlerbungalows missfiel. Den Ex-Minister Norbert Blüm erinnerte er an eine Hundehütte, aber Ludwig Erhard, Helmut Schmidt und Helmut Kohl fühlten sich hier wohl. Der erste Bewohner, Ludwig Erhard, zog 1964 ein. Seine Botschaft "Bescheidenheit(e.謙虛), Maß halten(不誇大), sparen" zeigte sich auch in der Architektur des Bungalows: Er war schlicht(adj.樸實的) und spartanisch eingerichtet.

 

Andere Regierungschefs waren dagegen weniger begeistert. Kurt-Georg Kiesinger, Erhards Nachfolger, fand den Bau zu klein und zu wenig repräsentativ(adj.代表性). Willy Brandt wollte dort gar nicht einziehen, erzählt Hans-Walter Hütter, Präsident der Stiftung "Haus der Geschichte". Er blieb in der Villa, in der er schon als Außenminister gewohnt hatte.  

 

Helmut Kohl dagegen bewohnte den nüchternen Bungalow viele Jahre lang und machte es sich mit altmodischen Sesseln und schweren Lampen gemütlich – ganz nach seinem Geschmack. Obwohl Kohl seinen Wohnsitz als "eher absurdes(adj.荒謬的) Bauwerk" bezeichnete, wollte er noch nicht einmal ausziehen, als er 1998 schon abgewählt war.

 

Gerhard Schröder musste sich die Frage "Einzug oder Auszug?" nicht mehr stellen, denn schon 1999 zog die Regierung in die neue Hauptstadt Berlin um. Der Kanzlerbungalow am Rhein bleibt ein Symbol der Bonner Republik. Nach zweijährigen Restaurierungsarbeiten kann nun jeder sehen, wie die Bundeskanzler lebten. Das Haus soll in Zukunft für Konzerte, Lesungen und Ausstellungen genutzt werden.

Dienstag, 21. April 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4194295,00.html


Glossar

 

Hundehütte, die – ein kleines Haus im Garten, in dem Hunde schlafen

 

Bungalow, der – ein Haus mit nur einer Etage

 

Wohnsitz, der – die Wohnung

 

etwas trifft den Geschmack von jemandem – etwas gefällt jemandem

 

sich ein Bild von etwas machen – sich eine Meinung zu etwas bilden

 

etwas restaurieren – ein Haus gründlich reparieren

 

etwas missfällt jemandem – etwas gefällt jemandem nicht

 

Bescheidenheit, die – die Tatsache, dass jemand mit sehr wenig zufrieden ist

 

Maß halten – nicht übertreiben

 

schlicht – einfach

 

spartanisch eingerichtet – mit wenigen Möbeln

 

begeistert – so, dass man etwas toll findet

 

Nachfolger, der – jemand, der ein Amt von jemand anderem übernimmt

 

repräsentativ – so, dass man etwas gut vorzeigen kann

 

Villa, die – ein sehr großes Haus

 

nüchtern hier: schlicht, einfach

 

altmodisch – nicht sehr modern

 

etwas ist nach dem Geschmack von jemandem – etwas gefällt jemandem

 

absurd – eigenartig; komisch

Anders bauen für ein besseres Leben

Das Bauhaus gilt heute als bedeutende kulturelle Leistung. 1996 hat es die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Doch bei seiner Gründung vor 90 Jahren wurde die Kunstschule von vielen Menschen abgelehnt.


Wenn Kinder in den 1920er Jahren nicht auf ihre Eltern hörten, wurde ihnen gesagt: "Wenn du nicht artig bist, kommst du ins Bauhaus." Vielen Bürgern war das Bauhaus unheimlich. Die klaren, einfachen Formen der Architektur und der Produkte entsprachen nicht dem Geschmack der Zeit. Und auch die sozialen Ideen von Walter Gropius stießen bei vielen Menschen auf Ablehnung.

 

1919, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, gründete Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus. Es war eine Schule, in der Kunst und Handwerk eine Einheit bilden sollten. Es war aber auch die Idee von einer Kunstbewegung, die die Wohnverhältnisse(pl.居住條件) der Menschen verbessern sollte. Deswegen wurden am Bauhaus Produkte entworfen, die funktional, preiswert und leicht zu reinigen waren. Als Lehrer arbeiteten dort so berühmte Künstler wie Wassily Kandinsky oder Paul Klee.

 

Weil in Weimar die finanzielle Unterstützung von der rechten Regierung gekürzt wurde, zog das Bauhaus 1925 nach Dessau um. Die Industriestadt brauchte neuen Wohnraum für die vielen Arbeiter. Doch schon 1932 wurde das Bauhaus in Dessau als "undeutsche Schule" von den Nationalsozialisten geschlossen. 1933 löste es sich endgültig auf. Erst ab Mitte der 70er Jahre wurden viele der Bauhaus-Gebäude in Weimar und Dessau restauriert.

 

Die Bauhauskünstler konnten ihre Vorstellungen von einer humaneren Gesellschaft nicht umsetzen. Einige Ideen in Architektur und Design haben jedoch überlebt. Philipp Oswalt, Leiter der Stiftung Bauhaus, entdeckt immer wieder Bauhaus-Ideen im heutigen Alltag. Im Möbelhaus Ikea und in Baumärkten, sagt er, "ist einiges zu finden, was auf Dinge zurückzuführen ist, die im Bauhaus entwickelt wurden."

Freitag, 24. April 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4201826,00.html
Glossar

 

Weltkulturerbe, das – Bauwerke oder Kunstwerke, die von der UNESCO als ganz besonders bedeutend angesehen werden

 

auf jemanden hören – jemandem gehorchen; tun, was jemand sagt

 

etwas/jemanden zu etwas erklären – offiziell bestimmen, dass etwas/jemand etwas ist

 

artig – brav, lieb

 

etwas stößt auf Ablehnung – etwas wird abgelehnt; etwas wird nicht akzeptiert

 

etwas bildet eine Einheit – zwei oder mehr Dinge gehören so eng zusammen, dass sie wie eins sind

 

Bewegung, die – hier: eine Gruppe von Menschen, die ein gemeinsames Ziel hat

 

Wohnverhältnisse, die (Pl.) – die Art und die Umstände, wie Menschen wohnen

 

etwas entwerfen – sich etwas Neues ausdenken und realisieren

 

funktional – so, dass bei einem Produkt der Zweck (und nicht z. B. die Schönheit) das Wichtigste ist

