16.1.09

Lesen mit den Fingern


Vor 200 Jahren, am 4. Januar 1809 wurde Louis Braille, der Erfinder der Blindenschrift, geboren. Durch die von ihm entwickelte Methode können Blinde ihren Alltag ohne ständige Hilfe von anderen bewältigen.‎

Ein Gegenstand für eine kleine Brailleschrift-Übung findet sich in fast jedem Haushalt: Auf jede Arzneimittelpackung(e.藥品包裝) sind kleine Noppen(e.小小的突起物) geprägt. Die meisten Sehenden haben Schwierigkeiten, die Anzahl und Anordnung dieser Noppen zu ertasten(vt.觸碰). Für Eskandar Abadi, Redakteur bei der Deutschen Welle, ist das kein Problem: "Da ist ein sehr durchdachtes System in dieser Codierung drin."
 
Bei der Brailleschrift stehen für jedes Zeichen sechs Punkte zur Verfügung. Das heißt, es gibt sechs Positionen, auf denen entweder eine Noppe sein kann oder eben keine. Insgesamt macht das 64 Kombinationsmöglichkeiten. Die Brailleschrift ist keine eigene Sprache; sie codiert die Zeichen, die in einer Sprache vorkommen. Und deshalb gibt es neben der ursprünglichen Schrift für lateinische Buchstaben auch Versionen(e.說法) für kyrillische(adj.西里爾字母) und chinesische Schriftzeichen – und auch eine Fassung für das arabische Alphabet, die der Iraner Eskandar Abadi als Kind gelernt hat.
 
Abadi ist von Geburt an blind, Renate Reymann jedoch, die Präsidentin des "Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes" (DBSV), musste die Punktschrift erst in der Mitte ihres Lebens erlernen. "Das war für mich noch einmal, als wenn ich mit sechs Jahren in die Schule gekommen wäre." Für sie ist die Brailleschrift nicht nur wichtig, um einen Zugang zu Bildung und Literatur zu haben. Es geht auch um die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben im Alltag zu führen.
 
Zum 200. Geburtstag von Louis Braille werden in diesem Jahr viele Veranstaltungen angeboten, die auf die Bedeutung der Blindenschrift hinweisen. "Die brauchen wir trotz aller Computertechnik, trotz der E-Bücher und was es alles auf dem Markt gibt", meint Reymann. Das sieht auch Eskandar Abadi so: "Da, wo ich sichergehen muss, da lese ich Braille."

Freitag, 16. Januar 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3950636,00.html
Glossar
 
ständig – dauernd; immer wieder
 
etwas bewältigen – etwas schaffen; eine Aufgabe ausführen
 
Arzneimittelpackung, die – die Verpackung von Medikamenten
 
Noppe, die – hier: eine kleine Erhöhung oder Erhebung auf einer Oberfläche
 
etwas (auf/in etwas) prägen – etwas (ein Bild, eine Schrift) in ein festes Material drücken oder pressen, so dass es sehr lange zu sehen ist (z. B. Münzen)
 
etwas ertasten – etwas erkennen, indem man es nur fühlt, aber nicht sieht
 
etwas durchdenken – etwas genau überlegen; über etwas in allen Einzelheiten nachdenken
 
Codierung, die – ein System, bei dem bestimmte Symbole oder Zeichen für andere Symbole oder Zeichen stehen
 
etwas steht zur Verfügung – etwas kann benutzt werden
 
Kombinationsmöglichkeit, die – die Möglichkeit, wie man bestimmte Dinge (z. B. Zahlen) anordnen kann
 
ursprünglich – so, wie etwas zuerst war
 
Version, die – eine von mehreren Möglichkeiten, wie etwas dargestellt wird
 
kyrillische Schriftzeichen – die Buchstaben, die z. B. in Russland verwendet werden
 
Zugang, der – hier: die Möglichkeit, etwas zu erhalten oder etwas zu verstehen
 
selbstbestimmt – so, dass man nicht von anderen abhängig ist
 
E-Buch, das – ein Buch, das auf dem Computer zu lesen oder zu hören ist
 
sichergehen – hier: etwas ganz genau wissen

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