3.7.08

Marokkanische Jugendliche- Zwischen Abenteuer und Tod


Immer mehr marokkanische Jugendliche versuchen über die Meerenge von Gibraltar nach Europa zu kommen. Auf dem Weg riskieren sie ihr Leben. Doch sie wissen: Schaffen sie es bis nach Spanien, können sie meist bleiben.

Mohammed hat schöne Erinnerungen an seine Heimat. In Imichil im Atlas-Gebirge lebt seine Familie. "Wir haben dort eigentlich ein gutes Leben", sagt Mohammed. " Doch irgendwann ging einer nach dem anderen nach Europa. Als ich sah, dass all meine Freunde nach Europa gingen, beschloss ich auch zu gehen." Sein Vater hatte ihm verboten zu gehen. Doch Mohammed glaubte, das Leben sei in Spanien einfach besser. Mohammed trieb sich einen Monat lang in Tanger am Hafen herum(vt.sich 閒晃), dort wo die Autofähren nach Spanien ablegen(vt.啟航.離岸). Er wartete auf den richtigen Moment, sich unter einen Lastwagen zu hängen. Als er in Spanien ankam, wurde er von der Polizei erwischt(vt.捕獲.捉住.剛好趕上.剛好碰上) und kam in ein Heim für jugendliche Einwanderer.
 
Jose Luis Cabrera arbeitet in einem solchen Heim als Betreuer und kennt die Schicksale der Jugendlichen. Manche mussten schon als Kind bis zu 12 Stunden am Tag schuften, andere stammen aus zerrütteten(vt.精神上.體質上的破獲.損壞) Familienverhältnissen. Doch Cabrera kennt auch viele Fälle wie den von Mohammed. "Für sie ist die Auswanderung eine Art Abenteuer." Es hat sich längst herumgesprochen(vt.到處傳), dass die Jugendlichen als Minderjährige speziellen Schutz genießen. Sie bekommen in der Regel Papiere und können dann, wenn sie 18 sind, bleiben und arbeiten. Bis jetzt haben sich die Behörden an die Regel gehalten, dass Minderjährige nicht abgeschoben(vt.遣送.移開.推卸) werden dürfen. Doch nun fürchten Flüchtlingsorganisationen eine massive (adj.強而有力的.不顧一切的.實心的)Rückführungswelle(e.遣返).
 
"Die andalusische Regionalregierung hat kürzlich angekündigt 880 marokkanische Jugendliche mit ihren Familien zusammenzuführen. Sie behaupten, die Jugendlichen hätten kein Bleiberecht, da sie aus geordneten Familienverhältnissen stammen", sagt Brigitte Espuche, Mitarbeiterin von der Organisation Pro Menschenrechte. Jugendliche wieder zurück nach Marokko zu schicken, sei fatal. "Nach marokkanischem Recht ist die illegale Emigration ein Delikt. Es wird dabei nicht zwischen Minderjährigen und Erwachsenen unterschieden. Wer illegal ausreist kann mit einer Geldbuße oder gar Gefängnisstrafe belegt werden", sagt Espuche.
 
Mohammed hat seine rechtliche Situation in Spanien regeln können. Inzwischen macht er eine Lehre als Handwerker, am Wochenende arbeitet er in einem Restaurant. Würde er wieder nach Spanien kommen? "Nein. Im Atlas, da, wo ich herkomme, gibt es nette Leute. Ich vermisse meine Familie sehr, und sie mich." Wenn er etwas Geld gespart hat, will er zurück zu seiner Familie nach Marokko.
 
Dienstag, 11. September 2007 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2778018,00.html 
 
GLOSSAR
 
beschließen – sich entscheiden
 
sich herumtreiben – sich an einem Ort aufhalten und nichts Sinnvolles tun
 
ablegen - hier: losfahren
 
jemanden erwischen – jemanden entdecken, der etwas Verbotenes getan hat
 
schuften – hart arbeiten
 
zerrüttet – zerstört; kaputt
 
Minderjährige, der – ein Jugendlicher, der noch nicht 18 Jahre alt ist
 
Papiere, die – Begriff für Ausweis und Formulare
 
jemanden abschieben – jemanden gegen seinen Willen in sein Heimatland zurückbringen
 
Rückführungswelle, die – ein Begriff für das Zurückschicken vieler Ausländer in ihr Heimatland
 
Bleiberecht, das – die Erlaubnis, dass ein Ausländer in einem Land bleiben kann
 
geordnet – hier: normal; stabil; intakt
 
illegal - verboten
 
Emigration, die – die Auswanderung aus dem Heimatland
 
Delikt, das – eine verbotene Tat
 
Geldbuße, die – die Geldstrafe
 
jemanden mit einer Strafe belegen – jemand bekommt eine Strafe
 
regeln – organisieren; etwas in Ordnung bringen
 
Lehre, die – eine Ausbildung; die Erlernung eines Berufs
 
Handwerker, der – ein Arbeiter, der mit Werkzeug arbeitet; z.B. Maler, Elektriker

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