 

sich auflösen – hier: die Existenz einer Gruppe oder Organisation beenden

 

etwas restaurieren – so an etwas (zum Beispiel an einem Haus oder Kunstwerk) arbeiten, dass es wieder aussieht wie neu

 

human – menschlich; gut für die Menschen

 

etwas umsetzen – etwas realisieren; dafür sorgen, dass etwas Wirklichkeit wird

 

überleben – hier: bleiben; noch immer existieren

 

Baumarkt, der – ein Supermarkt, in dem man z. B. Werkzeug, Farbe oder Holz kaufen kann

 

etwas auf etwas zurückführen – in etwas den Grund für etwas sehen

17.4.09

Frauenhobby Fußball

2007 wurde Deutschland Weltmeister im Frauenfußball – und das schon zum zweiten Mal. Die Vereine profitieren von diesem Erfolg. Immer mehr Mädchen und Frauen gehen auf Torejagd.‎

"Komm Sandra, die Stürmer(前鋒) müssen sich zeigen!", ruft Cosimo Martina über den Trainingsplatz. Er ist Jugendtrainer bei Fortuna Köln, wo er eines der insgesamt vier Mädchenteams betreut. Die 14-jährige Theresa und ihre Freundin Luzie kicken bereits seit sechs Jahren für den Kölner Traditionsklub. Luzie ist durch ihren kleinen Bruder zum Fußball gekommen. Als er in einen Verein ging, erzählt sie, wollte sie das unbedingt auch machen.

 

Im Jahr 2008 meldete der Deutsche Fußball-Bund über eine Million weiblicher Mitglieder: eine Rekordzahl! Hans-Jürgen Tritschoks, früher selbst Trainer einer Frauenfußballmannschaft, wundert das nicht. "Vorbilder haben die Mädchen hierzulande wirklich genug", findet Tritschoks.

 

Damit meint er vor allem die Frauen der deutschen Nationalelf. Sie wurden bereits zwei Mal in Folge Weltmeister. Dennoch gilt ihr Fußball immer noch als weniger attraktiv als der ihrer männlichen Kollegen. Doch das ändert sich langsam. Denn laut Tritschoks ist das Spiel der Frauen schon deutlich schneller und athletischer(adj.強壯的) geworden. Außerdem lobt der frühere Trainer die gute Technik vieler Spitzenspielerinnen – sowie ihr weniger theatralisches(adj.戲劇化的.誇張的) Verhalten auf dem Spielfeld: "Anders als manche männlichen Kollegen stehen die Spielerinnen auch nach einem Foul(s.犯規) einfach auf und machen weiter", so Tritschoks.

 

Auch Trainer Cosimo Martina fühlt sich wohl im Frauenfußball. Über sein Team sagt er: "Die Mädchen sind sehr lernwillig und mir wirklich ans Herz gewachsen." Martina denkt, dass er auch in Zukunft weiter mit ihnen arbeiten wird.

 

Freitag, 17. April 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4186065,00.html 


Glossar

 

von etwas profitieren – durch etwas einen Vorteil haben

 

auf Torejagd gehen – versuchen, den Fußball möglichst oft ins Tor zu schießen

 

Stürmer/in, der/die – jemand, der beim Fußball Tore schießen soll

 

kicken – (aus dem Englischen) Fußball spielen

 

Traditionsklub, der – ein Verein, den es schon lange gibt und der bekannt ist

 

Vorbild, das – jemand, den man so sehr bewundert, dass man so sein möchte wie er

 

hierzulande – in diesem Land; das Land, in dem man sich gerade befindet

 

Nationalelf, die – die Fußballnationalmannschaft (bestehend aus 11 Spielern/Spielerinnen)

 

in Folge – direkt hintereinander

 

etwas gilt als etwas – viele Menschen haben eine bestimmte Meinung über etwas

 

attraktiv – hier: interessant; so, dass etwas gut gefällt

 

laut – hier: nach Angaben von; wie jemand gesagt hat

 

athletisch – sehr sportlich

 

Spitzen- – hier: die besten

 

theatralisch – hier: sehr übertrieben (z. B. wenn man beim Fußball so tut, als ob man schwer verletzt ist)

 

Foul, das – verbotenes Verhalten gegenüber einem/einer Spieler/in der anderen Mannschaft

 

sich wohl fühlen – sich gut fühlen

 

jemandem ans Herz wachsen – für jemanden sehr wichtig werden

16.4.09

Die Geheimnis der Ostereier

Jedes Jahr im Frühling feiern Christen auf der ganzen Welt das Osterfest. Wie bei allen Festen gibt es auch zu Ostern zahlreiche Bräuche und Geschichten. Eine Geschichte handelt von dem Osterhasen. ‎


Viele Kinder und Jugendliche in Deutschland wissen nicht mehr, dass zu Ostern die Auferstehung(e.復活) Jesu Christi gefeiert wird. Doch den Osterhasen kennen alle: In Ländern wie zum Beispiel Deutschland oder der Schweiz bringt der Osterhase bunt bemalte Eier und versteckt diese im Garten. Am Ostersonntag machen sich Kinder und Erwachsene auf die Suche nach den Eiern.

 

Die Geschichte vom Hasen und den Ostereiern hat allerdings wenig mit der Auferstehung Jesu Christi zu tun. Sie stammt von den evangelischen(adj.福音的) Christen. Sie wollten ihren Kindern erklären, warum es an Ostern so viele Eier gab – und machten einfach den fruchtbaren Hasen dafür verantwortlich.

 

Der Bonner Brauchtum(r.風俗.民俗)sforscher Alois Döring erzählt, dass es früher an Ostern besonders viele Eier in den Hühnerställen gab. Das lag daran, dass die Katholiken während der Fastenzeit keine Eier essen durften. Die Protestanten lehnten die Fastenzeit ab, aber nicht das Osterfest, mit dem das Fasten beendet wird. Das feierten auch sie mit vielen bunten Eiern. Denn diese standen – wie in vielen Kulturen – für neues Leben und bei den Christen für die Auferstehung Christi von den Toten.

