11.5.09

Raus aus der Anstalt

Früher wurden sie außerhalb der Stadt in großen Anstalten(e.療養機構) untergebracht. Heute leben viele behinderte Menschen in den Stadtzentren. Eine Entwicklung, die in Deutschland zukunftsweisend ist.‎

Sein erstes Zimmer vergisst Otto Goebel nie. "Mit zehn anderen Jungs habe ich mir einen Schlafsaal geteilt", erzählt der 74-jährige geistig behinderte Mann. Er erinnert sich nicht gerne an die Zeit im Heim für Behinderte. Seit sieben Jahren lebt er in einer kleinen Wohngruppe mitten in Mönchengladbach. Hier fühlt er sich richtig wohl.



Die Stiftung Hephata setzt sich seit Jahren für dieses neue Wohnmodell für Behinderte ein. "Möglichst kleine Wohngruppen sind unser Modell der Zukunft", sagt Dieter Kalesse von der Stiftung. Die Behinderten sollen nicht mehr am Rand der Stadt in großen Anstalten leben, sondern in kleinen Wohngemeinschaften.



Auf einem Gelände der Stiftung leben die behinderten Menschen in Apartments, bedienen in den Restaurants, spielen Theater oder haben ein eigenes Atelier(s.工作室). Sie sind Teil des gesellschaftlichen Lebens. Der Sprecher der Stiftung, Wolfgang Scharenberg, erzählt, dass dadurch viele deutlich selbstbewusster und selbstständiger geworden sind. Sie können mit Geld umgehen, auf andere Menschen zugehen und viel besser ihre eigenen Wünsche ausdrücken.



Für Georg Hermann vom Behindertenreferat der Stadt Essen sind die neuen Wohnmodelle ein großer Fortschritt. Aber er kritisiert auch, dass sich die schulische und berufliche Integration(e.結合) von Behinderten in Deutschland nur langsam bessert. Er hofft auf die UN-Behindertenrechtskonvention(e.公約.合約.), die Deutschland im Dezember 2008 unterschrieben hat. Denn dort, so Hermann, wird noch einmal betont, dass behinderte Menschen Bürger sind und damit auch die gleichen Rechte haben.



Freitag, 8. Mai 2009 von http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4236594,00.html

Glossar



Anstalt, die – hier: ein Gebäude, in dem kranke Menschen wohnen und von Ärzten behandelt werden



jemanden an einem Ort unterbringen – jemanden an einem Ort wohnen lassen



behindert – hier: so, dass man ernsthafte körperliche oder geistige Probleme hat und im Alltag mehr Schwierigkeiten als andere Menschen hat



zukunftsweisend – so, dass gezeigt wird, wie etwas in der Zukunft aussehen wird



Schlafsaal, der – ein großer Raum mit vielen Betten



geistig behindert – so, dass man mehr Schwierigkeiten als andere hat, etwas zu verstehen



sich wohl fühlen – glücklich sein



Stiftung, die – eine Organisation, die Geld für ein bestimmtes Projekt sammelt



sich für etwas einsetzen – sehr viel tun, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen



Gelände, das – hier: ein Stück Land, das jemandem gehört



Atelier, das – ein Raum, in dem ein Künstler arbeitet



selbstbewusst – so, dass man Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten hat



mit Geld umgehen können – so, dass man weiß, wie man sein Geld gut verwendet



auf jemanden zugehen – hier: jemanden, den man nicht kennt, ansprechen



Referat, das – hier: ein Teil einer Behörde, die bestimmte Aufgaben hat



kritisieren – hier: sagen, was an etwas schlecht ist



Integration, die – hier: der Zustand, in dem behinderte Menschen mit anderen Menschen zusammen lernen und arbeiten



Konvention, die – ein Vertrag zwischen mehreren Staaten

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