 

Die ersten Geschichten vom Osterhasen gibt es in der evangelischen Literatur des 17. Jahrhunderts. In manchen Regionen brachten zwar auch der Fuchs oder der Rabe die Eier, doch am Ende setzte sich der Hase durch. Alois Döring vermutet, dass das Osterfest und seine Bräuche bleiben werden. Auch wenn Religion für viele Menschen eine immer kleinere Rolle im Alltag spielt.

 

Dienstag, 14. April 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4176869,00.html


Glossar

 

Brauch, der – eine traditionelle Handlung, die es schon sehr lange gibt

 

Auferstehung, die – hier: die Geschichte, dass Jesus nach seinem Tod wieder lebendig wurde

 

Jesu Christi – der lateinische Genitiv von Jesus Christus

 

bunt bemalt – so, dass man mit vielen Farben auf etwas gemalt hat

 

sich auf die Suche machen – mit der Suche beginnen

 

evangelisch – zu einer bestimmten christlichen Glaubensrichtung gehörend

 

fruchtbar – hier: so, dass man viele Kinder bekommt

 

Brauchtum, das – alle (traditionellen) Bräuche

 

etwas liegt an etwas – etwas ist der Grund für etwas

 

Katholik/in, der/die – ein Christ einer bestimmten Glaubensrichtung evangelischer Christ

 

Fastenzeit, die – die Zeit, in der Gläubige weniger essen oder bestimmte Sachen nicht essen

 

für etwas stehen – hier: ein Bild oder ein Symbol für etwas sein; etwas darstellen

 

Rabe, der – ein großer schwarzer Vogel

 

sich durchsetzen – hier: bleiben

 

etwas spielt eine Rolle – etwas ist wichtig

10.4.09

Balkonien oder doch Mallorca

Urlaub trotz Wirtschaftskrise – das ist für viele Menschen nicht selbstverständlich. Immer häufiger werden deshalb preiswerte Urlaubsreisen geplant. Die Hotels klagen über die sinkende Zahl der Reservierungen.‎

Urlaub ja oder nein? All-inclusive, Billigreise oder Ferien auf dem eigenen Balkon? Diese Fragen stellen sich immer mehr Deutsche aufgrund der Finanzkrise. Viele von ihnen glauben, dass sie nun den Gürtel enger schnallen(勒緊褲帶) müssen – auch beim Urlaub.
 
Die Reiseveranstalter und Hotels spüren das deutlich an den sinkenden Buchungszahlen. In die Hotels kommen vor allem weniger Geschäftsreisende. Die Kette Grand City betreibt mehr als 50 Hotels mit zwei bis vier Sternen in Deutschland. Wenn die Krise anhält, müssen sie vielleicht Mitarbeiter entlassen. Bei ihnen sei die Situation aber immer noch besser als im Fünf-Sterne-Bereich, sagt man bei Grand City.
  
Andere wiederum profitieren(vt.受益) von der Krise: Dass die Kunden wieder auf den Geldbeutel schauen, stört Oliver Winter von A&O Hostels weniger. Sein Unternehmen bietet günstige und einfache Übernachtungen auch im Mehrbettzimmer an. "Bei uns buchen plötzlich IBM, E.ON oder Kinowelt für bestimmte Mitarbeiter", so Winter. Viele der neuen Gäste haben früher Hotels mit mehr Sternen gebucht.
 
Der Trend zum preiswerten Urlaub ist auch bei den klassischen Urlaubsreisen sichtbar. Spitzenreiter sind All-inclusive-Angebote, bei denen die Urlauber ihre Ausgaben vorher planen können. Kein Wunder für Klaus Laepple vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft: "Wenn in den Medien tagtäglich über krisengeschüttelte Banken […] berichtet wird, wirkt sich das natürlich auch auf die Konsumbereitschaft der Bevölkerung aus."


Glossar
 
Balkonien – ironisch für: Urlaub auf dem eigenen Balkon
 
All-inclusive – (aus dem Engl.) hier: eine Reise, bei der Fahrt, Unterkunft und Essen im Preis enthalten sind
 
aufgrund – wegen
 
den Gürtel enger schnallen – sparen
 
Reiseveranstalter, der – eine Firma, bei der man Reise und Unterkunft buchen kann
 
sinkend – so, dass etwas immer weniger wird
 
Buchung, die – die Reservierung
 
Kette, die – hier: mehrere Hotels, die zur gleichen Firma gehören
 
Stern, der – hier: eine einheitliche Bewertung, wie komfortabel ein Hotel ist
 
etwas hält an – etwas dauert lange
 
von etwas profitieren – von etwas einen Vorteil haben
 
auf den Geldbeutel schauen – sparen; genau überlegen, was man kauft
 
Mehrbettzimmer, das – ein Hotelzimmer, in dem man mit fremden Menschen gemeinsam übernachtet
 
Trend, der – hier: die Entwicklung
 
Spitzenreiter, der – hier: das Produkt, das am häufigsten gekauft wird
 
tagtäglich – jeden Tag
 
-geschüttelt – von etwas Schlimmem betroffen
 
etwas wirkt sich auf etwas aus – etwas beeinflusst etwas
 
Konsum, der – der Verbrauch; das Kaufen eines Produkts

9.4.09

Testflug zum Mars

105 Tage lang wird der Deutsche Oliver Knickel in einem nachgebauten(vt.複製) Raumschiff leben. Er ist Teil eines Experiments, das zeigen soll, wie sich Astronauten auf einem langen Weltraumflug verhalten.‎

Nur sechs Männer aus insgesamt 5600 Bewerbern haben es geschafft: Sie sind als Teilnehmer für ein Experiment der europäischen Raumfahrtbehörde ESA ausgewählt worden. 105 Tage lang verbringen sie eingeschlossen in einem nachgebauten Raumschiff in der Nähe von Moskau. Dabei wird über Kameras beobachtet, wie die Männer auf die lange Isolation(e.隔絕) reagieren. Es ist ein erster Test für echte Flüge zum Mars.
 
Einer der Astronauten(e.太空員) auf Zeit ist der deutsche Berufssoldat Oliver Knickel. Er wird mit vier Russen und einem Franzosen drei Monate lang auf engstem Raum zusammenleben. Wie bei einem echten Weltraumflug sind E-Mails und Telefonate die einzige Möglichkeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren – aber nur ein Mal pro Woche und mit starken zeitlichen Verzögerungen(vt.延誤). Gegen das größte Heimweh hat Oliver Knickel Fotos seiner Freundin und der ganzen Familie dabei.
 
Eine Dusche gibt es an Bord nicht, weil sie in der Schwerelosigkeit nicht funktionieren würde. Nasse Tücher sorgen für die tägliche Hygiene. Das Essen wird aus Deutschland geliefert – dazu gehören bayrische Nudeln genauso wie Babynahrung. In dem insgesamt 180 Quadratmeter großen Raumschiff besitzt jeder einen persönlichen Bereich von etwa drei Quadratmetern, in dem er nicht von Kameras beobachtet wird.
 
Knickel erzählt, dass die bemannte Raumfahrt ihn schon immer interessiert hat. Die wichtigsten Kriterien(e.標準) für das Projekt erfüllt der 28-Jährige locker: Größe, Gewicht und Fitness stimmen. Für seine Teilnahme musste Knickel auch beweisen, dass er psychisch stabil ist. Auf die Frage, ob er irgendwann einmal Zweifel an seiner Teilnahme hatte, antwortet Knickel: "Nein, überhaupt nicht!" Er würde auch zu einem echten Flug ins Weltall "Ja!" sagen.
 
 
Glossar
 
Mars, der – hier: der Name eines Planeten (auch genannt: "der rote Planet")
 
etwas nachbauen – etwas bauen, das so aussehen soll wie das Original
 
Raumschiff, das – eine Art Flugzeug für den → Weltraum
 
Weltraum, der (auch: das Weltall) – der Raum, in dem sich z. B. die Planeten befinden
 
Experiment, das – der Versuch
 
Astronaut/in, der/die – jemand, der in den → Weltraum fliegt
 
Raumfahrt, die – das Fliegen in den → Weltraum
 
Isolation, die – das Alleinsein ohne Kontakt zu anderen
 
auf Zeit – für eine bestimmte Dauer
 
auf engstem Raum – sehr dicht zusammen
 
Außenwelt, die – die Menschen außerhalb eines bestimmten Raums
 
Verzögerung, die – die unerwartet längere Dauer von etwas
 
an Bord – hier: im Raumschiff
 
Schwerelosigkeit, die – ein Zustand, in dem Menschen und Dinge kein Gewicht haben
 
Hygiene, die – das Reinigen von etwas/jemandem; die Sauberkeit
 
Quadratmeter, der – ein Flächenmaß (m²)
 
bemannt – so, dass Menschen dabei sind
 
Kriterium, das (Pl. die Kriterien) – die Bedingung
 
locker – hier: ohne Probleme
 
psychisch stabil – so, dass man in der Regel ruhig und gut gelaunt istt

4.4.09

Der umstrittene Papst

Er ist beliebt und gleichzeitig umstritten: In Afrika wird das katholische Kirchenoberhaupt Papst Benedikt XVI. gefeiert. In Europa stören seine Äußerungen viele Menschen. Die Kirche wird immer häufiger kritisiert.‎

Zwei Drittel der deutschen Katholiken sehen Papst Benedikt XVI. immer kritischer, so das Ergebnis einer Meinungsumfrage. Sie sind der Ansicht, dass er mit der Rehabilitierung(e.平反.復興) des Holocaust-Leugners(r.否認者) Richard Williamson einen Fehler gemacht hat. Auch in Frankreich ist der Pontifex(r.教宗) nicht mehr so beliebt wie früher. Die Wiederaufnahme(e.重新接納.重新開始) von vier erzkonservativen(adv.非常保守地) Pius-Brüdern in die katholische Kirche schadete dem Kirchenoberhaupt. Und auch Benedikts Aufforderung, trotz der Ansteckungsgefahr mit Aids auf Kondome zu verzichten, ist umstritten. 

Doch in vielen afrikanischen Ländern ist die katholische Kirche sehr beliebt. Dort hat sie – im Gegensatz zu Europa – sehr oft direkten Kontakt zu den Menschen. Wo politische Unterdrückung(e.壓迫.鎮壓) und Hungersnöte(pl.飢荒) herrschen, wird die Kirche völlig anders gesehen als in demokratischen Staaten. Neben geistlichem Beistand(r.幫助) macht sie sich in diesen Ländern auch durch humanitäre(adj.人道的.仁慈的) und karitative(adj.慈善的.慈愛的) Hilfe bei der Bevölkerung beliebt. Wenn der Papst durch Afrika reist, begrüßen ihn die Gläubigen dort mit großer Freude. 

Grund für diese Unterschiede sind die ungleichen Lebensbedingungen auf beiden Kontinenten. In Afrika steht die Kirche vielen Menschen im täglichen Kampf um ihre Existenz bei. Vor allem in Westeuropa finden viele Menschen die katholische Kirche zu dogmatisch(adj.教條的.武斷的). Sie fühlen sich in ihrer persönlichen Freiheit angegriffen. Und auch die Diskussion über das Kondomverbot wird vor allem in Europa und nicht in Afrika geführt.



Freitag, 03. April 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4149205,00.html
Glossar 

umstritten – so, dass es verschiedene Meinungen zu etwas gibt

Kirchenoberhaupt, das – der oberste Priester einer Kirche; hier: der Papst

Meinungsumfrage, die – eine Untersuchung, bei der viele Menschen nach ihrer Meinung gefragt werden

Wiederaufnahme, die – das Zurückholen von jemandem in eine Gemeinschaft

Holocaust-Leugner, der – jemand, der behauptet, dass der Mord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten nicht stattgefunden hat

Pontifex, der – der Papst

Rehabilitierung, die – hier: die Wiederaufnahme

erzkonservativ – sehr konservativ; so, dass jemand sehr altmodische Ansichten hat

Bruder, der – hier: ein Priester

auf etwas verzichten – freiwillig etwas nicht benutzen, das eigentlich erreichbar ist

Ansteckung, die – die Übertragung einer Krankheit auf einen anderen Menschen

Unterdrückung, die – die ungerechte Behandlung von Schwächeren

Hungersnot, die – die Tatsache, dass in einem Land viele Menschen nichts zu essen haben

geistlicher Beistand, der – die Hilfe durch einen Priester

humanitäre Hilfe, die – Hilfe, die nötig ist, wenn die Menschenrechte nicht beachtet werden

karitative Hilfe, die – Hilfe für arme und kranke Menschen

Gläubige, der/die – jemand, der an einen Gott glaubt

dogmatisch – so, dass man nicht bereit ist, Argumente von anderen anzuhören

1.4.09

Mit Geschichte in die Zukunft

Wozu brauchen wir Geschichte? Diese Frage hat Regisseur Thierry Bruehl Jugendlichen in Deutschland gestellt. In seinem Kurzfilm zeigt er, wie relevant die Vergangenheit auch für junge Menschen sein kann.‎

Darren ist unzufrieden. Der Regisseur Thierry Bruehl hat ihn vor der Kamera zur deutschen Geschichte befragt, aber der 16-jährige Magdeburger wusste auf viele Fragen keine Antwort – auch nicht bei den Themen DDR und Mauerfall. Damals, sagt er wie zur Entschuldigung, war er ja noch nicht geboren.
 
Mit seiner Unkenntnis ist Darren nicht alleine. Von den etwa 240 Jugendlichen, die Thierry Bruehl für sein Filmprojekt gecastet hat, konnten gerade einmal 14 oder 15 etwas mit dem Datum 1989 anfangen. Der Regisseur begründet dies damit, dass deutsche Geschichte in vielen Familien kein Thema ist. Er macht aber auch den Geschichtsunterricht, besonders in Haupt- und Realschulen, verantwortlich.
 
"Und jetzt? – Wozu brauchen wir Geschichte?" hat Thierry Bruehl seinen Kurzfilm genannt. Dafür hat er 13 Jungen und Mädchen aus ganz Deutschland vor die Kamera geholt. Alle leben in sozialen Brennpunkten(r.社會問題特別多的地方), einige stammen aus Einwandererfamilien. "Die Truppe", sagt Thierry Bruehl, "ist ganz einfach ein Spiegelbild unserer Gesellschaft."
 
Im Film erzählen die Jugendlichen, was sie mit zentralen Daten der deutschen Geschichte verbinden: von der Gründung der Weimarer Republik bis zum Fall der Berliner Mauer. Sie spielen auch historische Ereignisse oder Situationen nach. So tragen sie zum Beispiel den gelben Stern, wie es jüdische Bürger im Dritten Reich(s.第三世界) tun mussten. Anschließend drückt jeder seine Gedanken und Gefühle auf seine eigene Art aus – etwa als Rap oder Breakdance. So entsteht eine Verbindung zum eigenen Leben. Der 18-jährige Eddy zum Beispiel erkennt, dass er es als Ausländer im Dritten Reich schwer gehabt hätte. Und er fügt hinzu: "Man muss aus den Fehlern lernen. Denn ohne Geschichte gibt es keine Zukunft."

Dienstag, 31. März 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4142303,00.html 
 
Glossar
 
Regisseur/in, der/die – jemand, der Schauspielern sagt, wie sie spielen sollen
 
relevant – bedeutend; wichtig
 
DDR, die – die Deutsche Demokratische Republik (1949–1990)
 
Mauerfall, der – die Öffnung der Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland (1989)
 
jemanden casten – (aus dem Englischen) testen, ob jemand z. B. für eine bestimmte Filmrolle geeignet ist
 
etwas mit etwas anfangen können – ungefähr wissen, worum es bei einem Thema geht
 
etwas begründen – etwas als Grund für etwas nennen
 
etwas ist kein Thema – hier: über etwas wird nicht gesprochen
 
soziale Brennpunkt, der – ein Ort mit vielen sozialen Problemen und hoher Arbeitslosigkeit
 
aus etwas stammen – aus einer bestimmten Umgebung (z. B. Ort oder Familie) kommen
 
Truppe, die – hier: eine Gruppe von Darstellern
 
Weimarer Republik, die – die erste deutsche Republik (1919–1933)
 
historisch – bezogen auf etwas oder jemanden aus der Vergangenheit
 
Dritte Reich, das – der Nationalsozialismus; die Diktatur Hitlers (1933–1945)
 
anschließend – danach
 
Rap, der – (aus dem Englischen) Sprechgesang; eine bestimmte Musikrichtung
 
Breakdance, der – (aus dem Englischen) eine moderne, sehr sportliche Art zu tanzen
 
jemand hat es schwer – jemand hat Probleme; jemand ist in einer schwierigen Situation

28.3.09

Diminutive New York Knicks guard Nate Robinson beat defending(防禦.保衛) champion Dwight Howard of Orlando in an exciting NBA slam dunk contest, winning 52 percent of fans' votes(投票).
Wearing(穿戴的) an all-green Knicks uniform with green shoes, Robinson used Howard as a prop in the final round, springboarding(跳板.出發點) over the 6-foot-11 (2.11-meter) center to dunk the ball in the net(網).
"Dwight was a great sport letting me dunk over him," said Robinson, who also won in 2006.
Howard, who scored(分數) a perfect 50 on both of his first-round dunks, performed(履行.表現.完成) the most theatrical dunk of the competition in the first round.
He disappeared(消失) into a phone booth just off the court(場地.法庭.院子), emerging(新興的) with a Superman cape.
Howard waved(飄動的.波浪形的[]) his arms to the crowd(人群.大眾.一幫) as an 11-foot (3.4-meter) basket was wheeled onto the floor. Howard took a bounce(彈跳.彈力.跳[]) pass from teammate Jameer Nelson and made an amazing dunk as the U.S. Airways Center exploded(爆炸的.分解的[]) with applause(鼓掌.喝采[]).
Another event included was the annual Shooting Stars competition, which features a player from an NBA team, a retired player from that team and a player from that city's WNBA club. It was won by Team Detroit-former Piston Bill Laimbeer, present Pistons guard Arron Afflalo and Detroit Shock star Katie Smith.
Team Detroit was runner-up last year and won the contest in 2007 in which players shoot from six locations of increasing difficulty.

• diminutive  (adj.)   矮小的;小型的

The diminutive child couldn't reach the buttons in the elevator.

• to beat  (v.)   打敗;擊敗

The team practiced all year to become good enough to beat their archrivals.

• prop  (n.)   道具;支撐物

The photographer used the small plastic stool as a prop for the little girl.

• theatrical  (adj.)   戲劇性的;誇張的

The theatrical performance included impressive scenery and lighting effects.

• cape  (n.)   斗蓬;披風

Superheroes are often portrayed as wearing capes as they fly around and save the world.

• to wheel  (v.)   推動;拉動

The doctors wheeled the injured player away on a stretcher.

• event  (n.)   活動;事件

The sporting events at the field day included races and various ball games.

• slam dunk   灌籃;扣籃

The star basketball player made a slam dunk to win the game.

• to be a good/great sport   擁有良好的運動精神或風度

Jill is a good sport; she'll go along with almost anything.

• phone booth   電話亭

The thriller movie was about a man who was trapped in a phone booth with snipers aiming at him.ㄍ

this text is from http://www.studentpost.com.tw/words/default.asp?sIssue=1121

27.3.09

Anonym zum Arzt

Wenn Migranten ohne Papiere krank werden, können sie in Deutschland nicht einfach zum Arzt gehen. Ihnen droht die Abschiebung. Berlin aber will Migranten den Zugang zu medizinischer Behandlung ab sofort erleichtern.‎

Fatima Addo aus Westafrika lebt seit Jahren ohne Papiere in Deutschland. Ihren richtigen Namen nennt sie nicht. Sie hat Angst, entdeckt und abgeschoben zu werden. "Es ist sehr, sehr schwer, ohne Papiere zurechtzukommen(vt.完成.勝任). Und wenn du krank bist, gibt es keine Möglichkeit, zu einem Arzt zu gehen", sagt sie.
 
Bisher können sich Menschen wie Fatima Addo nicht einfach untersuchen lassen, wenn sie schwanger sind, eine Lungenentzündung(e.肺部發炎) oder Gelenk(s.關節)probleme haben. An sich bekommen auch Migranten ohne Papiere und Krankenversicherung die Behandlung vom Sozialamt bezahlt. Doch das Sozialamt muss die Ausländerbehörde informieren. Dann droht den Patienten die Abschiebung.
 
Der Berliner Staatssekretär für Gesundheit, Benjamin-Immanuel Hoff, prüft zurzeit die Möglichkeit eines anonymen Krankenscheins für akute(adj.急性的) medizinische Notfälle. So würde Fatima Addo, wenn sie krank ist, einen Krankenschein mit einer Nummer bekommen. Im Krankenhaus müsste sie dann ihren Namen nicht nennen. Und das Krankenhaus würde die Behandlungskosten vom Sozialamt erstattet(vt.代墊) bekommen.
 
In anderen europäischen Ländern ist das längst Normalität. So gibt es in Italien und Spanien bereits seit einiger Zeit ein ähnliches Modell, das gut funktioniert, sagt Burkhard Bartholome vom Berliner Büro für medizinische Flüchtlingshilfe. Er hofft, dass der anonyme Krankenschein bald in Berlin eingeführt wird. Dann könnte das Modell auch in anderen Bundesländern salonfähig(adj.有身分的.文雅的) werden.

Freitag, 27. März 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4131611,00.html
Glossar
 
anonym(無名氏) – ohne einen Namen zu nennen
 
Migrant/in, der/die – jemand, der aus einem Land in ein anderes eingewandert ist
 
ohne Papiere – hier: ohne offizielle Erlaubnis, in einem Land zu leben
 
jemandem droht etwas – jemand muss vor etwas Angst haben
 
Abschiebung, die – das Zurückschicken von jemandem in sein Heimatland
 
zurechtkommen – hier: mit etwas keine Probleme haben
 
Entzündung, die – eine Krankheit, bei der sich das betroffene Körperteil oft heiß ist und weh tut
 
Gelenk, das – die Stelle, an der zwei Knochen verbunden sind, z. B. Knie, Schulter
 
an sich – eigentlich
 
Sozialamt, das – die Behörde, die für Menschen ohne Geld zuständig ist
 
Ausländerbehörde, die – das Amt, das z. B. für Aufenthaltsgenehmigungen zuständig ist
 
Staatssekretär, der – hier: ein Politiker, der einen Minister in einem bestimmten Bereich unterstützt
 
Krankenschein, der – ein Schein, der den Patienten zu einer medizinischen Behandlung berechtigt
 
akut – dringend
 
Notfall, der – hier: eine gefährliche Krankheit oder Verletzung
 
etwas erstatten – die Kosten für etwas übernehmen
 
etwas einführen – hier: eine neue Regel offiziell gültig machen
 
etwas ist salonfähig – etwas wird akzeptiert

25.3.09

Ein Europa – viele Größen

In Europa regiert das Chaos, was Kleidergrößen betrifft: Die deutsche 38 ist in Frankreich eine 40 und in Italien sogar eine 42. Auf einen gemeinsamen europäischen Standard können sich die Staaten nicht einigen.‎

Es ist immer wieder dasselbe Spiel in der Umkleide(e.更衣室): "Ich glaube, die ist ein bisschen eng", sagt Katja, nachdem sie die Hose in Größe 36 anprobiert hat. "Eigentlich habe ich immer 36." Doch was in dem einem Geschäft passt, ist in dem anderen zu klein. Und so muss Katja an diesem Tag noch viele weitere Hosen anprobieren.
 
Dabei könnte alles so einfach sein, meint Eva Hillers, Expertin für Konfektion(e.服裝業)sgrößen: "Wir richten uns nach Umfang(r.周遭.周圍.體積.胸圍) und Körperlänge." So wäre gesichert, dass die Größe 36 auch immer gleich groß ist – und das weltweit. Bislang werden die Größen in jedem Land anders berechnet. So hat zum Beispiel eine Frau mit einem Brustumfang von 88 Zentimetern in Russland Größe 44, in Deutschland hingegen Größe 38.
 
Für Konfektionsgrößen gibt es also keine gemeinsamen Vorschriften. Der Grund ist aber nicht das fehlende Interesse von Firmen. Yvonne Kochs, verantwortlich für die Qualitätskontrolle bei C & A, ist sich sicher, dass besonders europaweit tätige Unternehmen sehr an einer Standardisierung(e.標準化) interessiert sind.
 
Doch Expertin Eva Hillers glaubt nicht, dass eine europaweite Lösung gefunden werden kann: "Es ist immer schwierig, die Europäer zusammenzubringen, denn dann muss jeder Abstriche(r.扣除.除去) machen." Weder Franzosen noch Deutsche, noch Italiener sind wirklich bereit, ihre Größen aufzugeben. Eva Hillers hat deswegen ihre eigene Lösung: Sie achtet nicht auf Kleidergrößen und geht grundsätzlich mit einem Zentimetermaß einkaufen.

Dienstag, 23. März 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4122757,00.html

Glossar
 
Chaos, das – das Durcheinander
 
etwas betrifft jemanden/etwas – etwas bezieht sich auf jemanden/etwas
 
sich auf etwas einigen – zu einer gemeinsamen Lösung kommen
 
Standard, der – hier: eine Regelung, die für alle europäischen Länder gleich ist
 
Umkleide, die – die Kabine(e.更衣室.機艙) in einem Geschäft, in der man sich umziehen kann
 
Experte/Expertin, der/die – jemand, der besonders viel über ein Thema weiß
 
Konfektionsgröße, die – die Größe von Kleidung
 
etwas richtet sich nach etwas – etwas hängt von etwas ab
 
Umfang, der – hier: die Länge um etwas (z. B. einen Körper) herum
 
weltweit – auf der ganzen Welt
 
bislang – bis jetzt
 
etwas berechnen – durch Rechnen feststellen, wie groß etwas ist
 
hingegen – im Gegensatz zu etwas; dagegen
 
Unternehmen, das – die Firma
 
Standardisierung, die – das Einführen eines → Standards
 
Abstriche machen – hier: bereit sein, auf etwas zu verzichten; Kompromisse eingehen
 
Zentimetermaß, das – ein Band oder ein Stock, mit dem die Größe von etwas gemessen werden kann

21.3.09

Hier werden Autoren gemacht

In Deutschland gibt es ein Institut, an dem das Schreiben von literarischen Texten gelehrt wird. Pro Jahr werden nur 20 Studenten zugelassen. Doch das Studium ist keine Garantie für eine Karriere als Schriftsteller.‎

Nachdem Jörn Dege sein Mathematik- und Philosophiestudium beendet hatte, wollte er etwas Neues machen. Er bewarb sich mit 20 Seiten Text beim Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Obwohl er noch nie etwas veröffentlicht hatte, erhielt er einen der 20 Studienplätze – und das bei 600 Bewerbern. Seitdem besucht der 26-Jährige Vorlesungen in Literaturgeschichte oder bekommt Tipps für den Alltag eines freischaffenden(adj.自由業的) Schriftstellers.
 
Aus dem Institut sind schon einige bekannte Autoren hervorgegangen. "Da gibt es Juli Zeh, Clemens Mayer oder Tobias Hülswitt", zählt der Geschäftsführer Claudius Nießen auf. Er weist seine Studenten aber auch darauf hin, dass man durch das Studium nicht automatisch zum Schriftsteller wird. Darüber sind sich die Studenten im Klaren. Nebenjobs oder ein zweites Studium sind deshalb völlig normal.
 
Im Zentrum des Studiums stehen die Texte der Studenten. Sie werden in Workshops von den Kommilitonen besprochen. Jörn Dege sieht in den Gesprächen mit den anderen eine große Chance für seine Weiterentwicklung. Sein Kommilitone Andreas Stichmann dagegen glaubt, dass das Institut überschätzt wird: "Man sitzt im Seminar und bespricht mit 20 Leuten den Text. Beeinflussen tut mich das nicht."
 
Und was meinen die Verleger? Michael Faber, Leiter des Leipziger Verlages Faber & Faber sagt: "Auf Grund der Tatsache, dass (…) beträchtliche Talente aus dem Literaturbetrieb hervorgegangen sind, hat sich die Aufmerksamkeit (…) erhöht." Verleger und Lektoren(r.編輯 ) würden jetzt selbst auf das Institut zugehen. Die Chancen auf eine Schriftstellerkarriere stehen also gut, wenn man es erst einmal bis zum Literaturinstitut geschafft hat. Dann muss man nur noch durchhalten und den Nerv der Zeit treffen.

Freitag, 20. März 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4113895,00.html 
Glossar

literarisch – so, dass etwas zur Literatur zählt (z.B. Romane, Gedichte, Erzählungen usw.)
 
jemanden zulassen – hier: jemandem einen Studienplatz geben
 
Vorlesung, die – eine Veranstaltung an der Universität, bei der ein Professor einen Vortrag hält
 
freischaffend – so, dass man keinen festen Arbeitgeber hat; selbstständig
 
aus etwas hervorgehen – aus etwas entstehen; von etwas kommen
 
jemanden auf etwas hinweisen – jemanden auf etwas aufmerksam machen
 
sich über etwas im Klaren sein – etwas genau wissen
 
Nebenjob, der – ein Job, mit dem man ein wenig Geld verdienen kann
 
Kommilitone, der / Kommilitonin, die – der/die Mitstudent/in
 
etwas besprechen – über etwas sprechen
 
etwas überschätzen – zu viel von etwas erwarten; etwas zu gut bewerten
 
Beeinflussen tut mich das nicht. – umgangssprachlich: Das beeinflusst mich nicht.
 
Verleger/in, der/die – jemand, der Bücher veröffentlicht
 
beträchtlich – ziemlich groß
 
Lektor/in, der/die – jemand, der in einem Verlag für die Auswahl und Korrektur von Büchern zuständig ist
 
auf jemanden zugehen – hier: jemanden kontaktieren; mit jemandem Kontakt aufnehmen
 
durchhalten – Geduld haben und mit einer Sache weitermachen
 
den Nerv der Zeit treffen – hier: über ein Thema schreiben, das aktuell viele Menschen interessiert

17.3.09

Kinder in Gefahr


In den 1990er Jahren wurden in Belgien mehrere Mädchen entführt und ermordet. Daraufhin wurde der Verein "Child Focus" gegründet, der die Polizei bei der Suche nach vermissten Kindern unterstützt.‎

Wenn in Belgien ein Kind verschwindet, ruft die Familie neben der Polizei auch die Hotline von "Child Focus" an. Der Verein, der auf Initiative der Eltern entführter Kinder entstanden ist, gilt als besonders erfolgreich bei der Suche. In den 1990er-Jahren erregte der Fall Marc Dutroux großes Aufsehen(s.引人注目): Der Belgier hatte sechs Mädchen entführt, missbraucht und vier von ihnen getötet. Damals kritisierten viele, dass die Regierung nicht schnell genug reagiert habe, erklärt Dirk Depover, Sprecher von "Child Focus".
 
In dem kleinen Büro des Vereins sitzen rund um die Uhr zwei Mitarbeiterinnen am Telefon. Insgesamt arbeiten rund 50 Menschen für "Child Focus". Sie organisieren die Suche und betreuen die Eltern der vermissten Kinder. Denn wenn ein Kind verschwindet, ist das eine Ausnahmesituation, in der niemand weiß, was er tun soll, so Dirk Depover. Jedes Jahr gibt es etwa 2000 neue Fälle.
 
Die ersten Stunden nach dem Verschwinden eines Kindes gelten als die wichtigsten: Dann gibt es die meisten Spuren. In ihrem Auto können die Mitarbeiter von "Child Focus" am Ort des Verschwindens schnell Suchplakate drucken. Sie hängen sie an U-Bahnstationen, Geschäften, Schulen und Straßenlaternen(e.街燈) auf. Zusätzlich verteilen ehrenamtliche Mitarbeiter Handzettel an Busfahrer, Zugschaffner und Türsteher(r.門房.警衛) von Diskotheken.
 
Regelmäßig arbeitet "Child Focus" auch mit Organisationen aus anderen europäischen Ländern zusammen. Doch wenn es nach Dirk Depover geht, könnte die Kooperation in Europa noch besser werden: Er fordert ein europaweites Register, in dem alle Personen zu finden sind, die eine potenzielle Gefahr für Kinder darstellen.
 
Dienstag, 17. März 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4105351,00.html
Glossar
 
jemanden entführen – jemanden gegen seinen Willen an einen Ort bringen
 
Hotline, die – eine Telefonnummer, die man wählen kann, wenn man Hilfe braucht
 
auf jemandes Initiative – durch das Engagement von jemandem
 
etwas gilt als etwas – viele Menschen haben eine bestimmte Meinung über etwas
 
Aufsehen erregen – viel Aufmerksamkeit bekommen
 
jemanden missbrauchen – jemanden zu sexuellen Handlungen zwingen
 
rund um die Uhr – 24 Stunden am Tag
 
rund – hier: ungefähr
 
etwa – hier: ungefähr
 
Straßenlaterne, die – eine Lampe auf der Straße
 
ehrenamtliche Mitarbeiter/in, der/die – jemand, der ohne Bezahlung für einen guten Zweck arbeitet
 
Handzettel, der – ein Papier mit Informationen, das auf der Straße verteilt wird
 
Türsteher/in, der/die – jemand, der am Eingang einer Diskothek steht und dort kontrolliert
 
wenn es nach … geht – nach dem Wunsch von …
 
Kooperation, die – die Zusammenarbeit
 
Register, das – eine alphabetische Liste
 
potenziell – möglich
 
eine Gefahr für jemanden darstellen – eine Gefahr für jemanden sein

14.3.09

Blut und Spiele


Der Amoklauf am 11.03.2009 in Winnenden war nicht der erste dieser Art. Schon 2002 richtete(vt.釀成.造成) ein 19-Jähriger in Erfurt ein Blutbad an. Damit sich dies nicht wiederholt, beschloss der Staat damals eine Reihe von Maßnahmen.

Einen Amoklauf wie am 26. April 2002 in Erfurt kannten Deutsche bis dahin vor allem aus den USA. Der 19-jährige Robert Steinhäuser tötete an seiner früheren Schule 16 Menschen und danach sich selbst. Steinhäuser war Sportschütze und hatte seine Pistole ganz legal in einem Geschäft gekauft. Aus diesem Grund setzte der Staat die Altersgrenze für den Besitz solcher Sportwaffen auf 21 Jahre herauf. Allerdings nützt diese Regelung nach Meinung von Experten wenig, weil 90 Prozent der Täter-Waffen illegal erworben werden.
 
Auch die möglichen Motive des Täters wurden untersucht: Steinhäuser war im Jahr zuvor der Schule verwiesen worden und hatte keinen Schulabschluss. Deshalb wurde in Thüringen das Schulgesetz geändert. Wie in anderen Bundesländern auch werden Gymnasiasten nun nach der zehnten Klasse geprüft. Damit haben sie wenigstens einen Realschulabschluss, auch wenn sie später das Abitur nicht bestehen sollten.
 
Kritisiert wurde damals auch die schlechte psychologische Betreuung von Schülern. Doch das Ziel, in Zukunft an jeder Schule einen Psychologen zu haben, wurde nicht erreicht. Vergleicht man Deutschland mit anderen Ländern, dann gibt es immer noch sehr wenige Schulpsychologen: In Deutschland kommen auf einen Psychologen mehr als 10.000 Schüler; in Dänemark zum Beispiel sind es nur 800.
 
Als eine weitere Konsequenz aus der Tat wollte der Staat den Verkauf von gewaltverherrlichenden Computerspielen besser kontrollieren. Denn bei Steinhäuser wurden wie bei den meisten jugendlichen Amokläufern so genannte Killerspiele gefunden. Inzwischen werden diese Spiele in Deutschland genauer geprüft und für bestimmte Altersgruppen verboten. Die Wirkung solcher Verbote ist allerdings umstritten – und ändert nichts an einem anderen Problem: Es ist kaum möglich, die Verbreitung von Killerspielen im Internet zu kontrollieren.

Freitag, 13. März 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4094910,00.html

Glossar
 
Amoklauf, der – das Herumlaufen und Schießen mit einer Waffe, um möglichst viele Menschen zu töten
 
ein Blutbad anrichten – sehr viele Menschen töten
 
etwas verschärfen – etwas (z. B. ein Gesetz) strenger machen
 
Schütze, der – jemand, der schießt
 
legal – gesetzlich; erlaubt ↔ illegal
 
Altersgrenze, die – ein bestimmtes Alter, das man erreichen muss, um etwas machen oder kaufen zu dürfen
 
etwas erwerben – hier: etwas kaufen
 
Motiv, das – hier: der Grund, die Ursache für ein Verbrechen
 
jemanden der Schule verweisen – jemandem verbieten, weiter eine Schule zu besuchen
 
Thüringen – ein Bundesland im Osten Deutschlands mit der Hauptstadt Erfurt
 
Gymnasiast/ -in, der/die – jemand, der ein Gymnasium besucht, um dort nach der 12. oder 13. Klasse das Abitur zu machen
 
Realschule, die – die mittlere Schule in Deutschland, die nach der zehnten Klasse mit dem Realschulabschluss endet
 
gewaltverherrlichend – so, dass Gewalt als sehr positiv dargestellt wird
 
umstritten – so, dass es verschiedene Meinungen zu etwas gibt
 
Verbreitung, die – hier: das Weitergeben